Partei „To Potami“ in Griechenland aus der Taufe gehoben Tagesthema

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Partei „To Potami“ in Griechenland aus der Taufe gehoben
Der Journalist Stavros Theodorakis (s. Foto) wurde am Wochenende während eines Gründungsparteitages offiziell zum „Vorsitzenden" – sein konkreter Titel ist „Führer der Ehrenamtlichen" – der von ihm ins Leben gerufenen Partei „To Potami" gekürt. Es gab keinen Gegenkandidaten. Zudem wählten 466 der insgesamt 650 Kongressteilnehmer ein 86-köpfiges „Panhellenisches Komitee", dem im Prinzip die Aufgaben eines herkömmlichen Politbüros zukommen. Es setzt sich aus 28 Frauen und 58 Männern zusammen.
en. Ort der dreitägigen Veranstaltung war ein Kulturpark im ostattischen Städtchen Lavrion. Außer den offiziellen Delegierten waren u. a. auch zwei unabhängige Parlamentarier anwesend sowie Athens Bürgermeister Jorgos Kaminis. Er sprach von den Schwierigkeiten beim Wiederaufbau des politischen Zentrums, wobei er der neuen Partei eine Schlüsselrolle zuordnete. Thessalonikis Bürgermeister Jannis Boutaris, der ebenfalls kommen wollte, kurzfristig aber verhindert war, meldete sich mit einer elektronischen Video-Aufzeichnung zu Wort. Er sagte u. a., dass er zuversichtlicher in die Zukunft blicke, weil es Initiativen wie „To Potami" gebe.
Ein hochrangiger Vertreter des Linksbündnisses SYRIZA richtete ebenfalls ein Grußwort an die Delegierten. Man sei für einen Dialog ohne Vorurteile und Vorbedingungen. Anwesend war auch ein Vertreter der konservativen Regierungspartei Nea Dimokratia. Auch er signalisierte Kooperationsbereitschaft, indem er etwa feststellte, dass man sich „am gleichen Ufer des Flusses" befinde.
Was den Parteigründer Theodorakis betrifft, so kündigte er an, in allen Teilen des Landes „Gruppen von Ehrenamtlichen" zu gründen. Die Quellen des „Flusses" (so die Übersetzung des Parteinamens „Potami" seien „riesig", stellte der frisch gebackene Politiker optimistisch fest.
Mit Spannung darf man nun darauf warten, welches konkrete Programm die neue politische Formation erarbeiten wird. Daraus wird man u. a. besser schlussfolgern können, mit welchen anderen politischen Kräften man künftig zusammenarbeiten könnte. Nicht wenige Beobachter glauben, dass diese bisher als liberal einzustufende Partei im Bereich des politischen Zentrums das Zünglein an der Waage für eine künftige Regierungsbildung werden könnte. Bei den Europawahlen Ende Mai hatte der Fluss auf Anhieb 6,6 % der Wählerstimmen erhalten und sich damit als fünftstärkste Partei etabliert.

(Griechenland Zeitung / jh; Foto: Eurokiniss)

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