Heroin-Skandal beschäftigt erneut die griechische Öffentlichkeit Tagesthema

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Unser Archivfoto entstand im Oktober 2015 während des „Noor 1“-Prozesses vor dem Gericht in Piräus, wo der Fall verhandelt wurde. Unser Archivfoto entstand im Oktober 2015 während des „Noor 1“-Prozesses vor dem Gericht in Piräus, wo der Fall verhandelt wurde.

Wegen eines angeblichen Telefonats, das er mit einem Haftinsassen geführt haben soll, hagelt es derzeit Kritik für den griechischen Verteidigungsminister Panos Kammenos. Hintergrund ist das Schiff „Noor 1“. Auf dem Tanker hatten die griechischen Behörden im Jahr 2014 mehr als 2,1 Tonnen Heroin sichergestellt; es war die größte Menge dieser Droge, die jemals auf europäischem Territorium gefunden wurde.

Bei dem Strafvollzugsinsassen, mit dem der Minister telefoniert haben soll, handelt es sich um Efthymios Giannousakis. Dieser gilt als einer der Organisatoren für den Import des beschlagnahmten Heroins, das von Dubai nach Griechenland gebracht worden war. In seinem Haus in einem Athener Nobelvorort wurden 500 Kilo Heroin gefunden. Giannousakis muss deshalb eine lebenslange Haftstrafe absitzen.
Der Vizepräsident der oppositionellen Nea Dimokratia (ND) Adonis Georgiadis hat in dieser Woche beantragt, dass Kammenos dem Parlament erklären müsse, worum es im Telefongespräch konkret gegangen sei. Eventuell will die ND einen Misstrauensantrag einbringen. Georgiadis äußerte die Einschätzung, dass der Premier und dessen Partei SYRIZA dazu gezwungen seien, dem Verteidigungsminister Rückendeckung zu geben. Sollte sich allerdings später herausstellen, dass dieser in illegale Aktivitäten verwickelt sei, müsse sich der Ministerpräsident wegen Vertuschung vor der Justiz verantworten.
Regierungschef Alexis Tsipras reagierte auf derartige Unterstellungen mit den Worten, dass sich seine Regierung dazu verpflichtet habe, „nichts zu verbergen“. Sie werde die griechische Justiz unterstützen, damit „das Volk die Wahrheit erfährt“ und damit „die Verantwortlichen gefunden und bestraft werden“.
Was Kammenos betrifft, so ist dieser nicht nur Verteidigungsminister, sondern auch der Vorsitzende der rechtspopulistischen „Unabhängigen Griechen“ (ANEL). Diese sind der Juniorpartner in der Regierung Tsipras. Mit den Stimmen der ANEL verfügt Tsipras über eine dünne Mehrheit im Parlament (153 der 300 Sitze). Mit dieser Mehrheit passierten wichtige Entscheidungen immer wieder das Parlament. (Griechenland Zeitung / eh)

Mehr dazu lesen Sie in der kommenden Ausgabe der Griechenland Zeitung (GZ 584), die in der kommenden Woche erscheint.

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