Unser Leben in Sarti

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Unser Archivfoto © Elisa Hübel wurde auf Chalkidiki aufgenommen. Unser Archivfoto © Elisa Hübel wurde auf Chalkidiki aufgenommen.
Zweiter Teil der Lesergeschichte von Elke K.
 
1998 begann ich wieder zu malen. Kein Wunder! Die griechischen Landschaften sind nun mal so reizvoll! Mein Lieblingsmotiv ist - wie könnte es anders sein - „Agios Opos“. So viele unterschiedliche Farbnuancen wie dieses Wunderwerk der Natur ständig bietet, kriege ich niemals hin! Habe die Malerei zwar nicht gelernt, aber meine Bilder werden regelmäßig mit Kusshand von meinen Freunden entgegen genommen. Hält jemand ewig ein Bild nicht aus den Augen, sondern in den Händen, dann weiß ich Bescheid und es gehört ihm. Ich kann nicht „nein“ sagen. Wo meine Bilder schon überall hängen ist sagenhaft. Aber Freuden teilen ist nun mal etwas Erhabenes.
 
Um beim Schreiben zu bleiben: Ich schreibe auch Tagebücher und Gedichte. Da gibt es natürlich Vielfaches, Sanftes, Trauriges oder Erbauendes. Aber wer so verrückt ist wie ich, haut eben auch mal Albernes heraus. Ich lache nun mal gerne! Ein Tag an dem man nicht lacht, ist ein verlorener Tag. Und da muss ich auf die Malerei zurückkommen. Manchmal misslingt mir da etwas, wenn eine neue Idee durch die Gehirnwindungen rast. Den Quatsch gucke ich mir meist sehr lange an und feixe was das Zeug hält. Über seine eigene Dummheit oder seine Fehler zu lachen kann doch nicht verkehrt sein, oder? 
Viel zu lachen habe ich eigentlich nicht mehr. Doch diese Freiheit lasse ich mir nicht nehmen! Im August 2015 ist mein Mann vom Dach gestürzt, als er die Wasserschläuche reparieren wollte, die unser Vermieter einen Tag zuvor ziemlich oberflächlich zusammenklemmte. Er selbst war auf See zum Fischen und hatte keine Zeit. Nach dem „Niagara-Fall“ war der Boden aufgeweicht und die Leiter rutschte weg, als mein Mann das Dach besteigen wollte. Fazit: ein Arm und ein Bein lädiert, der Kopf aufgeschlagen und er konnte sich nicht mehr bewegen. Ich schrie um Hilfe. Einige Touristen kamen angelaufen und halfen. Sie riefen auch einen Krankenwagen, der nach einer Stunde schon kam - aus Polygyros. Dort wurde festgestellt, dass ein Wirbel angebrochen ist. Um es kurz zu machen, mein Mann ist sozusagen kampfunfähig. Nun bin ich nicht nur Hausfrau und Hobby-Tante, sondern auch verantwortlich für die Gartenarbeiten, Zäune flicken und manchen technischen Kram. Noch schaffe ich das! In meinem Hinterkopf klebt der Satz: „Ich schaffe das!“ So ist es, immer schön das Eine nach dem Anderen. „Was du heut´ nicht kannst besorgen, das verschiebe mal auf morgen!“ Oder so. 
Bei der Malerei geht es mir nicht nur um große Bilder, weil Glückwunschkarten in unserer Umgebung nicht nur eine Rarität sondern auch sehr teuer sind, male ich auch die, zu allen Anlässen. Zu Feiertagen wie Ostern und Weihnachten zum Beispiel, wende ich oft Servietten-Technik an, mit der ich die Karten dekoriere. Zu Geburtstagen habe ich auch gerne gute Ideen: Freunden, die gerne Ouzo oder Retsina trinken, bemale ich die Flaschen mit Blumen, Gedenkhäuschen, Papageien, Fasanen, Tauben usw. - was mir eben grade so einfällt. Im letzten Jahr von September bis kurz vor Weihnachten aber, habe ich mich vor allem Stress ausgesetzt. Am Strand herumkriechen, was, als ich noch gesund war, eine heftige Leidenschaft von mir war; Muscheln und Schnecken sammeln, die das Meer ans Ufer trug. Die Vielfalt und Schönheit machte mich regelrecht besessen. Damit habe ich dann formschöne Gläser als Vasen beklebt. Zuvor verspachtelte ich die oberen Deckelgewinde und beklebte sie mit Band, dann blaue Grundbemalung. Als Reiz fertigte ich erst eine ovale Fläche darauf mit schwarzem oder perlmuttartigem Bruch der Miesmuscheln, die ich bei Katerini irgendwo am Strand fand. Den Rest des Glases beklebte ich mit dem herrlichen Muschel-Mix. Auf die ovale Fläche setzte ich dann – auch aus Muscheln und Schnecken – je zwei Schildkröten und eine Blume zusammen. Tja, das sind echte Raritäten! Das Gleiche fertigte ich mit kleinen Dosen, in die Utensilien gestellt werden wie Schere, Kulis, Brieföffner usw. Pro Dose oder Vase brauchte ich ungefähr eine Woche. Ich kann ja nicht lange sitzen oder stehen. Jede Arbeit, die ich tätige, geschieht in „Etappen“, sogar das Kochen. Grausam! Aber an allem habe ich meinen Spaß. Ohne Liebe kann nichts gelingen! Das waren nur ein paar Beispiele meiner Beschäftigungen, neben den Pflichten: Nähen, häkeln, sticken und stricken...
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