Hübsche Buchten am Ionischen Meer

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Strand Mikri Ammos Strand Mikri Ammos

Der pittoreske Ort Sivota an der Westküste Griechenlands ist sowohl von der Hauptstadt als auch von der „Mithauptstadt“ ein ganzes Stück entfernt. Seit die Egnatia-Autobahn im Norden des Landes fertig gestellt ist, rückte diese Destination am Ionischen Meere Thessaloniki ein ganzes Stück näher. Drei Stunden Fahrt und man ist dort.

Sivota, mit Betonung auf dem „i“, nennt man einen Ort, an dem man Schweine züchtet. So zumindest erklärt es mir meine neue Freundin Elsi und die muss es wissen, denn sie stammt von hier, und ihr Vater war sogar mal Parlamentsabgeordneter aus der ehemaligen Präfektur Thesprotia. Auch Mourtos bedeute dasselbe, sagt Elsi, denn so hieß Sivota im Osmanischen Reich und noch lange nach dessen Ende. Die vielen Buchen der Gegend, deren Früchte Wildschweine gerne fressen, seien der Beweis für die ehemalige Existenz der Schweinezucht.

Individualtouristen kommen über das Meer

Von Thessaloniki nach Sivota an der Westküste Griechenlands zu kommen, war vor dem Ausbau der Egnatia-Autobahn noch eine Weltreise, heute ist es eine Sache von drei Stunden. Die kleine Stadt liegt 25 Kilometer südlich von Igoumenitsa, nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Ort auf Lefkada.
Die Küste hier am Ionischen Meer ist geprägt von kleinen dunkelgrünen Buchten und einladenden weißen Stränden. Sivota ist gut auf den Tourismus eingestellt: Entlang des Hafens gibt es unzählige Lokale und in einer Fußgängerzone lässt es sich gemütlich flanieren. In erster Linie urlauben hier viele Italiener und Deutsche, die mit den Fähren über das Meer mit eigenem Pkw anreisen. Die beste Reisezeit ist sicherlich der September, auch der Oktober noch, wenn die großen Touristenströme versiegt sind, aber die Luft- und Wassertemperaturen noch angenehm warm sind.
Sivota war bereits in der Antike bekannt. 433 v. Chr. wurde die Küste Schauplatz einer berühmten Seeschlacht zwischen Korinth und Korfu. Von dieser Schlacht gibt es noch einige Überreste auf dem Meeresgrund zu bestaunen, sagt Elsi. Eine befahrbare Straße hat der kleine Ort erst in den 1980er Jahren erhalten, als sich reiche Industrielle vom europäischen Festland hier Feriendomizile zulegten. Seitdem hat sich auch der Tourismus stetig entwickelt und mit diesem natürlich zwangsläufig die Grundstückspreise.

Zu den vorgelagerten Inseln schippern

Das Besondere an der Gegend sind die bereits erwähnten vielen hübschen Buchten. Ein perfektes Revier für leidenschaftliche Segler, die hier vor Anker gehen. Wer nicht über eine schlanke weiße Segelyacht verfügt, kann sich im Hafen von Sivota einen ganzen Tag lang für 50 Euro ohne speziellen Führerschein ein Bötchen mieten und damit die Küste entlang und um die vielen kleinen vorgelagerten Inseln schippern: Zum Beispiel rund um Agia Paraskevi oder zur Insel Makros Oros, auf der ein Leuchtturm aus dem Jahre 1884 zu bestaunen ist. Außerdem befindet sich hier eine Höhle, die im Zweiten Weltkrieg einem griechischen U-Boot als Versteck diente.
Von den vielen schönen Stränden sollte man auf jeden Fall Bella Vraka besuchen und auch Mega wie Mikri Ammos, südlich von Sivota gelegen. Die Beachbar Mikri Ammos hatte ursprünglich ein Athener Starfrisör angelegt und damit viele griechische Prominente nach Sivota gelockt. Den Einheimischen gefiel es gar nicht, als zweites Mykonos herhalten zu müssen. Elsi sind die aufgetakelten „Stars” ziemlich auf die Nerven gegangen „und der Strand sah aus wie ein Beduinenlager, voller weißer Zelte”, erinnert sie sich.
Natürlich gibt es in Sivota und Umgebung viele Übernachtungsmöglichkeiten, wenn man vor Ort keine Elsi hat, die einem bereitwillig ihr Haus zur Verfügung stellt. Als wir sie nach den Spezialitäten der Gegend fragen, sagt unsere neue Freundin wie aus der Pistole geschossen: „Die Muschel-Nudelgerichte. Am besten im ‚Filakas‘ und im ‚Parasol‘ am Hafen”. Und so sitzen wir abends zusammen, blicken gemeinsam auf das gegenüberliegende glitzernde Korfu und planen unseren nächsten Besuch.

Text und Foto: Andrea Dimitriadis

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