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Kampf um den Erhalt historischer Kinos Tagesthema

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Eingangsbereich des Kino "Ideal" in der Athener Panepistimiou-Straße (© Eurokinissi). Eingangsbereich des Kino "Ideal" in der Athener Panepistimiou-Straße (© Eurokinissi).

In den vergangenen Jahren musste eine Reihe selbst renommierter Kinos der griechischen Hauptstadt ihre Pforten schließen. Seit einiger Zeit bereits bangen Athens Kinofreunde nun auch um den Weiterbetrieb von im unmittelbaren Zentrum gelegenen historischen Lichtspielhäusern.

Zu Athens Kino-Juwelen gehören das „Ideal“ an der Od. Panepistimiou und das „Astor“ in der Stoa Korai. Sie sind in Gebäudekomplexen untergebracht, die von ihrem Eigentümer, dem Nationalen Sozialversicherungsträger EFKA (ΕΦΚΑ), der dem Arbeitsministerium angeschlossen ist, jetzt veräußert werden. Für das Schliemann-Melas-Haus, das das „Ideal“ beherbergt, wurde bereits ein auf Jahrzehnte angelegter Pachtvertrag mit der Kette „Mitsis Hotels“ unterzeichnet, die es restaurieren und in ein Fünf-Sterne-Hotel umwandeln will.
Mit der neuen Nutzung der betreffenden Gebäude sehen die in ihnen gelegenen Kinos einer ungewissen Zukunft entgegen. Forderungen, sie unter Denkmalschutz zu stellen und so ihren Weiterbetrieb zu sichern, erteilte das Kulturministerium eine Absage. Dessen Chefin Lina Mendoni tritt nach eigener Aussage zwar ausdrücklich für den Erhalt der Kinos ein, die Voraussetzungen für eine gesetzliche Einstufung als schützenswerte Denkmäler würden die beiden Einrichtungen aber nicht erfüllen. Die Verantwortung für eine Entscheidung über ihren künftigen Status liege beim Umweltministerium. Dieses wurde von EFKA trotz entsprechender Versicherungen bezüglich des Erhalts der Kinos freilich aufgefordert, deren Betrieb nicht als geschützt einzustufen, um die Instandsetzung und neue Nutzung, damit letztlich also die Veräußerung der betreffenden Gebäude nicht zu gefährden.

Nein zu „altgriechischem Disneyland“

Die Betreiber der Kinos selbst reagierten mit Protesten. Anfang April fanden durch die Initiative „Unsere Kinos, unsere Stadt“ („Τα Σινεμά Μας, Η Πόλη Μας“) kostenlose Filmvorführungen statt. Unterstützung dafür hat sich längst auch von politischer Seite eingestellt. So tritt nicht neben dem Athener Stadtrat auch die Staatspräsidentin für ihre Erhaltung ein. Auch der Premierminister sprach sich für einen Weiterbetrieb der Kinosäle aus, wobei er neben der cineastischen auch eine zusätzliche kulturelle Nutzung in Betracht zog. Der Athener Bürgermeister Kostas Bakogiannis fordert trotz der Stellungnahme des Kulturministeriums weiterhin, die Lichtspielhäuser unter Denkmalschutz zu stellen, und verweist in diesem Zusammenhang auf einen Präzedenzfall aus dem Jahr 1997, als 47 Open-Air-Kinos mit einer entsprechenden Maßnahme gerettet wurden. Er betont ausdrücklich: „Wir wollen Investitionen, wir wollen Besucher. Wir wollen aber nicht, dass Athen seine Seele verliert. Wir wollen uns nicht in ein altgriechisches Disneyland verwandeln … Wir wollen eine Stadt, die für ihre Einwohner gemacht ist.“

Unterstützung vom In- und Ausland

Unterstützt werden die Forderungen nach dem Erhalt der Kinos darüber hinaus nicht nur von der Griechischen Filmakademie, sondern nicht minder von einer ganzen Reihe griechischer und ausländischer Filmschaffender wie der Regisseure Costa-Gavras, Giorgos Lanthimos oder Fatih Akin. Als neueste Entwicklung in dieser Sache wurde nun bekannt, dass der Zentralrat für Architektur im Umweltministerium nach Prüfung der Angelegenheit beschlossen hat, die Nutzung der Kinos künftig tatsächlich als „geschützt“ einzustufen, wobei aber auch weitere Verwendungen zu kulturellen Zwecken erlaubt sein sollen.
(Griechenland Zeitung / Jens Rohmann)

 

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