Übersetzungsfehler oder tiefgreifende Missverständnisse?

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Übersetzungsfehler oder tiefgreifende Missverständnisse?

Die deutsch-griechischen Beziehungen verschlechterten sich in den vergangen Tagen und Wochen merklich. Nicht zuletzt haben zahlreiche Äußerungen hochrangiger Politiker dazu beigetragen. Am Mittwoch legte das griechische Außenministerium über seinen Botschafter in Berlin beim deutschen Außenministerium Protest ein. Anlass waren gewisse Bemerkungen des deutschen Finanzministers Wolfgang Schäuble (Foto: l.) über seinen griechischen Amtskollegen Janis Varoufakis (r.).

Unter Berufung auf Regierungskreise berichtete die Tageszeitung „Kathimerini“ in ihrer heutigen Ausgabe, dass die Athener Regierung „keine Provokation unbeantwortet“ lassen werde. Der liberalen Wirtschaftszeitung „Naftemporiki“ zufolge ging es bei dieser in Berlin deponierten Demarche konkret um Äußerungen Schäubles während einer Pressekonferenz am Dienstag, die gegen Varoufakis gerichtet waren. In Griechenland war bekannt geworden, dass der deutsche Spitzenpolitiker angeblich gesagte habe, sein griechischer Kollege sei „dümmlich naiv“ (foolish naive). Wie die New York Times in ihrer heutigen Ausgabe feststellt, habe Schäuble in Wahrheit den Ausdruck „plötzlich naiv“ (suddenly naive) verwendet.
In der Sendung „ONline“ des privaten griechischen Fernsehsender MEGA nach den konkreten Vorgängen befragt, versuchte Varoufakis zunächst, dem Thema etwas aus dem Weg zu gehen und sagte: „Ich werde nicht in die Falle des schlechten Benehmens laufen“. Er stellte lediglich fest, dass Schäuble während einer Unterredung zu ihm gesagt habe, dass er das Vertrauen der Deutschen Bundesregierung verloren habe. Varoufakis habe darauf geantwortet: „Ich hatte es nie, ich bin Mitglied einer Regierung der revolutionären Linken.“ Es sei ihm klar, dass er nicht das Vertrauen Schäubles haben könne, „aber ich habe das Vertrauen des griechischen Volkes“. Allerdings müsse man gegenseitig Vertrauen gewinnen, denn nur auf diese Weise könne man gemeinsame Ziele festlegen und diese auch erreichen. Varoufakis verwies außerdem darauf, dass er sich gegenüber seinem deutschen Amtskollegen stets „äußerst respektvoll“ verhalten habe. Schließlich handle es sich um einen Politiker, der über eine Erfahrung von vier Jahrzehnten verfüge.
Allgemein, so der Finanzminister aus Athen, habe die griechische Seite in den letzten Jahren „viele unserer Partner“ verwöhnt. Man sei daran gewöhnt, dass eine ganze Reihe von (griechischen) Ministern „in einer Reihe vor den Büros der Troika sitzen“. Man sei daran gewöhnt zu sagen: „Vergiss es Janni, Kostas, Kyriakos …“. Varoufakis kommentierte diese Beobachtung mit den Worten: „Ich verstehe jetzt ihre Unzufriedenheit, aber sie werden sich daran gewöhnen.“
(Griechenland Zeitung / jh, Foto: Eurokinissi)

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