Dienstagnacht kenterte ein Flüchtlingsboot im Meer vor der Insel Chios. Mindestens 15 Menschen starben, 27 wurden zum Teil schwer verletzt, darunter Kinder und Schwangere. Die Rettungskräfte vor Ort wurden von Militärhubschraubern und privaten Schiffen unterstützt. Ursache für das Unglück war ein Zusammenstoß des Flüchtlings-Bootes mit einem Schiff der griechischen Küstenwache.
Dienstagnacht (3.2.) ist es im offenen Meer vor der Insel Chios zu einer Flüchtlingstragödie gekommen. Durch den Aufprall eines Flüchtlingsbootes mit einem Schiff der griechischen Küstenwache, das eine planmäßige Patrouille durchführte, haben mindestens 15 Menschen ihr Leben verloren. Durch die Wucht der Kollision kenterte das Schnellboot mit den Flüchtenden und sank, wobei alle Insassen ins Meer stürzten.
27 Personen mussten in das lokale Krankenhaus dieser fünftgrößten griechischen Insel eingeliefert werden. Darunter waren elf Minderjährige und zwei Beamte der Küstenwache.
Der Unfall hat sich in der Gegend Myrsinidi im Osten der Ägäis-Insel ereignet.
Einer Mitteilung der Küstenwache zufolge hatte das Flüchtlingsboot „gefährliche Manöver“ durchgeführt und war ohne Beleuchtung unterwegs. Der Bootsführer ignorierte zudem die Warnsignale der griechischen Behörden und die Aufforderung, das Boot zu stoppen.
An der Rettungsaktion haben sich Hubschrauber der griechischen Luftstreitkräfte, Boote der Küstenwache und private Schiffe sowie Privattaucher beteiligt.
Gegenüber der griechischen Ausgabe von CNN erklärte der Bürgermeister von Chios, dass sich alle Ärzte des Krankenhauses in voller Bereitschaft befänden. Dem Nachrichtenportal lifo.gr zufolge waren auch zwei Schwangere unter den Insassen des Schnellbootes, die zwar außer Lebensgefahr seien, sie hätten jedoch die ungeborenen Kinder verloren. Die übrigen verletzten Kinder würden auf der Kinderstation behandelt, vor allem wegen orthopädischer Verletzungen.
Dem staatlichen Nachrichtensender ERT zufolge mussten mindestens drei Personen operiert werden, weil sie schwer verletzt waren. Die Staatssekretärin im Migrationsministerium Sevi Voloudaki sprach von einem „sehr traurigen Ereignis“. Gegenüber ERT erklärte sie, dass die griechische Küstenwache täglich mit ähnlichen Situationen durch Boote, die illegal von der türkischen Küste oder aus Libyen nach Griechenland gelangen wollen, konfrontiert sei. Dabei sprach sie von „kriegsähnlichen Zuständen“. Ziel ihres Ministeriums sei es, „zwischen illegaler und legaler Migration zu unterscheiden“. „Legal werden dabei etwa Einwanderer genannt, die durch bilaterale Abkommen nach Griechenland einreisen können“, so Voloudaki. Ein solches Abkommen bestehe bereits mit Ägypten, „weitere werden derzeit mit Indien, den Philippinen, Vietnam und Nepal diskutiert“. Die Betroffenen werden „in einem klar definierten Rahmen für einen bestimmten Zeitraum einreisen und anschließend in ihre Heimatländer zurückkehren“. (Griechenland Zeitung / eh)