Griechische Supermarktkette Marinopoulos vor dem Aus

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Griechische Supermarktkette Marinopoulos vor dem Aus

Marinopoulos, die wohl bekannteste Supermarkt-Kette Griechenlands, steht vor dem Aus. Das Unternehmen meldete Konkurs an, nachdem seine Lieferanten keine Waren mehr schickten, in einigen Fällen sogar auf eigene Faust Produkte von den Regalen der Firma entnahmen. Die Folge: Verschreckte Kunden liefen scharenweise von den Marinopoulos-Filialen davon.

Ein Gericht gewährte Marinopoulos in dieser Woche zwar bis zum 21. September Schutz vor seinen Lieferanten und Gläubigern. In zweieinhalb Monaten soll dann der Konkursantrag der Firma formell angehört werden. Die Frage ist jedoch, ob die angeschlagene Firma, die mit 12.500 Mitarbeitern einer der größten privaten Arbeitgeber Griechenlands ist, überleben kann.

Wackelige Rettungspläne

Die meisten Filialen von Marinopoulos, die hierzulande die international bekannte Marke Carrefour führt sowie die Café-Kette Starbucks betreibt, werden von Dritten vermietet. Der Schutz vor Gläubigern erstreckt sich nicht auf diese Immobilienbesitzer. Falls sie ihre Mieten nicht erhalten und sich entschließen, sich vom Marinopoulos-Netz abzukoppeln, werden die gerade ausgearbeiteten Rettungspläne für die Firma hinfällig. Diese sehen in erster Linie die Übernahme eines beträchtlichen Anteils von Marinopoulos durch einen Rivalen vor. Die Supermarktkette Sklavenitis, die vor allem im Großraum Athen tätig ist, soll bereits entsprechende Signale gesendet haben, sich an einer derartigen Lösung beteiligen zu wollen. Ohne einen handfesten Deal, der das funktionierende Überleben der Firma halbwegs sicherstellt, steigt Sklavenitis jedoch nicht ein.
Mit Marinopoulos begann es bereits vor einigen Jahren bergab zu gehen – hauptsächlich, nachdem der französische Partner Carrefour im Jahr 2010 sein Engagement hinschmiss und seine 50-Prozent-Beteiligung am gemeinsamen Joint Venture der griechischen Marinopoulos-Familie überließ. Der Umsatz schrumpfte innerhalb von fünf Jahren um rund 400 Mio. Euro. Überraschend ist jedoch, dass das Unternehmen bereits seit einigen Jahren keine Bilanzen veröffentlichte und trotzdem von seinen Gläubigerbanken munter weiterfinanziert wurde. Die kurzfristigen Verbindlichkeiten der Firma sprangen in dieser Periode um rund 200 Mio. Euro auf rund 850 Mio. Euro nach oben.

Bedrohung für Lieferanten

Marinopoulos ist aber zu wichtig, um ihn sang- und klanglos untergehen zu lassen. Das Unternehmen betreibt landesweit mehr als 800 Filialen und beschäftigt 10.000 Menschen, die bei einer endgültigen Pleite die Arbeitslosenzahlen nach oben treiben würden. Darüber hinaus hängen Dutzende von Lieferanten am Tropf der Firma und drohen bei einem endgültigen Aus ebenfalls unterzugehen, was im gesamten Einzelhandel eine Kettenreaktion von Bankrotterklärungen auszulösen könnte.
Dimos Chatzichristou


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Unser Foto (© Eurokinissi) entstand vor wenigen Tagen und zeigt eine Filiale der Supermarktkette Marinopoulos in Argos.

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