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„The Sea Unites“: griechische Reeder und der Wiederaufbau deutscher Werften Tagesthema

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Unser Foto (© Eurokinissi) zeigt Staatspräsident Konstantinos Tassoulas bei der Eröffnung der Ausstellung „The Sea Unites – Die griechische Schifffahrt und das deutsche Wirtschaftswunder“ im Athener Kriegsmuseum. Unser Foto (© Eurokinissi) zeigt Staatspräsident Konstantinos Tassoulas bei der Eröffnung der Ausstellung „The Sea Unites – Die griechische Schifffahrt und das deutsche Wirtschaftswunder“ im Athener Kriegsmuseum.

Aus einstigen Feinden im Krieg wurde eine gelungene Kooperation: Die Ausstellung „The Sea Unites“ zeigt, wie griechische Schifffahrt und deutscher Schiffbau nach dem Zweiten Weltkrieg zu Motoren des wirtschaftlichen Wiederaufbaus und zu einem frühen Symbol europäischer Verständigung wurden. Griechenlands Staatspräsident Tassoulas hatte eine entsprechende Ausstellung kürzlich im Athener Kriegsmuseum eröffnet.

„Es gibt Momente in der Geschichte, in denen ökonomische Entscheidungen eine politische und kulturelle Dimension annehmen. Dann wird eine unternehmerische Wahl zu einem Akt der Verantwortung, und eine geschäftliche Zusammenarbeit entwickelt sich zu einer Brücke zwischen Völkern, die einst Gegner waren.“
Das stellte Staatspräsident Konstantinos Tassoulas bei der Eröffnung der Ausstellung „The Sea Unites – Die griechische Schifffahrt und das deutsche Wirtschaftswunder“ im Athener Kriegsmuseum fest. Die vorliegende Ausstellung erzähle „genau eine solche Geschichte – die Geschichte der europäischen Schiffbaukooperation nach dem Zweiten Weltkrieg“.
Diese Ausstellung beleuchte zudem „eine tiefere europäische Erfahrung: den Wandel von einer schmerzhaften Vergangenheit hin zu konstruktiver Zusammenarbeit“. Über das Meer und die Schifffahrt „wurde aus einer düsteren Erinnerung ein gemeinsames Projekt, das zeigt, wie das Meer Menschen verbinden kann“, so das griechische Staatsoberhaupt.

Entscheidung für Kooperation
Tassoulas führte fort, dass Europa nach dem Zweiten Weltkrieg bewusst einen neuen Weg eingeschlagen hatte. „Anstelle von Konfrontation setzte man auf Bündnisse, um Demokratie und Wohlstand zu fördern. Aus den Trümmern der Zerstörung entwickelte sich der Kontinent zu einer der dynamischsten Wirtschaftsregionen der Welt.“ In diesem Sinne hatte die Schiffbauindustrie, „Vertrauen geschaffen und Kooperationen ermöglicht, welche die Vergangenheit überwanden und den Weg in ein gemeinsames europäisches Zukunftsmodell ebneten“.
Der Präsident erklärte außerdem, dass „ein zentrales Kapitel dieser Entwicklung die Rolle griechischer Reeder bei der wirtschaftlichen Wiederauferstehung Westdeutschlands ist“. Deren Aufträge hätten „maßgeblich zur Rekonstruktion der deutschen Werften und zur schrittweisen Wiedereingliederung des Landes in den internationalen Wirtschaftsraum beigetragen“, konstatierte er.
Der Staatspräsident erinnerte aber auch daran, dass Griechenland während des Zweiten Weltkriegs drei Viertel seiner Handelsflotte, überwiegend durch die Angriffe deutscher U-Boote, verloren hatte. Das Land selbst war von 1941 bis 1944 von Hitlerdeutschland besetzt.

Effekt der Nachkriegsaufträge
Die Nachkriegsaufträge im Schiffbau „führten zu einem doppelten Effekt: Sie unterstützten den wirtschaftlichen Wiederaufbau Deutschlands und legten zugleich den Grundstein für das sogenannte griechische Schifffahrtswunder“. Dabei verdeutlichte Tassoulas: „Zwei wirtschaftliche Erfolge, hervorgebracht durch dieselbe Kooperation, wurden zu einem frühen Sinnbild des europäischen Integrationsgedankens.“
In den folgenden Jahren arbeiteten Tausende griechische Arbeitsmigranten in deutschen Werften. „Mit ihrer Arbeit trugen sie nicht nur zum Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft bei, sondern auch zur Entstehung eines europäischen sozialen Gefüges“, verdeutlichte der Staatspräsident. Er fasste zusammen: „Diese Geschichte macht deutlich, dass wirtschaftliche Erfolge niemals das Ergebnis eines einzelnen Faktors sind. Sie entstehen durch Zusammenarbeit, Vertrauen und stabile internationale Beziehungen, die auf gegenseitigem Respekt beruhen.“
Heute stellt die griechische Handelsflotte mehr als 61 Prozent der Flotte der Europäischen Union und rund 20 Prozent der weltweiten Tonnage – „ein Ergebnis, das in keinem Verhältnis zur geografischen Größe und Bevölkerungszahl des Landes steht“, so Tassoulas.
Er fasste seine Eindrücke mit den Worten zusammen: „Wenn diese historische Entwicklung eine Lehre bereithält, dann die, dass das Meer für Griechenland stets Quelle von Inspiration, Wissen und Stärke gewesen ist. Auf dem Meer entfaltet sich das kontinuierliche, beharrliche Weiterwirken der griechischen Idee durch die Zeit – eine odysseische Reise, die in der Tiefe der Vorzeit begann und fortbestehen wird, solange es Licht gibt und den Glauben an Harmonie, Maß und humanistische Ideale.“

Europäische Erfolgsgeschichte
Zuvor war diese Exposition bereits im Internationalen Maritimen Museum Hamburg zu sehen. Auf deren dortigen Homepage heißt es u. a.: „Der Deutsche Schiffbau lag in Folge des Zweiten Weltkriegs am Boden, das Know-How jedoch war geblieben. Dieses machten sich in den 1950er Jahre erfolgreiche griechische Reeder zunutze.“ Den Anfang machte dabei der Reeder Aristoteles Onassis, „der in kluger Voraussicht bereits Aufträge bei westdeutschen Werften platzierte, noch bevor das Schiffbauverbot der Alliierten für das Land 1952 wieder aufgehoben wurde“. – „So wurde mit einem guten Gespür für die politische Entwicklung der benötigte Stahl bereits früh geordert, was belebende Auswirkungen auf den Bergbau und die Schwerindustrie im Ruhrgebiet hatte.“ Über einen Zeitraum von 50 Jahren wurden über 160 Schiffe für griechische Eigner auf westdeutschen und ab 1971 auch auf ostdeutschen Werften gebaut. Das Fazit der Ausstellung war dabei in etwa: „Das griechische Schifffahrtswunder und das westdeutsche Wirtschaftswunder stellen eine gemeinsame europäische Erfolgsgeschichte zweier ehemaliger Kriegsgegner dar und sind ein zukunftweisendes Beispiel dafür, was durch Vertrauen und Zusammenarbeit im Frieden erreicht werden kann.“
(Griechenland Zeitung / Elisa Hübel)

Diese nun nach Griechenland gekommene Ausstellung ist noch bis zum 3. April im hauptstädtischen Kriegsmuseum zu besichtigen. Adresse: Vassilisis Sofias Avenue, Ecke Rizari 2, Athen.

 

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