Die Echte Kastanie: Duftende winterliche Delikatesse

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Die Echte Kastanie ‒ Castanea sativa ‒ (η) καστανιά (kastaniá); altgr. (ἡ) καστανέα (kastanéa) Die Echte Kastanie ‒ Castanea sativa ‒ (η) καστανιά (kastaniá); altgr. (ἡ) καστανέα (kastanéa)

Endlos ziehen sich im Pilion-Gebirge die Kastanienwälder dahin, bergauf, bergab. Im Juni beginnt der Kastanienbaum zu blühen und sein unverkennbarer Duft liegt in den Wäldern. Im Laufe des Sommers wachsen dann die „Igelchen“ heran, die meist zu zweit oder zu dritt beieinander hängen. Im Herbst fallen die Früchte dann zu Boden. Die stacheligen Fruchtschalen platzen auf und die reifen essbaren Kastanien, die Maronen, werden sichtbar oder springen heraus. Braun glänzend sind sie dann zwischen den abgefallenen Blättern zu finden.



Die Echte Kastanie oder Edel-Kastanie kam etwa im 5. Jh. v. Chr. aus Kleinasien nach Griechenland und erlangte hier als äußerst nützliche Kulturpflanze große Bedeutung, so dass die Kastanie selbst als „Eichel des Zeus“ in die Geschichte einging und viele Orte seit dem Altertum den Namen Kastanéa tragen. Ausgedehnte Wälder wurden damals wie heute angelegt, wie sie im Pilion-Gebirge, in Makedonien, auf dem Heiligen Berg Athos und auf Euböa zu sehen sind. Ihr langlebiges, fäulnis-resistentes Holz ist damals wie heute ideal zum Bau von Dachstühlen. Zum Schiffsbau und für Umzäunungen wird es allerdings kaum mehr gebraucht, auch für Telefon- und Strommasten werden inzwischen schnellwüchsigere und daher billigere Holzarten eingesetzt. Für den Klavierbau ist Kastanienholz hingegen immer noch begehrt.

Die Echte Kastanie als Heilpflanze

In erster Linie bieten die Kastanienbäume Nahrung. Aber auch in den Maronen stecken heilende Kräfte. Abgesehen davon, dass sie stärkend sind, helfen sie bei Durchfall, da sie stopfend wirken. In den frischen Blättern stecken Vitamin C und Flavonoide, die zur Haut und Haarpflege genutzt werden können. Die Blätter, im Spätsommer geerntet, finden in der Volks- und Erfahrungsheilkunde ebenfalls Anwendung bei Durchfall. Ihr hoher Anteil an Gerbstoffen wirkt zusammenziehend und austrocknend. Bekannt sind auch Teeabkochungen zum Trinken bei Bronchitis und Keuchhusten und als Gurgelmittel bei Halsentzündungen. Zu finden ist die Echte Kastanie sowohl in der Bachblütentherapie wie auch in der Homöopathie. In homöopathischen Zubereitungen werden die Blätter verwendet, bei den Bachblüten, wie der Name schon sagt, die Blüten, unter dem Namen „Sweet Chestnut“ bekannt.

Verwendung in der Küche

Bevor die Kartoffel aus Amerika nach Europa eingeführt wurde, waren die Kastani¬en ein wichtiges Nahrungsmittel. Da man auch Mehl zum Brotbacken aus den stärkereichen Maronen gewinnen kann, trägt der Baum im deutschsprachigen Raum auch den Namen „Brotbaum“. Vielerlei Möglichkeiten gibt es zur Weiterverarbeitung der essbaren Früchte. Wichtig ist es natürlich, die Kastanien auch für den Winter haltbar zu machen. Sie können in Sirup oder Alkohol eingelegt, kandiert oder eingefroren werden. Man kann aus ihnen Marmeladen, Süßspeisen, Pfannkuchen und Suppen machen, den Truthahn oder die Gans zu Weihnachten füllen oder ein ganz einfaches, aber wohlschmeckendes Püree kochen. Die schnellste und bekannteste Art, die Maronen genießbar zu machen, ist, sie in den Backofen oder ans Feuer zu legen. Vorsicht, auch hier anritzen, da sie sonst explodieren. Was früher in Notzeiten das Brot armer Leute war, ist heute eine köstliche Delikatesse, deren Duft im Winter durch die Straßen der griechischen Städte zieht.

Aus dem Buch: „Garten der Götter - Pflanzen am Mittelmeer: Heilkraft, Mythos, Geschichten & Rezepte“, das bereits in 2. überarbeiteter Auflage im Verlag der Griechenland Zeitung erschienen ist.

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