WWF moniert prekären Umweltzustand Griechenlands

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An der Küste der Peloponnes soll nach Öl gebohrt werden. (Foto © Hubert Seifert) An der Küste der Peloponnes soll nach Öl gebohrt werden. (Foto © Hubert Seifert)

Mit Griechenlands Umweltschutz ist es nicht zum Besten bestellt. Das bestätigte der sogenannte Nomo-Report 2018 des WWF, der sich mit der ökologischen Lage des Landes befasst und Anfang der Woche bekannt gegeben wurde.

Für die prekäre Situation des Umweltschutzes in Griechenland führte Dimitris Karavellas, Generaldirektor von WWF Greece, in einer Pressekonferenz mehrere Beispiele an: Er nannte u. a. undurchsichtige Genehmigungsverfahren für die Gewinnung von fossilen Brennstoffen vor griechischen Küsten, die schweren Waldbrände in Mati (Ostattika) sowie die Nichteinhaltung von Urteilen des Europäischen Gerichtshofs. „Der Nomo-Report deckt erhebliche Lücken und Mängel auf, die von den zuständigen Stellen zu beheben sind ", forderte George Hassiotis, der Koordinator des WWF Hellas.

Das Feuer in Mati habe etwa erneut das Problem von Schwarzbauten und gleichzeitig auch die Mängel des griechischen Feuerlöschsystems deutlich gemacht, das immer noch auf Reaktion und nicht auf Prävention beruhe.  Aber auch Nachhaltigkeit sei keine Stärke Griechenlands, kritisiert der WWF und hob u. a. drei Bereiche hervor: Die Stromerzeugung sei noch immer zu stark von Kohle abhängig. Darüber hinaus würde sich über 160.000 Tonnen fester Siedlungsabfall auf Deponien stapeln – ohne Aussicht auf Recyclingmöglichkeiten –, und viele gefährliche Abfälle würden noch immer illegal entsorgt.

Die Regierung versuche zwar, etwas zu verbessern, gehe aber völlig widersprüchlich vor. Auf der einen Seite erkläre man etwa den Golf von Kyparissia im Westpeloponnes zum Naturschutzgebiet, und auf der anderen Seite verhandle man im selben Moment über die Lizenzen für den Abbau von fossilen Brennstoffen in derselben Region. Nicht zuletzt sei die Behörde der Umweltkontrolleure nach wie vor unterbesetzt und völlig von der politischen Führung des Umweltministeriums abhängig.

Griechenland bleibt wegen des mangelnden Umweltschutzes auch im Visier der EU: Es gibt bereits elf Urteile des EU-Gerichtshofs gegen Hellas, zum Teil verbunden mit hohen  Geldstrafen. Den jüngsten Zahlen zufolge hat Griechenland für die Nichteinhaltung von EU-Richtlinien bereits mehr als 100 Mio. Euro gezahlt.

Der WWF vergaß in seinem neuesten Umweltbericht aber nicht, auch positive Entwicklungen zu erwähnen. Dazu zählte er beispielsweise den Ausbau des Natura 2000-Netzwerks, die Einrichtung des National Fair Transition Fund sowie eines Energiegemeinschaftsgesetzes. Trotzdem zeigt sich die Organisation nicht sehr zuversichtlich: „Leider müssen wir für ein weiteres Jahr eine deutliche Verringerung des Umweltschutzes miterleben. Als krassester Fall sind hier die Pläne der Regierung zur Gewinnung von fossilen Brennstoffen zu nennen“, bedauert Dimitris Karavellas. Die Regierung forderte er in diesem Zusammenhang zur sofortigen Annullierung der diesbezüglichen Vorhaben auf.

Umfragen des WWF zeigen, dass sich die Bevölkerung Griechenlands der mangelnde Umweltschutz durchaus bewusst ist. Nur sieben Prozent halten die prognostizierten Auswirkungen der Umweltgefahren für übertrieben, 8 von 10 möchten strengere Umweltgesetze durchsetzen, und Tausende haben bereits eine Petition gegen Bohrungen nach Erdöl und Erdgas entlang der griechischen Meere unterzeichnet. Immerhin wären davon etwa 100 geschützte Gebiete im Land betroffen.

(GZjs)

 

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