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Griechenland prüft diplomatische Schritte nach Drohnenfund in seinen Gewässern Tagesthema

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Unser Foto (© Pressestelle des griechischen Verteidigungsministeriums) zeigt Verteidigungsminister Nikos Dendias am Dienstag (12.5.) in Brüssel. Unser Foto (© Pressestelle des griechischen Verteidigungsministeriums) zeigt Verteidigungsminister Nikos Dendias am Dienstag (12.5.) in Brüssel.

Verteidigungsminister Dendias bezeichnete den Fund eines unbemannten Wasserfahrzeugs vor Lefkada als ein „äußerst ernstes Problem“. Außenminister Gerapetritis bewertet die Lage ähnlich. Griechenland erwägt nach Abschluss der Untersuchungen diplomatische Schritte.

Der griechische Verteidigungsminister Nikos Dendias hat am Dienstag (12.5.) bei einer Versammlung der Verteidigungsminister der EU-Staaten im Rahmen des Rates für Auswärtige Angelegenheiten in Brüssel teilgenommen. Ebenfalls anwesend waren NATO-Generalsekretär Mark Rutte sowie der ukrainische Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow, der per Videokonferenz zugeschaltet war. Im Mittelpunkt der Beratungen standen die Stärkung der europäischen Verteidigungsindustrie, die Weiterentwicklung der Europäischen Verteidigungsagentur sowie die europäische Bedrohungsanalyse. Zudem wurden sicherheitspolitische Entwicklungen im Nahen Osten im Zusammenhang mit der Lage in der Straße von Hormus und deren Auswirkungen auf Europa erörtert. Dendias betonte die Notwendigkeit einer stärkeren europäischen Verteidigungsindustrie mit Fokus auf Innovation und die Umsetzung der Agenda zur Verteidigungsbereitschaft.

Maritimes Drohnensystem
Außerdem informierte Dendias seine Amtskollegen über die Bergung eines ukrainischen maritimen Drohnensystems vor der Insel Lefkada im Ionischen Meer und bestätigte, dass es sich nach aktuellen Erkenntnissen eindeutig um ein ukrainisches System handelt. Der Einsatz solcher unbemannten Wasserfahrzeuge stelle ein „äußerst ernstes Problem“ für die Sicherheit und Freiheit der Schifffahrt dar.
Griechenlands Außenminister Jorgos Gerapetritis hatte den Vorfall zuvor als „besonders schwerwiegend“ bezeichnet. Die Untersuchung des sichergestellten Objektes durch den griechischen Generalstab dauert weiterhin an. Erst nach Abschluss sollen die technischen Ergebnisse ausgewertet und die weiteren diplomatischen Schritte festgelegt werden. Nach Informationen aus Regierungskreisen, wie sie unter anderem von der Zeitung Efimerida ton Syntakton berichtet werden, will Athen vorerst keinen offiziellen Protest einlegen und die Ergebnisse der laufenden Untersuchung abwarten. Mögliche Reaktionen könnten je nach Ergebnis auch diplomatische Schritte auf bilateraler Ebene oder auf EU- bzw. UN-Ebene umfassen.

Unmut gegenüber der Ukraine
Das ukrainische maritime Drohnensystem war Medienberichten zufolge mit einem 50 bis 100 Kilogramm schweren Sprengsatz ausgerüstet. Außerdem waren eine Kamera sowie ein Starlink-System zur Fernsteuerung installiert. Für die griechischen Behörden stehen von Beginn an vor allem die Herkunft, die Route sowie das mögliche Ziel des Geräts im Mittelpunkt der Untersuchungen. Solche maritimen Drohnen werden üblicherweise eingesetzt, um Schiffe des russischen Flotten- und Handelsverkehrs anzugreifen und dabei möglichst große Schäden am Rumpf der Schiffe zu verursachen, die zu deren Untergang führen können.
Sollte sich der Zusammenhang bestätigen, könnte der Vorfall zu einer deutlichen Verschärfung in den diplomatischen Beziehungen zwischen Athen und Kiew führen. Die staatliche Nachrichtenseite Ertnews erinnert daran, dass Griechenland in der Vergangenheit mehrfach die Ukraine unterstützt habe. Nach einem Angriff auf einen unter griechischer Flagge fahrenden Tanker vor Novorossiysk im März hatte Athen lediglich seinen Unmut gegenüber der Ukraine geäußert, damals jedoch mit bescheidener diplomatischer Intensität. Zwar unterstütze Griechenland die Ukraine weiterhin auf vielfältige Weise, betont jedoch zugleich, dass solche Vorfälle nicht akzeptiert werden und gegebenenfalls formelle diplomatische Schritte nach sich ziehen können. (Griechenland Zeitung / Elisa Hübel)

 

 

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