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Brisóla und Suvlákia

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Foto (© Eurokinissi) Foto (© Eurokinissi)

Auch diese beiden Wörter sind, vergleichbar mit Käfftädes und Bifftäki, im Griechischen Fremdwörter, das eine, brisóla (μπριζόλα), kommt von dem venezianischen brisiola, suvlaki (σουβλάκι) geht letztendlich auf das lateinische subula zurück. Die Brisola entspricht dem deutschen (Schweins-)Kotelett, was wir auch mit „Rippenstück“ bezeichnen und, wenn es klein ist, auch mit „Rippchen“.

In brisiola steckt der Stamm brasa „glühende Kohle“, der germanischen Ursprungs sei, und hat im italienischen bragia und im französischen braise überlebt: die „Kohlenglut“. Wir sehen also, hier wird nicht das Fleischstück bezeichnet, sondern das gegrillte Produkt. Dass sich hinter dem Kotelett die lateinische costa, die Rippe, verbirgt, ist nur eine Anmerkung wert. Im Deutschen kommt so ein Wort, so wie hier auch wieder, gewöhnlich über das Französische: cotelette. Interessanter wird es erst, wenn die paidákia ins Spiel kommen. Das sind ja die beliebten griechischen Lammkoteletts, abgeleitet von pagida, der Rippe, mit der Deminutivendung -ákia, also genau im Sinn von „Rippchen“. Subula wiederum bedeutete zunächst des Schusters Ahle. Voll Neid blickt der Arme Prodromos, der sich als Philologe über Wasser zu halten versucht, auf seinen Nachbarn, den Schuster, in einem Gedicht des griechischen Mittelalters: „Wenn nun sodann die Stunde naht, das Mittagsmahl zu nehmen,/ wirft von sich flugs den Leisten er, wirft von sich auch das Brettchen,/ Ahle (suvlin – σουβλίν) und Schustermesser auch, sowie auch Draht und Faden,/ und wendet sich an seine Frau: ‚Weib, setz den Tisch, die Tafel!‘“ In einem späteren Zusatz zu diesem Gedicht ist aber auch bereits von einer gebratenen suvlitaréa die Rede, was nichts anderes ist als ein „Riesenspießbraten“. Von der Ahle zum Spieß, vom Spieß zum Spießbraten und vom Spießbraten zu unseren Spießbratenstückchen suvlákia ist ja doch ein kleiner Weg. Wobei die Verkleinerung ja nicht die Fleischstücke betrifft, sondern die Spießgröße, in der diese ja bis heute serviert werden. Wie sehr eingedeutscht diese suvlákia im Deutschen bereits sind, entnehmen wir dem schon des Öfteren zitierten Neugriechischen Handwörterbuch von Chr. Charalambakis, der doch tatsächlich zum Wort suvlaki erwähnt: „germ. souvlaki“.

Aus Neuerscheinung des GZ-Verlages: „Salz in der Soupa. Griechisch-Deutsche Sprachfindigkeiten II“

Deutsch-Griechisches, Griechisch-Deutsches. Wohl kaum ein anderer bewegt sich in diesem Metier sicherer als Professor Hans Eideneier. Nach seinem äußerst erfolgreichen Klassiker „Ärmellos in Griechenland“, der bisher drei Auflagen erlebte, bringt der Verlag der Griechenland Zeitung nun den Folgeband auf den Markt. Gewürzt mit einer herzhaften Prise Humor vermittelt Eideneier darin unterhaltsam seine verblüffende Kenntnis der Materie. Nonchalant und dennoch tiefgründig klärt er uns etwa darüber auf, warum der Tausendfüßler in Griechenland eine Vierzigfüßlerin ist oder was es mit dem Müller-Pendant Papadopulos auf sich hat. Um Griechenland und das Griechische besser zu verstehen, ist „Salz in der Soupa“ ein optimaler Weggefährte.

Cover Salz in der Soupa 300

Hans Eideneier: Salz in der Soupa. Griechisch-Deutsche Sprachfindigkeiten II. Mit 13 Karikaturen von Kostas Mitropoulos. 192 Seiten, fest gebunden, 19 x 12 cm. Verlag der Griechenland Zeitung, Athen 2021.
ISBN: 978-3-99021-038-3
Preis: 19,80 Euro

https://www.griechenland.net/shop/b%C3%BCcher/product/1699-salz-in-der-soupa

 

 

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