Die immergrüne Zypresse

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Die immergrüne Zypresse

Mit ihren hoch aufragenden Spitzen drücken Zypressen der Landschaft Griechenlands vielerorts einen prägnanten Stempel auf. Aus der Flora des Landes sind sie nicht wegzudenken, und aufgrund der extremen Widerstandsfähigkeit und langen Haltbarkeit ihres Holzes erfreuten sie sich stets großer Beliebtheit als Baumaterial. Auch kulturgeschichtlich kommt der langlebigen, immergrünen Zypresse eine besondere Bedeutung zu, ist sie doch seit alters in besonderer Weise mit Tod und Trauer verbunden, aber auch mit der Vorstellung von Jenseits und Ewigkeit.



Bis heute trifft man sie in Griechenland gerade an Friedhöfen immer wieder an, und von so manchem Lied wird sie – freilich nicht ausschließlich – in entsprechendem Zusammenhang besungen. Kultiviert wurde die Zypresse bereits in der Antike. Wegen der positiven Eigenschaften war ihr Holz schon damals überaus begehrt und wurde für unterschiedliche Zwecke genutzt. So verwendete man es gerne im Schiffbau, aber auch für Tempeltüren und Sarkophage ist es bezeugt. In Zypressenholz waren schließlich auch die Bestimmungen jenes Gesetzeswerks geschnitzt, das Solon der Stadt Athen im frühen 6. Jahrhundert v. Chr. gegeben hat. Auch in der Mythologie kehrt die Zypresse immer wieder. Sie war mit einer Reihe von Göttern verbunden und soll nicht nur vor der Geburtshöhle des Zeus auf Kreta gewachsen sein, sondern auch die Umgebung der Grotte der Kalypso auf Ogygia geschmückt haben. Selbst vom Haus des Odysseus ging die Erzählung, dass es aus Zypressenholz gebaut gewesen sei. Verknüpft war die Zypresse, auf Griechisch „Kyparissi“ (κυπαρίσσι), aber auch mit der Unterwelt, was wiederum auf ihren Ursprung als Trauerbaum verweist. So hatte nämlich der junge Kyparissos von der Insel Kea enge Freundschaft zu einem Hirsch geschlossen. Als er das Tier versehentlich tötete, bat er Apollon, der ihm in besonderer Weise zugetan war, seiner Trauer ewigen Ausdruck zu verleihen. Daraufhin verwandelte der Gott ihn in eine Zypresse, deren tropfenförmiges Baumharz an die Tränen des Jünglings gemahnt. (Text: Jens Rohmann; Foto: Eurokinissi)

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