Meerfenchel: Medizin und Gaumenfreude in einem

  • geschrieben von 
Der Meerfenchel ‒ Crithmum maritimum ‒ (το) κρίταμο (krítamo), altgr. (τό) κρίϑμον, κρῆθμον (kríthmon, kréthmon) Der Meerfenchel ‒ Crithmum maritimum ‒ (το) κρίταμο (krítamo), altgr. (τό) κρίϑμον, κρῆθμον (kríthmon, kréthmon)

Der eigentliche Winter auf Alonissos, die wirklich harten Monate auf der Insel, kommen erst im Januar und Februar. Die eisige Kälte dringt dann bis in die Knochen hinein. Jetzt sind Vitamine angesagt! Wie wär’s mit Meerfenchel als Salat, frisch gepflückt?

Man muss sich nur auf die Klippen wagen: Die Brandung schlägt gegen die Felsen, Gischt spritzt bis zu den Pflanzen hoch, Salz auf der Zunge. Nicht umsonst heißt er Meerfenchel. Als Geschenk des Meergottes Poseidon braucht er die Meeresnähe, die Felsenküsten, die salzige Luft. Seine graugrünen, länglich-fleischigen Blätter sind zwar um diese Jahreszeit klein und fest, aber besonders schmackhaft. Ein ruhiger Tag wird abgewartet, mit wenig Wellengang, so dass man nicht gleich nass wird. Oder man wartet die Alkyonides ab, die siebentägige Windstille der „Halkyonischen Tage“, die auffälligerweise meist im ersten Monat des Jahres, im Januar, eintritt. Die Mythologie weiß eine Erklärung: Aiolos, der Herrscher der Winde, hält Stürme und somit die Wellen zurück, damit die Vögel, und nicht zuletzt auch seine Tochter Halkyone und ihr Gatte Keyx, beide in Eisvögel verwandelt, in Ruhe und ohne Gefahr am Meer brüten können. In dieser windstillen Zeit kann man gefahrlos dorthin klettern, wo sonst die Brandung tobt, wo sich sonst keiner so recht hintraut, um den Meerfenchel zu pflücken. Üblicherweise aber wird der Meerfenchel im Mai und Juni gesammelt, bevor er zu blühen beginnt. Seine Blätter sind bis dahin gewachsen, frischer und größer, die Wetterbedingungen angenehmer als normalerweise im Winter.

Mit dem echten Fenchel ist er in keiner Weise verwandt. Aber die Ähnlichkeit der Blüten gab ihm seinen Namen Meerfenchel. Κρίταμο (krítamo) wird er in Griechenland genannt, aus dem altgriechischen κρίϑμον (kríthmon), erinnert doch sein Samen an ein Gerstenkorn, an κριθάρι (krithári) bzw. altgriechisch κριθή (krithé). Auch in der botanischen Bezeichnung ist dieser Zusammenhang nicht zu übersehen.

Der Meerfenchel als Heilpflanze

Mit seinem hohen Gehalt an Vitamin C und seinen Mineralstoffen gilt er als ebenso stärkend wie blutreinigend. Er unterstützt Milz und Nieren und regt die Verdauung an, weshalb man den Meerfenchel auch als Mittel gegen allgemeine Fettleibigkeit ansieht. Seine ätherischen Öle machen das besondere geschmackliche Aroma aus und wirken appetitanregend. Hippokrates, der vor mehr als 2.000 Jahren gelebt hat und einer der Urväter unserer heutigen Heilkunst ist, schätzte den Meerfenchel als eine harntreibende und entgiftende Heilpflanze. Die Blätter frisch gegessen oder nur kurz in Wasser gekocht – so ist er natürlich am wirksamsten und am schmackhaftesten: Medizin und Gaumenfreude in einem!

Verwendung in der Küche

Zutaten für Meerfenchel-Salat: Meerfenchel, frisches Olivenöl, Zitrone oder Essig, Salz

Meerfenchel waschen und in kochendes Wasser geben. Solange kochen, bis die Stielenden weich sind. Abseihen und mit Olivenöl, Essig oder Zitrone und etwas Salz anmachen. Der Meerfenchel kann warm oder kalt gegessen werden.

Meerfenchel Salat 300

Zur Konservierung wird er entweder eingefroren oder in Gläsern eingemacht. Möchte man ihn einfrieren, dann wird er vorher nur ganz kurz in kochendes Salzwasser gelegt und sofort wieder herausgenommen. In einem Sieb gut abtropfen lassen! Um ihn in Schraubgläsern für den Winter haltbar zu machen, wird er zuerst in Salzwasser oder Weißwein gekocht bis er gar ist. Dann werden die Gläser mit dem Meerfenchel gefüllt und üblicherweise halb und halb mit der Kochflüssigkeit und Essig aufgefüllt. Oben drauf kann man Olivenöl geben.

Aus dem Buch: „Garten der Götter - Pflanzen am Mittelmeer: Heilkraft, Mythos, Geschichten & Rezepte“, das gerade in 2. überarbeiteter Auflage im Verlag der Griechenland Zeitung erschienen ist.

garten cover 300

Nach oben