Drakonische Strafe

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Drakonische Strafe

Bei der Lektüre von Nachrichten tauchen sie häufig auf: Die drakonischen Strafen. Ein autoritärer Staat verhängt drakonische Strafen gegen Bürgerrechtler. Ein Sportverband verhängte drakonische Strafen gegen gewalttätige Fans. Das sind nur zwei Beispiel bei einem schnellen Blick auf die Nachrichtenmeldungen eines Tages. Unter drakonischen Strafen versteht man besonders harte bis überharte Strafen. Doch wer war Drakon, dem wir die Redewendung von den drakonischen Strafen zu verdanken haben?

Ein brutaler Diktator? Ein unbarmherziger Richter? Drakon lebte im Athen des 7. vorchristlichen Jahrhunderts und war ein Rechtsgelehrter. Überlieferungen folgend, soll er bereits für kleinste Vergehen die Todesstrafe gefordert haben. Selbst das Faulenzen hätte er unter Strafe gestellt. Zweifel sind jedoch angebracht. Tatsächlich wissen wir wenig über Drakon. Ein herausragende Leistung Drakons bestand in der schriftlichen Zusammenfassung aller in Athen angewandter Gesetze. Die Einwohnerschaft konnte diese Gesetzestexte fortan auf dem zentralen Marktplatz der Stadt nachlesen. Sie standen auf Holztafeln, die wiederum an Säulen oder Stelen befestigt waren. Ferner war Drakon wahrscheinlich der erste Gesetzreformer Europas, der im Strafrecht zwischen vorsätzlicher und unbeabsichtigter Tötung unterscheiden ließ. In diesem Zusammenhang bemühte er sich, die weitverbreitete Blutrache einzudämmen: War ein Mensch das Opfer eines Mordes oder eines Totschlages geworden, begangen dessen Familienmitglieder aus Rachgier häufig ebenfalls Straftaten gegen die Familie des Täters. Nach Drakons Vorgabe sollten einzig und alleine Gerichte den Mörder beziehungsweise Totschläger aburteilen dürfen. Das Gewaltmonopol sollte ausschließlich in den Händen des Staates liegen. Eine Vorstellung, die sehr modern anmutet. Aufgrund zahlreicher Todesstrafen, die in der Folge von Staatsseite ausgesprochen wurden, verlor Drakon sehr schnell seinen guten Ruf. Und so fürchteten sich die Einwohner Athens bereits vor über 2500 Jahren vor drakonischen Strafen. (Text: Alexander Jossifidis; Foto GZrh)

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