Die Griechen sind das gläubigste Volk in Europa Tagesthema

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Eine Kerzenspende für den lieben Gott: Die Religion spielt im Alltag vieler Griechen eine wichtige Rolle (Foto: © Eurokinissi). Eine Kerzenspende für den lieben Gott: Die Religion spielt im Alltag vieler Griechen eine wichtige Rolle (Foto: © Eurokinissi).

Dass die Griechen fromm sind, fällt auch Außenstehenden leicht auf. Sogar in öffentlichen Verkehrsmitteln findet man Ikonen, Menschen bekreuzigen sich vor Kirchen oder gehen schnell hinein, um eine Kerze anzuzünden. Den Augenschein bestätigte eine Umfrage des amerikanischen Pew Reserach Center, die zwischen Mai und Oktober 2019 unter mehr als 38.000 Teilnehmern in 34 Ländern – darunter 13 EU-Staaten – durchgeführt wurde. Wegen der Corona-Krise wurden die Ergebnisse erst letzte Woche veröffentlicht.

An erster Stelle in Europa und allgemein unter den westlichen Nationen stehen die Griechen bei der Frage nach der Bedeutung des Glaubens im eigenen Leben. 80 % antworteten, der Glaube sei sehr wichtig oder wichtig für sie. In den notorisch religiösen USA sind die entsprechenden Zahlen 70 % und 30 % und in Polen, das in Europa an zweiter Stelle steht, 69 % und 27 %. Der Durchschnitt unter allen befragten Nationen lag bei 62 %.

Weltweit werden die Griechen freilich von den Indonesiern (100 %), den Philippinern (98 %) und den Türken (89 %) abgehängt. Daneben gaben 73 % der befragten Griechinnen und Griechen an, dass das Gebet für sie wichtig sei, und 82 % sagten dies über Gott aus. Unter den höher entwickelten Volkswirtschaften liegt mit jeweils 89 % nur der Nachbar Türkei vor Griechenland. Der Durchschnitt liegt hier bei 53 % bzw. 61 %. Am anderen Ende der Skala finden sich die Schweden wieder, die zu 82 % keine Beziehung mehr zum Glauben haben, gefolgt von den Tschechen (72 %) und den Bürgern des Mutterlandes des Laizismus, Frankreich (66 %). 

Interessant sind die Ergebnisse auch bei einer Gretchenfrage, die schon Friedrich Nietzsche stark beschäftigt hatte: Ob man die mit einer Religion – in unserem Falle dem Christentum – verbundene Moral ohne den Glauben an den zugehörigen Gott aufrechterhalten kann. In Griechenland waren 53 % der Ansicht, dass Glaube und Moral eng zusammenhängen. Es folgen in Europa Bulgarien (50 %) und die Slowakei (45 %). Die geringste Zustimmung findet diese Haltung in Frankreich (15 %), Tschechien (14 %) und Schweden (9 %), während Länder wie die Philippinen (96 %), Kenia (95 %) und die Türkei (84 %) in dieser Frage deutlich vor den Europäern liegen. Übrigens war auch der geschworene Atheist Nietzsche der Meinung, dass mit dem Verlust des christlichen Gottes die christliche Moral nicht mehr zu halten sei. (Griechenland Zeitung / ak)

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