China als ambitionierter Partner Griechenlands bei Handel und Energie

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Unser Archivfoto (© Eurokinissi) zeigt den chinesischen Präsidenten Xi Jinping (li.) und den griechischen Premierminister Kyriakos Mitsotakis vor dem Hafen von Piräus. Unser Archivfoto (© Eurokinissi) zeigt den chinesischen Präsidenten Xi Jinping (li.) und den griechischen Premierminister Kyriakos Mitsotakis vor dem Hafen von Piräus.

Die griechische Regierung ist offen für ausländische Investitionen und mit China hat sie einen interessierten und ambitionierten Partner gefunden. Dieses Fazit lässt sich nach dem Staatsbesuch des chinesischen Präsidenten Xi Jinping und seiner Delegation in Athen ziehen. Neben dem Großprojekt im Hafen von Piräus traten aber auch Unternehmungen im Bereich Stromversorgung als Schwerpunkt des chinesischen Engagements hervor.

Eine große Delegation begleitete den chinesischen Präsidenten Xi Jinping bei seinem Besuch in der griechischen Hauptstadt, der am Dienstag (12.11.) zu Ende ging. 16 Verträge wurden im Laufe des Treffens unterzeichnet, die beiden Staatsmänner, Xi Jinping und Premierminister Kyriakos Mitsotakis, veröffentlichten zudem ein gemeinsames Statement, in dem sie die Bedeutung der chinesisch-griechischen Kooperation auf der ganzen Bandbreite betonten: als Kulturnationen, als geopolitischer Garant für Stabilität in ihrer jeweiligen Region und als Förderer einer offenen Weltwirtschaft. Staatspräsident Prokopis Pavlopoulos sprach von einer „Brücke“ zwischen China und der EU, die in Griechenland entstehen werde.


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Die Archivfotos (© Eurokinissi) zeigen die griechische und chinesische Delegation bei einem Arbeitstreffen (oben) und den Empfang durch den griechischen Staatspräsidenten Prokopis Pavlopoulos (unten).


Vorzeigeprojekt Piräus

Am öffentlichkeitswirksamsten war wohl der Termin des chinesischen Präsidenten im Hafen von Piräus. Begleitet vom griechischen Premier traf Xi Jinping Mitarbeiter von COSCO, jenes chinesischen Unternehmens, das kürzlich einen Investitionsplan im Umfang von 600 Mio. Euro für Piräus vorstellte und bereits 51 Prozent der Anteile am Frachthafen hält. Im Moment steht sogar noch eine Erweiterung des Programms auf 900 Mio. Euro zur Debatte, die den Bau eines neuen Containerterminals beinhaltet.
Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz hob Xi Jinping den Ausbau des Hafens als „größtes Projekt“, innerhalb der von Peking ins Leben gerufenen neuen „Seidenstraße“ hervor, die den europäischen Markt mit Ostasien verbinden soll. Mitsotakis begrüßte die Pläne der COSCO, die Griechenland zu einem wichtigen Knotenpunkt im internationalen Handel machen würden.
Optimismus weht dem Projekt auch aus dem EU-Finanzwesen entgegen. Der Vizepräsident der europäischen Investmentbank EIB Andrew McDowell war ebenfalls in Athen zugegen und unterzeichnete einen Finanzierungsvertrag über 100 Mio. Euro (weitere 40 Mio. sollen bald folgen), die die EIB für die Erneuerung des Hafens bereitstellen will. Die Unterstützung der EU-nahen Kreditinstitution „reflektiert den ökonomischen Nutzen“, der sich aus der Investition in den nächsten Jahren für Griechenland und die EU ergeben werde, erklärte McDowell.

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Gemeinsam mit Xi Jinping und seiner Delegation besuchte der griechische Premierminister den Hafen von Piräus. (© Eurokinissi)

 
Nebenschauplatz Energiesektor

Weniger im Rampenlicht standen bei dem Staatsbesuch die Entwicklungen, die sich für die Zusammenarbeit im Energiesektor ergaben. Im unterzeichneten „Kooperationsrahmen 2020-22“ tritt dieser als weiterer Investitionsschwerpunkt hervor. Das Abkommen enthält gleich vier Projekte, die die Privatisierung griechischer Strom- und Gasunternehmen betreffen.
Unter anderem empfing der Energie- und Umweltminister Kostis Chatzidakis den Vorsitzenden des staatlichen Stromnetzbetreibers Chinas (SGCC) Wei Kou. Im Rahmen des Treffens bestätigte Letzterer offiziell das Interesse des chinesischen Energiegiganten an einer Erweiterung seiner Anteile am griechischen Netzbetreiber ADMIE, die sich zurzeit auf 24 Prozent belaufen. Zudem bekundete Wei Kou das Interesse seines Unternehmens, 20 Prozent der Anteile an der ADMIE-Tochter Ariadne zu erwerben. Diese organisiert die Anbindung des kretischen Stromnetzes an Attika. Die ADMIE möchte durch den Verkauf ihre Abhängigkeit von Bankkrediten vermindern, die Privatisierung droht jedoch auf EU-Ebene zu scheitern. Die Europäische Kommission stützte sich bei der erteilten Erlaubnis, die Verantwortung für den Netzausbau an Ariadne auszulagern, auf die Bedingung, dass an der Tochterfirma keine Drittparteien beteiligt sein dürften.
Neben der ADMIE und Ariadne wurden als potentielle Investitionsziele auch die Ölfirma ELPE und das Gasunternehmen DEPA genannt, die beide Teil des staatlichen Privatisierungsfonds TAIPED sind.


Ergebnisse bei Erneuerbaren Energien

Entgegen der vagen Absichts- und Interessensbekundungen ließen sich im Bereich der erneuerbaren Energien konkrete Ergebnisse vermelden. Im unterzeichneten Kooperationsrahmen wurde ein Ausbau der Partnerschaft zwischen dem staatlichen Energieunternehmen „China Energy Investment“ (CEI) und der griechischen Copelouzos Group bekräftigt. Der chinesische Konzern hält nun Anteile an vier Windparks der griechischen Unternehmensgruppe, in Thrakien, Euböa, Mani und Kreta. Die Fertigstellung dieser teils unfertigen Anlagen soll durch das Investment der CEI stark beschleunigt werden.
(Griechenland Zeitung / Jonas Rogge)

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