Die Welt der Athos-Klöster erspähen

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Ouranoupolis: Eingangstor zum „Garten der Muttergottes“ Ouranoupolis: Eingangstor zum „Garten der Muttergottes“

Die Chalkidiki ist zwar nicht für ihre archäologischen Stätten berühmt, aber in Stageira, dem Heimatort des Philosophen Aristoteles, gibt es doch einiges zu bestaunen. Zuerst wird aber die Frage beantwortet, wie man die Halbinsel am besten erkundigt.

Griechisches Festland, Halbinsel Chalkidiki, Teil 2

Nun stellt sich die Zwischenfrage: Wie kann ich die Chalkidiki am besten erkunden? Für Individualurlauber empfiehlt es sich, zwei verschiedene Standorte auszuwählen: Einen wie Afytos auf der Kassandra und einen zweiten wie Nikiti auf der Sithonia.Beide Orte haben den großen Vorteil, dass man von ihnen aus die anderen Ortschaften und Strände der jeweiligen Halbinsel auch mit dem Linienbus gut besuchen kann. Wer es sich leisten mag, mietet sich natürlich besser ein Motorrad oder ein Auto. Die Straßen sind gut, ein Jeep ist überflüssig. Für Exkursionen ganz anderer Art ist die Chalkidiki ein ideales Revier: Touren mit dem selbst gesteuerten Motorboot. Bis zu 30 PS braucht man dafür keinen Bootsführerschein. Das schönste Revier für solche Erlebnisse ist die Küsten- und Inselwelt zwischen Vourvourou und Ormos Panagias, ganz im Nordosten der Sithonia.

Für Inselsammler

Mit dem gemieteten Motorboot kann man von Ouranoupolis auf der Athos-Halbinsel auch zur einzigen ganzjährig bewohnten Insel Makedoniens hinüber fahren. Weniger Mutige nehmen die zwischen Tripiti und Amouliani hin und her pendelnde Autofähre. Das Inseldorf gibt sich ganz modern, ist wie viele Orte auf der Chalkidiki eine erst nach 1923 gegründete Siedlung. Bis dahin lebten auf Amouliani nur zwei Athos-Mönche und etwa 30 Arbeiter. Dann kamen Flüchtlinge aus drei Dörfern nahe Istanbul, die zuvor überwiegend Fischer gewesen waren. Auch viele ihrer Nachfahren sind der See noch eng verbunden, leben aber auch vom Tourismus: Im Hochsommer müssen die 600 Insulaner mit bis zu 10.000 Besuchern täglich fertig werden. Die sind tagsüber freilich zumeist an den Stränden, von denen der etwa 800 Meter lange, sandige Alikes Beach der Hauptbadestrand ist. Wer mag, kann sich im Pferdewagen vom Anleger dorthin fahren lassen. 

Ein wenig Archäologie

Mit dem Mietwagen oder -motorrad lassen sich auch die wenigen sehenswerten archäologischen Stätten der Chalkidiki gut erforschen. Die eindrucksvollste und historisch bedeutendste liegt auf keinem der drei Finger, sondern am Weg von der Athos-Halbinsel Richtung Kavala bei Olympiada. Da haben Archäologen seit 1990 das antike Stagira, den Geburtsort des großen Philosophen Aristoteles, freigelegt und anschaulich hergerichtet. Besonders gut erhalten blieben Teile der Stadtmauer, die Agora samt kleinem Theater und einige kleine Heiligtümer. Und vor wenigen Wochen verkündete ein griechischer Archäologe, dass er dort sogar die Grabstätte des Philosophen lokalisiert haben will. Gleich unterhalb der archäologischen Stätte badet man an einem Sandstrand, an dem einst vielleicht der kleine Aristoteles  mit namenlos gebliebenen Kindern spielte – und in den Tavernen Olympiadas lässt man sich sein Frühstück direkt am Meer servieren und genießt abends vielleicht frische Miesmuscheln von den Muschelzuchtbänken in der nahen Umgebung.
Jünger als Stagira ist Olynthos zwischen der Kassandra und der Sithonia. Die dort schon 1928 begonnenen Ausgrabungen haben insbesondere einen guten Aufschluss für die Erforschung privater Wohnkultur in der griechischen Antike gegeben und sind ein Beispiel für demokratische Stadtplanung um 430 v. Chr. Die damals neu gegründete und am Reißbrett geplante Stadt bestand aus einem Raster einander rechtwinklig schneidender Straßen. Die so eingegrenzten Parzellen wurden in bis zu zehn jeweils gleich große Grundstücke unterteilt. Durch Losentscheid wurde jedem Neusiedler eines davon zum Hausbau überlassen. Die Raumaufteilung durfte zwar jede Familie für sich leicht variieren, die gleichen Maße sorgten jedoch für den Charakter einer Reihenhaussiedlung.

Athos für Jedermann und jede Frau

Die größten kunsthistorischen Schätze der ganzen Region bergen freilich die Athos-Klöster. Fresken, Ikonen, alte Handschriften, liturgisches Gerät und Innenarchitektur bleiben den meisten Urlaubern zwar verborgen, doch zumindest von außen und aus gebührender Entfernung können Mann und Frau die Welt der Klöster ansatzweise erspähen. Gelegenheit dazu geben die sogenannten Athos-Kreuzfahrten, die im Sommerhalbjahr täglich von Ormos Panagias auf der Sithonia und von Ouranoupolis auf der Athos-Halbinsel aus starten. Am stimmungsvollsten ist eine Variante, die ab Ormos Panagias angeboten wird. Mit einem neu gebauten Holzschiff im traditionellen Stil fahren da maximal 23 Passagiere an der Küste der Mönchsrepublik entlang, sehen meistens auch Delfine, legen zum Mittagessen auf der Insel Amouliani an und können etwas später auch noch in einer Bucht der Insel im glasklaren Wasser baden.
Als „Tor zum heiligen Berg“ gilt das Dorf Ouranoupolis. Himmelsstadt ist die Bedeutung des Ortsnamens. Man kann den Ort allerdings auch als touristische Vorhölle wahrnehmen. Hier versuchen Dutzende Ikonenhändler, aus der Frömmigkeit der Pilger und dem Interesse der Touristen Gewinne zu schöpfen. Sogar Fertigbaukirchen jeder Größe sind im Angebot. Trotzdem lohnt Ouranoupolis unbedingt einen Kurzaufenthalt: Am besten morgens zwischen 8 und 10 Uhr, wenn zwischen den Pilgern auch zahlreiche Mönche in den Cafés am Anleger sitzen, die in ihre Wahlheimat zurückkehren wollen. Danach könnte man noch eine gute halbe Stunde auf einem – auch gut befahrbarem – Feldweg immer am Ufer entlang bis zur Landgrenze der Mönchsrepublik wandern, wo große Schilder darauf aufmerksam machen, dass die Grenze bewacht wird und jeder Grenzübertritt auf dem Landweg verboten ist. Außerdem legen Archäologen am Ende des Wegs seit einigen Jahren auch die Ruinen des nur zwischen 996 und 1199 von orthodoxen Mönchen bewohnten Klosters Zygou frei, das die Kreuzritter plünderten und die Lateiner später zur Festung ausbauten.

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Der Derakini-Strand mit seinem kristallenen Wasser

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Eine Athos-Kreuzfahrt gibt Blicke auf den Heiligen Berg frei

Alternativen im Hinterland

Wer der vielen Urlauber überdrüssig wird, sollte auch das Hinterland der Chalkidiki erkunden, die ja nicht nur aus ihren drei Fingern besteht. Da erwarten den Reisenden dichte Mischwälder, in denen schwarze Schweine leben, die auch auf Tavernentellern landen. In der Bezirkshauptstadt Polygyros lernt man fast fremdenfreies griechisches Leben kennen – und im Bergstädtchen Arnea mit seinem fein herausgeputzten historischen Ortskern kann man sogar in traditionell möblierten alten Herrenhäusern übernachten. Spätestens da fühlt man sich auch als hartgesottener Griechenlandfan wieder ganz zu Hause.

Text und Fotos von Klaus Bötig

INFO

Regierungsbezirk Chalkidiki: Gesamtfläche 2918 qkm, 105.908 Einw. (Zensus 2011), 36,3 Einw./qkm, 5 Demen (Gemeinden), Hauptstadt Polygyros.
Kleine Hotels für Individualisten: www.whitesuitesresort.com (Afytos), www.parthenonas-chalkidiki.com, www.georgiadis-house.com (Toroni/Sithonia), www.hotel-germany.gr (Olympiada), www.oikia-alexandrou.gr (Arnea)
Athos-Kreuzfahrten: www.friedrich-travel.comLinienbusverkehr: www.ktel-chalkidikis.gr
Reiseführer: DuMont-Reisetaschenbuch Chalkidiki & Thessaloniki, DuMont Direkt Chalkidiki, Marco Polo Chalkidiki, Go Vista Chalkidiki & Thassos, alle vier von GZ-Autor Klaus Bötig.

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