Symi - Lieblichkeit und Grandezza auf engstem Raum

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Der buchstäblich malerische Hafen von Symi (Fotos: GZlk) Der buchstäblich malerische Hafen von Symi (Fotos: GZlk)

Finden Sie nicht auch, dass der Name Symi wie ein freundlicher Mädchenname klingt? Verspielt, unbekümmert und lebenslustig? Diese Dodekanes-Insel trägt diesen Namen zu Recht, denn genau so flirtet dieses farbenfrohe Eiland mit dem Besucher. Sie entfaltet, anders als ihre kleinere und charmante Schwester Kastelorizo, einen Hauch von Eleganz und Lebenslust.

Die Schöne des Dodekannes (Teil 1)

Und wie kommt das Kind zu seinem Namen? Tatsächlich erzählt die griechische Mythologie von zwei verschiedenen Königstöchtern mit dem Namen Symi. Die eine, Tochter des Königs Ialysos von Rhodos, wurde von Glaukos, Seefahrer von Symi und Schiffsbauer der berühmten Argo, aufgrund ihrer Schönheit entführt und auf seine Insel gebracht. Seitdem soll die Insel ihren Namen tragen. Vorher hieß sie Metapontis. Die andere Königstochter namens Symi starb vor Kummer über ihren verstorbenen Verlobten. Dieser stammte aus einem Ort an der kleinasiatischen Küste, woraufhin sie verfügte, auf dieser dem Festland gegenüber gelegenen Insel begraben zu werden, so dass sie immer den Blick auf die Stadt ihres Geliebten haben möge. Wie dem auch sei: Um die Herkunft des Namens ranken sich noch zahlreiche weitere Mythen und Entstehungsgeschichten. Fakt ist: Symi zählt zu den schönsten Inseln der Ägäis.


Yachten und Boote aus aller Welt

Nur 20 Kilometer von der Mutterinsel der Region, Rhodos, entfernt, empfängt sie täglich eine beachtliche Zahl von Touristen, die hier ein bestimmtes Flair, verbunden mit viel Natur und Ruhe suchen. Mit dem Uhrturm an der Hafeneinfahrt und den farbenfrohen klassizistischen Häusern, die sich um den Hafen und an den umliegenden Hügeln emporranken, wird der Ankommende willkommen geheißen. Im Sommer herrscht buntes Treiben am Hafen, und am Kai gesellen sich Yachten und Boote aus aller Welt zu den entzückenden kleinen Kaїkis der ansässigen Fischer. Früher war die Insel einmal berühmt für ihre Schwammtaucher, von denen es heute leider kaum noch welche gibt. Eine daher längst überholte Tradition gab einstmals vor, dass ein junger Mann erst dann heiraten durfte, wenn er einen Schwamm aus mindestens 30 Meter Tiefe emporholen konnte. Dennoch, Schwämme von guter Qualität aus dem gesamten Mittelmeerraum werden in den vielen kleinen Shops angeboten. No made in China, wie man uns glaubwürdig immer wieder versichert. Symi bietet überhaupt eine verspielte Mischung qualitativ hochwertiger kleiner Geschäfte, Boutiquen, Restaurants, Bars und Cafés. Es wird nie langweilig in dem bunten Treiben hier in dem Hafenviertel Gialós (Jalos) und seinen Gassen.

Uhrturm Anlegestelle small

Der Uhrturm in der Hafeneinfahrt

Ein Ort unter Denkmalschutz

Über 500 Steinstufen vom kleinen Plätzchen „Platía tis Skála“ aus gelangt man zur Oberstadt „Chorió“, wo das einheimische Leben der Insel stattfindet. Der Aufstieg lohnt auf alle Fälle, nicht nur wegen des herrlichen Ausblicks. Das Kastro hier oben beherrscht diesen Teil des Hauptortes, jeder Stein ein Zeitzeuge – von der Antike an über die römische und byzantinische Zeit, über die Epochen der Kreuzritter bis hin zur Türken- und Italienherrschaft. Die an dieser nach oben führenden „Kalí Stráta“, der „guten Straße“ gelegenen Herrenhäuser, die meisten sehr aufwändig und liebevoll restauriert, erkennt man die Blütezeiten der Vergangenheit. Symi ist es gelungen, den klassizistischen Charakter zu bewahren und wurde deshalb unter Denkmalschutz gestellt. Oben angekommen, entdeckt man noch die typisch griechische Lebensphilosophie der Griechen: Tavernen und die kleinen alles Notwendige anbietenden kleinen Geschäfte zeigen das beschauliche Leben der Inselbewohner, wo man sich, ob alt ob jung, auf der Platía trifft und manchmal den Tag mit Musik ausklingen lässt. 


Von Amsterdam an die Ägäis

Hier begegnen wir Dagmar und ihrem Mann Stavros. Die gebürtige Holländerin aus Amsterdam lernte auf Symi ihren aus Rhodos stammenden Mann kennen, wo er ein Auslandssemester Kunst und sie Betriebswirtschaft studierte. Vor achtzehn Jahren zogen sie von seiner Heimatinsel nach Symi, wo sie sich, mit der Sehnsucht nach Ursprünglichkeit, eine zweite kreative Heimat aufbauten. Sie führt unten am Hafen eine kleine Boutique, während er in seinem kleinen Atelier ununterbrochen malt. Nur fünf Monate leben sie hier im Schaffensrausch, dann verbringen sie einen erholsamen Monat bei der Familie auf Rhodos, bevor es über die Wintermonate nach Amsterdam geht – eine Zeit des gesellschaftlichen Lebens, geprägt von Ausstellungen, bei deren Organisation Dagmar ihren Mann unterstützt. Viele bedeutende Akademiker, Gelehrte, Wissenschaftler und Künstler stammen von dieser Insel. Bereits 1872 gab es auf Symi den ersten Lesezirkel, der ab 1874 eine eigene Zeitung heraus gab. Und auch heute noch gibt es inseleigene Zeitschriften.


Ausflug in die Stille

Aber zurück zu uns vorübergehenden Touristen. Betrachtet man die Insel aus der Vogelperspektive, erscheint sie wie der schwingende Faltenrock eines tanzenden Mädchens. Die unzähligen kleinen Buchten rund um die Insel, zum Teil ausschließlich nur vom Meer her zu entdecken, locken viele Yacht- und Bootsbesitzer an. Aber auch wenn man nicht zu diesen Glücklichen zählt, bieten mehrmals täglich Einheimische Fahrten zu den schönsten Buchten an (Agia Marina, Agios Nikolas, Agios Georgios, Pedi, Nanou, Marathounta, Nimporio und Toli) – sowohl mit kleinen Bussen als auch direkt über das Meer mit Ausflugsbooten. Wir mieten uns erst einmal einen Motorroller, um die Insel zu erkunden. Das geht hervorragend hier, denn so viel Verkehr gibt es nicht. Unser erster Ausflug führt uns auf herrlichem Weg zum Kloster Panormitis. Es ist still hier, das Tor zu der weitläufigen Anlage scheint verschlossen. Doch ein älterer Mann kommt auf uns zu und öffnet das breite Zufahrtstor, wo nur der Riegel vorgeschoben ist. Das sei wegen der dort draußen frei umherlaufenden Ziegen, meint er lächelnd, und schließt das Tor wieder bedächtig. Wir fragen, ob das Kloster zum Besichtigen geöffnet sei, es sei so ruhig und idyllisch hier. Er bejaht. Diese Stille könnten wir noch ein wenig genießen, meint er, dann kämen hier um die Mittagszeit die Tagesausflügler von Rhodos. Bis zum frühen Abend sei der Ort dann nicht mehr wieder zu erkennen. Aber schließlich sei hier jeder willkommen. Glücklich, die richtige Besuchszeit gewählt zu haben, begrüßt uns im vormittäglichen Sonnenlicht der farbenprächtige vierstöckige Glockenturm (rhodischer Barock), der uns ins Innere des Klosters weist. Ich lege den angebotenen Umhang um, schließlich handelt es sich hier nach wie vor um einen orthodoxen Wallfahrtsort, der dem Heiligen Erzengel Michael geweiht ist, und der auch heute 500 Pilgern Unterkunft gewähren kann. Im Inneren sind wir beinahe alleine und haben die Muße, uns von den ehrwürdigen alten Fresken gefangen nehmen zu lassen, bevor wir vor die 1724 in Silber eingefasste Ikone des Erzengels treten. Sie soll angeblich Wunder bewirken. Neben diesen Schätzen beherbergt das Kloster deshalb auch ein kleines Kirchenmuseum, das man sich wegen der zahlreichen hochwertigen Geschenke von Pilgern aus aller Welt auf jeden Fall anschauen sollte. Auch das liebevoll bestückte Heimatmuseum ist übrigens eine Besichtigung wert. Man möchte die Geborgenheit des Innenhofes gar nicht mehr verlassen: die Schönheit der Pflanzen, die ihn zieren, der Fußboden aus unterschiedlichen Kieselmosaiken und die kleinen Pforten der ehemaligen Mönchszellen. Das Kloster liegt direkt am Meer, in einer Bucht, geschützt durch vorgelagerte Langzungen. Eine alte Windmühle steht dort einsam am Buchteingang, wie ein Leuchtturm oder Wärter. Zwei kleine farbenfrohe Fischerboote dümpeln in der Mittagssonne vor sich hin.

Kloster Panormitis small

Das am Meer gelegene Kloster Panormitis

 

Im zweiten Teil des Reiseberichts lesen Sie u. a. über die malerische Bucht Pedi, das alte Kastell.

Text von Lydia Klütsch

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