Der Golf des Piräus

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Der Stich stammt aus dem Buch „Griechenland und der Orient – Eine märchenhafte Reise“ von Hans Christian Andersen. Zu sehen ist Piräus Mitte des 19. Jahrhunderts. Der Stich stammt aus dem Buch „Griechenland und der Orient – Eine märchenhafte Reise“ von Hans Christian Andersen. Zu sehen ist Piräus Mitte des 19. Jahrhunderts.

In der frühen Morgenstunde hörte ich den Anker fallen; ich ging aufs Verdeck, wir lagen im Golf des Piräus, der wie ein kleiner Landsee aussah. Die Insel Ägina, über deren Berge sich die noch höheren von Morea erhoben, einer kühner als der andere emporstrebend, schienen die Einfahrt zu schließen, die etwas schmal ist; zwei schwimmende Tonnen dienen als Wahrzeichen, und abends trägt jede derselben eine Laterne als Leuchtfeuer.

Ich zählte im Piräus ungefähr 130 Häuser; hinter diesen und hinter einem steinigen, gelben Erdboden und graugrünen Ölbäumen erhob sich der Lykabettos und die niedriger liegende Akropolis; die Berge Hymettos und Pentelikon schließen das Gemälde, welches ein steiniges, hartes Aussehen hat; „das steinige Attika“ nannten es auch die Alten. – Zur Linken liegt eine kleine Halbinsel mit einigen Sträuchern, einer hochstehenden Windmühle und dem neuen Quarantänegebäude; zur Rechten erstreckte sich eine kahle, steinige Ebene hinaus zu dem Parnes-Gebirge, dessen teils wellenförmige, teils unterbrochene Linien von großer malerischer Wirkung sind. In diesem Golf, wo Themistokles jährlich sechzig Galeeren vom Stapel laufen ließ, lagen jetzt nur wenige kleine griechische Schiffe und ein Boot, dagegen mehrere große englische, französische und österreichische Fahrzeuge nebst zwei Dampfschiffen außer dem unsrigen; geputzte Griechen ruderten an uns vorbei, und später am Tage kam ein Boot mit Dänen, die mich bewillkommneten. Es gab viel zu hören, viel zu beantworten!

Auszug aus dem langjährigen Bestseller „Griechenland und der Orient – Eine märchenhafte Reise“ von Hans Christian Andersen, das gerade in zweiter, überarbeiteter Auflage im Verlag der Griechenland Zeitung erschienen ist.

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Der weltbekannte Märchendichter zeigt mit diesem Buch, dass er auch ein ausgezeichneter und feinfühliger „Reisereporter“ war. Dieses „Lieblingsbuch“ aus unserem Verlag ist Literatur vom Feinsten und stieß auf außergewöhnliches Interesse in den deutschsprachigen Medien: Rezensionen erschienen u. a. in der Süddeutschen Zeitung, im Berliner Tagesspiegel und dem Luxemburger Wort. „Griechenland und der Orient“ wurde auch im SWR-Radio vorgestellt und diente 2013 als Grundlage für den Dokumentarfilm im Rahmen der ARTE-Serie „Die große Literatour“. (GZeb)

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