Corona-Krise als Katalysator für die Digitalisierung

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Unser Archivfoto (© Eurokinissi) zeigt den griechischen Minister für E-Government bzw. Digitalisierung, Kyriakos Pierrakakis. Unser Archivfoto (© Eurokinissi) zeigt den griechischen Minister für E-Government bzw. Digitalisierung, Kyriakos Pierrakakis.

Die andauernde Corona-Pandemie hat die digitale Transformation in Griechenland deutlich beschleunigt. Das betonte der Minister für E-Government bzw. Digitalisierung Kyriakos Pierrakakis während einer Online-Veranstaltung der Konrad-Adenauer- und Hanns-Seidel-Stiftung am Mittwoch (9.9.) in Athen. Die Krise habe allerdings zu keiner digitalen Neuordnung geführt, sondern lediglich seien dadurch bereits geplante Strategien der Regierung vorangetrieben worden, teilte er mit.

Entflechtung des Staates

Vor allem habe man im Kampf gegen das Virus eine Entflechtung des Staates und den Abbau von Bürokratie forciert. In den vergangenen Monaten seien zahlreiche Dienste eingeführt und ein Internetportal mit der Adresse www.gov.gr auf die Beine gestellt worden. Dieses biete derzeit mehr als 600 Dienstleistungen an, für die früher Behördengänge unerlässlich gewesen wären, so der konservative Regierungspolitiker. Permanent kämen neue Dienstleistungen hinzu, wie etwa die digitale Medikamentenverschreibung.

Ein Beispiel nehme man sich in dieser Hinsicht an Estland, das bis auf wenige Ausnahmen alle Interaktionen zwischen Bürger und Staat digitalisiert habe. Ziel sei, „eine ähnliche Stufe der Digitalisierung“ zu erreichen. Auch die neuen Personalausweise, die in weniger als zwei Jahren Realität werden sollen, würden zum Bürokratieabbau beitragen, sagte Pierrakakis.

Investiert werden soll zudem in die Entwicklung von 5G-Netzen und in die Cyber-Security. Dies seien „Prioritäten, die zügig vorangetrieben werden“, bekräftigte der Minister.

Lobende Worte für Deutschland

Pierrakakis zog auch den Vergleich zu Deutschland. In der Bundesrepublik komme die Digitalisierung als „hervorragende Ergänzung“ zu einem „gut funktionierenden Staat“. In Griechenland sei die digitale Transformation eine großangelegte, aber noch unerledigte Aufgabe und „ein Mittel, um langlebige Missstände“ zu beheben. Das betreffe sowohl den Kontakt zur Bevölkerung und zu Unternehmen, aber auch das Funktionieren des Staates an sich.

Die Internationale Messe Thessaloniki (TIF), die vom 5. bis zum 13. September hätte stattfinden sollen, wurde bei der Veranstaltung ebenfalls thematisiert. Falls die TIF mit Deutschland als Partnerland stattgefunden hätte, dann wäre dies einer Vertiefung der deutsch-griechischen Beziehungen durchaus dienlich gewesen, stellte Pierrakakis sichtlich betrübt fest. Dies gelte besonders für das von ihm geleitete Ministerium, „da wir uns ständig nach Erfolgsmodellen aus anderen Ländern umsehen“.

Kritik an digitaler Wettbewerbsfähigkeit

Zu Wort meldete sich auch Konstantinos Kokkalis, Vorstandsmitglied des griechischen Unternehmerverbandes SEV. Er forderte, dass die digitale Transformation in Griechenland „Anreize für Forschung und Entwicklung“ schaffen müsse. Zwar gebe es viele gutausgebildete Ingenieure in Hellas, man hinke aber hinterher, was die Spezialisierung angehe. Zudem merkte der Wirtschaftsexperte an, dass Griechenland auf den letzten Plätzen des EU-weiten DESI-Index rangiere. Dieser bildet die Fortschritte der Mitgliedstaaten bei der digitalen Wettbewerbsfähigkeit ab.

Außerdem stellte Kokkalis fest, dass die Corona-Krise eine Änderung in der Mentalität der Griechen bewirkt habe, sodass die Digitalisierung nun leichter gestaltet werden könne. Der elektronische Handel sei wichtiger denn je, denn „die Haltung von den Konsumenten wird nichts Vorübergehendes sein“, unterstrich er. Umfragen hätten gezeigt, dass rund 70 Prozent aller Griechen auch künftig den elektronischen Handel bevorzugen werden.

Leonidas Christopoulos, Generalsekretär für Digitalisierung und Verfahrensvereinfachung, forderte, Teile des zur Verfügung stehenden Aufbaufonds für die digitale Transformation zu nutzen, um damit einen wirtschaftlichen Aufschwung zu erreichen. Dies sei eine „noch nie dagewesene Herausforderung“. Er sei aber optimistisch, dass diese Aufgabe von Griechenland bewältigt werde. „Wir sind dabei, die entsprechenden Mechanismen aufzubauen, um auch die gesamte Wirtschaft unseres Landes voranbringen zu können.“

(Griechenland Zeitung / Erik Maurer)

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