„Feige Gewalttat“: Gefährliche Briefsendung an den IWF in Paris Tagesthema

Unser Archivfoto (© Eurokinissi) entstand im Mai 2015 bei der Zuführung mutmaßlicher Mitglied der BdF an ein Athener Gericht. Unser Archivfoto (© Eurokinissi) entstand im Mai 2015 bei der Zuführung mutmaßlicher Mitglied der BdF an ein Athener Gericht.

Eine Briefbombe, die mutmaßlich von Athen aus versandt wurde, ging am Donnerstag im Büro des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Paris ein. Die Sendung detonierte in den Händen einer Mitarbeiterin. Die Frau wurde leicht an Händen und im Gesicht verletzt. IWF-Chefin Christine Lagarde sprach von einer „feigen Gewalttat“. Den französischen Ermittlern zufolge habe es sich beim detonierten Inhalt eher um Feuerwerksmaterial gehandelt, denn um eine tatsächliche Bombe.


In Athen geht man davon aus, dass auch für diesen Anschlag die linksextremistische Gruppierung „Bande der Feuerherde“ (BdF) verantwortlich sein dürfte. Ein Bekennerschreiben gibt es noch nicht. Im Namen dieser Gruppe bekannten sich allerdings mutmaßliche Mitglieder zu einer ähnlichen Sendung an den deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble. Diese war bereits am Mittwoch im Bundesfinanzministerium in Berlin eingegangen. Sie wurde von den deutschen Behörden rechtzeitig entdeckt und konnte entschärft werden. Zu den Bestandteilen soll Material gehört haben, wie man es bei der Herstellung von Feuerwerkskörpern benutzt. Die BdF hatte in ihrer Mitteilung von einem Plan „Nemesis 2“ gesprochen. Bereits im Oktober 2016 hatten sie ein Sprengstoffattentat auf ein Haus in der Athener Innenstadt verübt, in dem eine Richterin wohnt. Diesem Anschlag hatten sie damals den Namen „Nemesis 1“ gegeben. Bei der Detonation des Sprengsatzes kam damals niemand zu Schaden, stark beschädigt wurde aber die Fassade des Wohnhauses.
In der griechischen Hauptstadt wird nun auch die Frage laut, wie die jüngst versandten Briefbomben unbemerkt griechisches Territorium verlassen konnten. Sie haben sowohl die Sicherheitschecks der Griechischen Post passiert und kamen als Luftfracht auch unbemerkt auf den internationalen Athener Flughafen „Eleftherios Venizelos“. Von da aus wurden sie augenscheinlich in normale Verkehrsflugzeuge umgeladen, in denen als Frachtgut auch Postsendungen transportiert werden.
Als Absender waren in beiden Fällen hochrangige Funktionäre der konservativen Oppositionspartei Nea Dimokratia (ND) angegeben worden: An die Adresse in Berlin der Vizepräsident der Partei Adonis Georgiadis und an die Adresse in Paris der ND-Pressesprecher und ehemaliger Minister für öffentliche Ordnung Vassilis Kikilias.
Die BdF hatte bereits 2010 mehrere Briefbomben innerhalb Athens sowie auch ins europäische Ausland verschickt. Adressiert waren diese damals u. a. an Bundeskanzlerin Angela Merkel, den ehemaligen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy, sowie dem früheren Ministerpräsidenten Italiens Silvio Berlusconi. Auch in der Deutschen Botschaft in Athen ging damals eine derartige Sendung ein. Die meisten dieser Pakete konnten rechtzeitig entdeckt und entschärft werden, lediglich vor der Schweizer Botschaft in der griechischen Hauptstadt detonierte eines davon; es wurde niemand verletzt. (Griechenland Zeitung / eh)

 

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