Ein 89-jähriger Mann hat in Athen das Feuer auf Angestellte staatlicher Einrichtungen eröffnet und mehrere Menschen verletzt. Nach seiner Flucht wurde er in der Hafenstadt Patras auf der Peloponnes festgenommen. Die Tat wirft Fragen zur Sicherheit öffentlicher Behörden in Griechenland auf.
Griechenland verbleibt ein sicheres Land für seine Einwohner und 50 Millionen Besucher. Das stellte am Dienstag (28.4.) Bürgerschutzminister Michalis Chryssochoidis in einem Fernsehinterview gegenüber Action 24 fest. Anlass waren am Dienstag zwei Vorfälle mit Schüssen, in denen ein 89-jähriger Mann in Büros der Einheitlichen Sozialversicherungsanstalt (EFKA) und des Berufungsgerichts in der griechischen Hauptstadt Athen auf dort tätige Beamte das Feuer eröffnet hatte. Fünf Personen wurden leicht verletzt in ein Krankenhaus eingeliefert.Der Täter konnte entkommen. Mit einem Taxi war er bis in die etwa 250 Kilometer entfernte Hafenstadt Patras gereist, wo er schließlich verhaftet wurde.
In Deutschland und den USA
Von dort aus wollte er eigenen Angaben zufolge am Mittwoch die Fähre nach Ancona nehmen. Anschließend wollte er weiter nach Deutschland reisen, erklärte er gegenüber den Behörden. Diese haben jedoch Indizien, dass der 89-Jährige in Wahrheit nach Straßburg zum Europäischen Parlament gelangen wollte.Der Mann hatte über viele Jahre für eine Rente in Griechenland gekämpft, wo er in jungen Jahren gearbeitet hatte. In einem Bekennerbrief hatte er erklärt, dass er 1937 in Messenien auf der Peloponnes geboren wurde und 1959 habe er seinen Wehrdienst geleistet. Anschließend reiste er 1962 nach Berlin, um dort eine Arbeit aufzunehmen. 1970 führte ihn sein Weg weiter in die USA, konkret nach Chicago. Als er das Rentenalter erreicht hatte, wurde ihm seine Pension aus den USA innerhalb von zwei Monaten zugestellt, in Deutschland habe dies sechs Monate gedauert. In Griechenland wurde ihm dieses Recht jedoch nach jahrelangen Gerichtsprozessen verweigert. Dies habe ihn – eigenen Angaben zufolge – zu einem „tollwütigen Hund“ gemacht.
Psychiatrische Anstalt
Bereits 2018 war er mit einer Staatsanwältin in Konflikt geraten. Damals hatte er auf deren Schreibtisch vier Gewehrkugeln gelegt. Daraufhin wurde er in einer psychiatrischen Anstalt in Athen eingeliefert. Anschließend wurde ihm ein Jagdgewehr, das in seinem Besitz war, entzogen.Die Behörden wollen nun rausfinden, wie er zu dem Gewehr gekommen ist, mit dem er auf die Angestellten des Berufungsgerichts und bei EFKA geschossen hat.Minister Chryssochoidis erklärte im Interview gegenüber Action 24, dass nicht alle Behörden bewacht würden und es dafür auch keinen Grund gebe, da Griechenland ein ruhiges und sicheres Land sei. In diesem Sinne fügte er hinzu, dass es tatsächlich Sicherheitslücken im Gericht gebe, wie das Fehlen von Röntgenscanner (X-RAY) und von Kontrollen beim Eintritt. Den Vorfall mit dem 89-Jährigen beschrieb er als „gefährlich und unerfreulich“. Falls sich ein ähnlicher Zwischenfall wiederholen sollte, seien die Behörden nun besser vorbereitetet.Unterdessen sprechen die Behörden einen „organisierten Plan“ des 89-Jährigen. Gewerkschafter bei der Sozialversicherungsanstalt EFKA als auch Justizpersonal legen am Mittwoch aus Protest die Arbeit nieder. Sie fordern u. a. Einstellung von mehr Personal sowie die Stärkung der Sicherheitsmaßnahmen an ihrem Arbeitsplatz, damit sich ein derartiger Vorfall nicht wiederholen kann. (Griechenland Zeitung / Elisa Hübel)