In ruhigeren Gewässern

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In ruhigeren Gewässern

Die deutsch-griechischen Beziehungen waren an einem solchen Tiefpunkt angelangt, dass man über die gegenseitigen Ausfälle, Seitenhiebe, Sticheleien und Grobschlächtigkeiten fast nur noch lachen konnte.

Es war da nur passend, dass der brillante Gag einer Komiker-Truppe vom ZDF fast zur Staatsaffäre wurde, dem griechischen Finanzminister Janis Varoufakis einen täuschend echten digitalen Stinkefinger Richtung Deutschland an die Hand zu montieren, was sich im Nachhinein wiederum als wahrhaft satirisches Fake herausstellte. Große deutsche Medien sind in heiliger Empörung auf die Fälschung reingefallen und blamierten sich bis auf die Knochen. Varoufakis selbst, eigentlich das Opfer des Gags, müsste sich aber auch fragen, warum es mit seiner Glaubwürdigkeit so schlecht steht: Obwohl er von Anfang an beteuerte, das betreffende Video sei montiert, haben ihm nur die allerwenigsten geglaubt, sogar unter seinen eigenen Anhängern in Griechenland.
Mit ihrem Treffen in Berlin am Montag scheinen der griechische Premierminister Alexis Tsipras und Bundeskanzlerin Angela Merkel diesem komisch-tragischen Schauspiel vorerst einmal ein Ende gesetzt zu haben. In der Sache sind sie kaum aufeinander zugegangen, aber alleine ihr öffentlich demonstrierter zivilisierter Auftritt und respektvoller Umgang miteinander „verdünnte“ einiges vom bösen Blut, das die deutsch-griechischen Beziehungen vergiftet hat.
Tsipras tat gut daran, öffentlich zu Protokoll zu geben, dass die Deutschen nicht die Schuld tragen für den miserablen Zustand der griechischen Wirtschaft. Das hört man in Deutschland gern, wo man vielerorts den Griechen schlichte Undankbarkeit vorwirft.
Obwohl sie kaum von ihrer Position zurückwich, ging Merkel ihrerseits sehr respektvoll mit der griechischen Forderung nach Kriegsreparationen um, einem in Griechenland sehr sensiblen Thema.
Auf die Hauptfrage haben Merkel und Tsipras keine Antwort geliefert: Wie die wirtschaftsliberalen Forderungen von Griechenlands Geldgebern mit der linken Wirtschaftspolitik der Athener Regierung in Einklang gebracht werden können, um die weitere Finanzierung des Landes zu gewährleisten. Aber wenigstens redet man wieder miteinander.
Dimos Chatzichristou

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