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Griechische Inselwelt

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 Lindos auf Rhodos: auf der Akropolis Lindos auf Rhodos: auf der Akropolis

Wie viele Inseln zu Griechenland gehören, wird wohl immer ein Geheimnis bleiben; es kommt darauf an, wie man zählt. Ist ein kleiner Felszacken im Meer schon eine Insel? Wie groß muss etwas mindestens sein, um als Insel gelten zu können? Lassen wir die Fragen. Auf jeden Fall wäre Griechenland nicht, was es ist, hätte es nicht seine Inseln im Überfluss. Inseln und Küsten haben den Charakter der Griechen geprägt.

Nicht nur, dass sie ein Volk von Seefahrern wurden; das sind die Wikinger und Normannen, die Spanier und Portugiesen auch gewesen. Es kommt darauf an, wie man das Meer erlebt. Als Xenophons griechische Söldner ihren berühmten Weg durch Kleinasien zogen und dabei in die ödesten Gebirge kamen, Hunger und Durst erleiden mussten und schier verzweifelten, wurden sie erst wieder froh, als sich ihnen der Blick aufs Meer öffnete. „Thalatta, thalatta!“ Der Ruf ist in die Geschichte eingegangen. Meer ist nicht gleich Meer. Da gibt es Pontos, die unergründliche, schwarze, grenzenlose Tiefe, zu der man sich besser nicht hinauswagt; da gibt es Okeanos, der aber nicht unser Ozean ist, sondern ein rund um die Erdscheibe strömender Fluss – für Homer noch als Gott –, da gibt es Thalatta, das die Seele erfrischt und wo die Schiffe fahren, und da gibt es die überschaubaren Buchten, die Kolpoi, an denen man siedeln und Städte bauen kann. Der erste griechische Philosoph, Thales von Milet, hatte in solch einer Stadt gelebt und verkündete: „Alles kommt aus dem Wasser.“ Wie er das gemeint hat, möchte ich hier nicht zu deuten versuchen, aber sicher hat er dabei aus seinem Fenster zum Hafen und aufs Meer, das ägäische, geschaut. Und Pindars erste olympische Ode beginnt mit dem Satz: „Wohl ist Wasser das Beste“, wobei er allerdings an trinkbares Süßwasser gedacht haben mag.

Kurzum: Die Griechen haben mit dem Meer gelebt und tun das heute noch. Aber es ist für sie nicht die unendliche Weite unserer Nordsee, über die sich ein ewig düsterer Nolde-Himmel wölbt, sondern ein Meer mit Konturen. Wer durch die Ägäis fährt, hat immer etwas zu sehen. Gerade ist eine Insel hinter dem Horizont verschwunden, taucht vorn schon die nächste auf. Womit wir wieder bei den Inseln wären. Von ihnen möchte ich erzählen, aber mit welcher soll ich anfangen? Ich halte mich an die Landkarte und beginne mit den ionischen im Westen Griechenlands, dort wiederum mit der nördlichsten, mit Korfu.

Auszug aus dem Buch „Griechenland kreuz und quer“ von Bruno Heller

In „Griechenland kreuz und quer“ fasst Bruno Heller drei Jahrzehnte seiner individuellen und abenteuerlichen Griechenlandreisen kurzweilig zusammen. Dabei bewegt sich der studierte Philosoph abseits der gängigen Urlaubspfade. Skurrile Anekdoten kommen in seinen Reiseerzählungen nicht zu kurz. Illustriert wurde dieses 256 Seiten umfassende Buch mit zahlreichen Aquarellen. Dem Autor ist eine persönliche und gleichzeitig zeitlose Hommage an Hellas und die Hellenen gelungen: „Erinnerungsschwer denken wir an die hellen Strände, die steilen Küsten, an karstige Bergwelt und flüsternde Olivenhaine. Aber auch an die Menschen, die uns begegnet sind, an ihre unermüdliche Freundlichkeit, ihr Lachen, ihre Späße, ihren Ernst, ihre Trauer – auch an sie!“ Ein Buch, das nicht nur die eigene Reiselust weckt – sondern das uns auch etwas weiser macht!

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