Fast die Hälfte der Rentner in Griechenland lebt unter der Armutsgrenze Tagesthema

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Fast die Hälfte der Rentner in Griechenland lebt unter der Armutsgrenze

Am Montagmorgen demonstrierten vor dem Athener Rathaus Senioren gegen die wiederholte Kürzung ihrer Bezüge. Immer mehr griechische Ruheständler leben sechs Jahre nach Ausbruch der Staatsschuldenkrise in prekären Verhältnissen, wie der griechische Rentnerverband ENDISY unlängst bekanntgab.

Demnach müssen in Griechenland heute sechs von zehn Ruheständlern mit weniger als 700 Euro im Monat auskommen, und fast 45 Prozent leben unter der statistischen Armutsgrenze von monatlich 665 Euro. In absoluten Zahlen seien das 1,2 Millionen Rentner. Zudem flössen diese kargen Bezüge auch noch oft in die Haushalte arbeitsloser Kinder, denn gut die Hälfte der ärmeren griechischen Haushalte ist laut ENDISY auf die Unterstützung der älteren Familienmitglieder angewiesen. Insgesamt seien die Renten seit Ausbruch der griechischen Schuldenkrise durch mehr als ein Dutzend Kürzungen und zusätzliche Belastungen real um 20 bis 50 Prozent gesunken, hieß es.
Zugleich stünden die Rentenkassen mit vier Milliarden Euro Gesamtdefizit auch weiter kurz vor dem Zusammenbruch, meldete der Verband. Die Gründe für die desolate Lage des griechischen Rentensystems sind unter anderem die Überalterung der Bevölkerung, die hohe Arbeitslosigkeit und die grassierende Schwarzarbeit. In Griechenland stehen rund 3,5 Millionen Beschäftigte 2,6 Millionen Rentnern gegenüber. Hinzu kommt vielfach Missmanagement bei den Versicherungsträgern. Im Rahmen des laufenden Sparprogramms sollen die Rentenkassen ab Januar zu einer Einheitskasse zusammengelegt werden. (Griechenland Zeitung / ak)


Am heutigen Montagvormittag machten zahlreiche Rentner auf dem Kotzia Platz vor dem Athener Rathaus auf ihre schwierige finanzielle Situation aufmerksam. Anschließend marschierten sie vor das Arbeitsministerium (Foto: © Eurokinissi). Die Polizei brachte während des friedlichen Protestes Tränengas gegen die Senioren zum Einsatz, was für heftige Empörung sowohl in den Reihen der Regierungspartei SYRIZA als auch bei der Opposition sorgte.

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