„Ptu ptu ptu“ und weg ist er!

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„Ptu ptu ptu“ und weg ist er!

Sie wissen, was im Griechischen máti bedeutet? Ja, sicher, Auge, Plural mátia. Denn anders betont, matiá, heißt es Blick. Und mátiasma heißt Böser Blick. So weit so gut. Aber was ist das? „Ach, heute bist du besonders schön! Was für schöne große Augen! Wo hast du dieses hübsche Kleid gekauft! Na se ftýso na min se matiáxo: ptu ptu ptu … Knoblauch möge dich beschützen!“

Ganz toll so eine Bewunderung! Und das apotropäische „ptu ptu ptu“ sorgt dafür, dass der „Böse Blick“ gleich vertrieben wird. Nicht selten sagt sie zur der Bewundernden: „Spuck gleich auf mich, ptu ptu ptu, du wirst mich sonst verhexen!“ Aber das klappt nicht immer. Auch das gläserne blaue Auge, das Frauen um den Hals tragen und das man auf dem Jäckchen oder dem Kissen für Babys anbringt, ist nicht immer die Lösung. Und in diesem Fall wird sich die betreffende Frau (bei Männern ist es seltener) sehr bald ganz elend fühlen: völlig kraftlos, appetitlos, sie gähnt ständig, das Kopfweh ist unerträglich … Gut, dass es noch immer alte Omas gibt, die der Zunft der Enthexerinnen angehören. Sie macht das Kreuz, sagt in sich das passende Gebet, bekreuzigt das vom Bösen Blick gequälte Mädchen mit Salz in den Fingern dreimal – berührt also die Stirn, den Magen, dann rechts die Armkugel, und links die andere – und wirft das Salz ins Feuer. Es zischt und zischt, und das Böse ist verflogen. Und siehe da! Langsam kommen die Kräfte zurück, und alles wird wieder gut. Nicht alle schönen Mädchen erleiden so etwas, und auch nicht, wer bewundert, ist eine Hexe! Aber es gibt viele Menschen, die die „Fähigkeit“ haben, unbeabsichtigt in die magnetischen Felder des Gegenübers einzudringen und ihn zu entkräften. So wird es heute „wissenschaftlich“ erklärt. Das Phänomen ist indes so häufig, dass sogar die Orthodoxe Kirche es akzeptiert und mit „Efcheläo“ (Fürbitte und Öl) bekämpft. Das „Xemátiasma“, die Befreiung vom Bösen Blick, funktioniert übrigens auch aus der Ferne oder per Telefon. Es reicht nur der Name des Betroffenen. Ich weiß, wovon ich spreche, denn ich werde immer wieder Opfer des Bösen Blicks. Meine Schwester kann ein Lied davon singen. Gottseidank kennt sie da s Sprüchlein und steht mir immer bei.

Niki Eideneier

 

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