„Ich weiß, dass ich nichts weiß“

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Foto © Griechenland Zeitung / Jan Hübel / Delphi Foto © Griechenland Zeitung / Jan Hübel / Delphi

Diese berühmte Antwort im Titel gab der Philosoph auf die Verkündigung des delphischen Orakelspruchs, dass niemand weiser als Sokrates sei. Der um 470 v. Chr. geborene Sohn einer Hebamme und eines Steinmetzes vertrat die Philosophie, dass das bestehende Wissen stets in Frage gestellt und erkundet werden müsse.

Den Menschen vergleicht er mit einem Höhlenbewohner, der nur die sich ständig wandelnden Schatten der Dinge, das Abbild der Wahrheit, sieht. Erst wenn er aus der Höhle kriecht, sieht er die Dinge in ihrem wahren Licht, ihre Essenz und Gesetzmäßigkeiten. Nach Ansicht von Sokrates sind die Menschen zur Erkenntnis der Wahrheit imstande, verfallen im alltäglichen Leben jedoch der Gewohnheit zu urteilen, statt davon auszugehen, „nichts zu wissen“, und ihr Wissen auf Allgemeingültigkeit zu prüfen. Seine Aufgabe als Lehrer sah er daher darin, die Vernunft seiner Zeitgenossen zu erwecken, damit sie im Alltag nicht vorschnell urteilen, sondern das Gesetzmäßige erkennen, sich nach dem Guten richten und die bestmögliche Handlungsweise anstreben. Sokrates hat diese Haltung konkret gelebt, indem er die Menschen auf der Straße und im privaten Kreis unermüdlich in Gespräche verwickelte. Um neu nach der Wahrheit zu forschen. Um sein eigenes Wissen und das der anderen ständig in Frage zu stellen. Xanthippe, seine zänkische Frau, nahm sein Herumstreunen und Diskutieren in den Gassen Athens nicht ernst, doch seine provokative Lehrweise, seine aufmüpfigen unbequemen Reden sollten ihn schlussendlich den Kopf kosten. Vor seiner Verurteilung war Sokrates ein angesehener Mann unter den Athenern. Im Peloponnesischen Krieg hatte er tapfer, als Schwerbewaffneter, an drei Feldzügen teilgenommen. Auch achtete man sein Engagement für Gerechtigkeit. Er war ein Mann, der nicht nur nach der Wahrheit suchte, sondern nach ihr zu handeln trachtete. So setzte er sich als Vorsitzender im Rat der Volksversammlung unter Gefährdung seines eigenen Lebens gegen das unrechtmäßige Todesurteil eines athenischen Feldherrn ein. Doch seine provokativen Reden in den Gassen Athens brachten ihm den Vorwurf ein, er verderbe die Jugend. Er erkenne die alten Götter nicht an, sondern propagiere neue. 399 v. Chr. wurde Sokrates zum Tod durch den Schierlingsbecher verurteilt. Seiner Überzeugung nach waren Gesetze, auch sein Todesurteil, etwas Überpersönliches, nach dem man sich zu richten hatte. Aus Gesetzestreue schlug Sokrates daher die von einem Schüler angebotene Chance zum Fluchtversuch aus und leerte den Giftbecher. Der zänkischen Postbeamtin hier im Dorf wurde übrigens der Spitzname Xanthippe verpasst und man spöttelt, ihr Mann sei ganz erpicht darauf, den Giftbecher zu leeren.

(Griechenland Zeitung / Linda Graf)

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