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Metsovo: Landleben und Luxus, Tradition und Erlebnis

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Fotos (© Eurokinissi): Winterliche Atmosphäre passt perfekt zu Metsovo. Fotos (© Eurokinissi): Winterliche Atmosphäre passt perfekt zu Metsovo.

Das winterliche Metsovo könnte ein Traumziel für alle sein, die Erholung, Naturerlebnisse, sportliche Betätigung und kulturelle Ereignisse mit Erfahrungen lebendiger griechischer Traditionen verbinden möchten. Das große Gebirgsdorf im Pindos wurde bis jetzt, wie auch die gesamte Präfektur Epirus, vom Coronavirus nur wenig heimgesucht. Nun hofft man auch hier auf die nächste Saison.

Winter in Metsovo: Die Häuser schmiegen sich an die Hänge einer Senke, die sich an den Ufern eines schäumenden Gebirgsflusses, des Metsovitikos, begegnen. Die Farblosigkeit grauer Felsen in der Ferne, schwarzer Nadelbäume und des alles beherrschenden Schnees auf den majestätischen Höhen ringsum vermag die eigenen Farben der Siedlung nicht auszulöschen. Die meisten Hausdächer sind mit roten Ziegeln gedeckt, die auch unter dem Schnee hin und wieder hervorleuchten können, nur manche sind noch traditionell mit grauem Stein versehen. Am Tag dominiert auch das warme Rotbraun des Holzes an Zäunen, Balkonen, Dachkanten und Fensterläden, und bei Nacht, wenn der Schnee sogar die Dunkelheit ausbleicht, blinkt es hell aus zahllosen erleuchteten Fenstern und von den Lichterbäumen, die nach altorthodoxer Tradition bis weit in das neue Jahr hinein weihnachtlich geschmückt sind. Tannengrün und all der glitzernde, doch eigentlich importierte Weihnachtsschmuck scheint hier seine Berechtigung zu haben, wo Koniferen die beherrschenden Baumarten eines ausgedehnten Nationalparks sind, wo Eiszapfen von den Dächern hängen, Sonnenschein mit Schneegestöber wechselt und die nächtliche Sternenpracht einfach überwältigend ist. Die umgebende Natur wirkt besonders im Winter allbeherrschend.

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Schnee soweit das Auge reicht!

Stattliche Berggemeinde der Region Eprius

Metsovo, nur 35 Kilometer von der Präfekturhauptstadt Joannina entfernt, ist, obwohl 1.160 Meter hoch gelegen, auch im Winter leicht zu erreichen – seit es die Egnatia-Odos gibt, die einzige Europastraße, die ausschließlich nur ein Land durchquert. Über Tunnel und Talbrücken ist die faszinierende Bergstrecke in einer knappen halben Stunde zu bewältigen. Vom Fährhafen Igoumenitsa aus braucht man, wenn man an Joannina vorüberbraust, nur etwas mehr als eine Stunde. Doch natürlich ist dieses Zentrum des griechischen Silberhandwerks mit seinem noch von osmanischen Bauten geprägten Stadtbild und dem weitläufigen Ring der Zitadelle über dem Pamvotida-See mindesten einen mehrstündigen Aufenthalt wert. Als ich das erste Mal nach Metsovo kam – in herbstlichen, schon recht kühlen Tagen – war die stattliche Gemeinde, zu der nach einer Gebietsreform heute mehrere traditionsreiche Dörfer gehören, nur über die alte Nationalstraße zu erreichen – die damalige Hauptverbindung von Igoumenitsa nach Thessaloniki. Sie wurde von zahllosen Sattelschleppern benutzt, die von den Italienfähren rollten. Es mag auch heute noch ein Erlebnis sein, diese enge kurvenreiche Strecke zu befahren und jenseits von Metsovo den berühmt-berüchtigten Katara-Pass auf 1.660 Meter Höhe in Richtung der Meteora-Klöster zu überqueren – jedoch im Winter dürfte das schwierig sein, auch wenn dort keine Lastwagen mehr unterwegs sind. Diese alte Straße steigt hoch über Joannina empor und bietet einen unvergesslichen Ausblick über den flaschengrünen See, bis sich dann ringsum die Höhen und Gipfel des Pindos ausbreiten. Damals wechselten für mich herrliche Bergpanoramen mit den Schrecksekunden gefährlicher Verkehrssituationen …

Geiß in heißer Brühe und metsovischer Räucherkäse

Und ganz plötzlich – welche Erleichterung – breiteten sich auf den Hängen die Häuser von Metsovo im Abendsonnenlicht aus. In den Gassen und Straßen lagern bereits die Schatten, wenn auf den Höhen noch die Sonne liegt. Eines der Hotels, deren Errichtung fast immer der traditionellen Bauweise angepasst wurde, bietet behagliche Aufnahme: warmes Holz innen und außen, Kaminfeuer im Salon. Danach eine der zahlreichen Tavernen, wieder hölzerne Täfelungen, ein gusseiserner Ofen, gewürfelte Tischtücher – „Gida vrasti“ (wörtlich: „gekochte Geiß“) in heißer Brühe, dazu metsovischer Räucherkäse! Traditionelle Speisen, die auch von innen wärmen. Kulinarisch bietet sich eine einzigartige Verbindung einheimischer und internationaler Köstlichkeiten. In Metsovo haben wir die Wahl zwischen dem Ziegenbraten auf Holztischen, dem in ganz Griechenland vertrauten festtäglichen Truthahn oder der geräucherten Forelle aus Joannina auf weiß gedeckter Tafel. Dazu genießt man entweder den dunkelroten Cabernet Sauvignon der „Katagogi Averoff“ oder einen der frischen weißen Landweine der Gegend.

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Tavernen locken mit kräftigen Speisen

Weinbaugebiet in Alpenambiente und Käserei

Hier oben befindet sich das höchst gelegene Weinbaugebiet Griechenlands. Die rote Rebe von Spitzenqualität wurde auf Veranlassung des landesweit bekannten, aber aus Metsovo stammenden Politikers Evangelos Averoff-Tositsas (1910-1990) kultiviert, eines Mitglieds der alteingesessenen Archontenfamilie Tositsa. Das Weingut mit den Keltereien kann ebenso besichtigt werden wie die Käserei. Auch sie ist eine Averoff-Tositsa-Stiftung, eingerichtet nach italienischem Vorbild. Generell ist in Metsovo das touristische Leben geprägt von einer harmonischen Verbindung kleinstädtischen Landlebens und luxuriösen Ambientes, und aufgrund der Wintersportmöglichkeiten macht sich das in der kalten Jahreszeit besonders bemerkbar, nicht zuletzt dank der Après-Ski-, und Veranstaltungsangebote, die dem europäischen Flair alpiner Winterparadiese in nichts nachstehen. Zwei Skisportzentren auf benachbarten Höhen genügen allen Ansprüchen, auch Rodeln und Snowboarden gehören dazu, und die neueste Errungenschaft ist eine Eislaufbahn am Ortsrand. Geführte Bergtouren sind ebenso möglich wie private Schneewanderungen in den umgebenden Forst, der bereits zum ausgedehnten Pindos-Nationalpark gehört.

Der Hauptplatz mit seinen ausladenden Platanen

Vor einem der vielen lohnenden Autoausflüge in die Umgebung von Metsovo, etwa auf die nur 15 Kilometer entfernte Hochebene mit dem Aaos-Quellen-Stausee, auch „Metsovo-See“ genannt, sollte man sich unbedingt erkundigen, ob die Straßen vom Schnee befreit sind. Der See liegt 1.350 Meter hoch, und in dieser Höhe erscheinen die ihn umringenden dicht bewaldeten und tief verschneiten Bergkuppen als eine sanfte Hügellandschaft. Ganz nahe bei Metsovo aber führen leichte Wanderungen bzw. Spaziergänge zu alten Klöstern und Kirchen im Tal des Metsovitikos-Flüsschens mit Wandmalereien und wertvollen Ikonen, meist aus dem 17. Jahrhundert: Agia Paraskevi, Agios Nikolaos, „Kimisi“ (Entschlafung) Mariens. Stets kann man sich nach Kälte, Abenteuer und Erlebnis mit Wärme, Bequemlichkeit und – ja, wer will – mit neuem Erlebnis verwöhnen lassen – mit Cocktails an der Bar, Musik, Tanz oder etwa Einkaufsbummel in Ladenzeilen, die von Handwerk, Kunst und Kultur künden, die seit alters her gepflegt werden. Solche Eindrücke beherrschen das Straßenbild, wo die einheimischen Erzeugnisse aus gedrechseltem Holz, gewebten und bestickten Textilien sowie bodenständigen Viktualien – Eingemachtes, Backwerk, Gewürze, Käselaibe – aus den Läden auf die Gehsteige gerückt sind. Vorausgesetzt, der Schnee ist geräumt. Wir erwarben hier ein hölzernes, rotbraun gebeiztes Butterfass, als Spazierstock- und Schirmständer ein kleiner Blickfang in unserem bäuerlichen Ferienhaus … Die weitläufige „Platia“ von Metsovo, wo die im Winter entlaubten Platanen, die den reichlich verteilten Bänken im Sommer Schatten spenden, ihr Astwerk in den Himmel strecken, bildet auch im Winter das Flanierzentrum.

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Geschäfte mit lokalen Souvenirs

Exzellente Museen in traumhafter Landschaft

Handwerk und Tradition tragen wesentlich zur touristischen Anziehungskraft von Metsovo bei; bemerkenswert, ja erstaunlich aber ist die kulturelle Höhe, die diese ländliche Hochgebirgsgemeinde bieten kann: zwei herausragende Museen, Stiftungen aus Besitztümern der Familie Tositsa. Baron Michail Tositsa (1885-1950) stellte das 1661 erbaute Stammhaus seiner Familie, das „Archontikó“ von Metsovo für ein vorbildliches Volkskundemuseum zur Verfügung, das vielleicht schönste Heimatmuseum Griechenlands. Es breitet vor den Augen der Besucher über mehrere Jahrhunderte hinweg die komplette Ausstattung eines reichen metsovischen Herrenhauses von den Ställen und Speichern über Küche und mehrere kostbar ausstaffierte Wohnräume aus. Und ein paar Jahrzehnte danach stiftete der bereits erwähnte Evangelos Averoff-Tositsas, der wohl bedeutendste Mäzen seines Heimatortes, die „Pinakothiki Averoff“, eine hervorragende Sammlung griechischer Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts. Trübe Wintertage lassen sich kaum weniger angenehm verbringen als in den Räumen dieser beiden Häuser, die jeweils auch Ausblicke in die weite Natur gestatten.

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Meist Anfang Juli treffen sich die Vlachen in Metsovo („Antamoma“)

(Griechenland Zeitung / Ursula Spindler-Niros)

 

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