Selbstmord eines Rentners löst Trauer und Proteste aus Tagesthema

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Selbstmord eines Rentners löst Trauer und Proteste aus
Nachdem sich am Mittwochabend ein 77-jähriger Rentner auf dem Athener Syntagma-Platz in aller Öffentlichkeit das Leben genommen hat, kam es in Athen und Thessaloniki zu Protesten. Persönlichkeiten aller politischen Lager brachten ihre tiefe Trauer über den Tod des Rentners zum Ausdruck. Vor dem Athener Parlament fand am Mittwochabend eine Protestkundgebung statt, an der sich rund 2.000 Menschen beteiligten. Anlass dafür war der Selbstmord eines 77-jährigen Rentners.
ines 77-jährigen Rentners. Er hatte sich am Mittwochvormittag durch einen Kopfschuss aus einer Handfeuerwaffe in Blicknähe zum Parlament am Athener Syntagmaplatz das Leben genommen.
Organisiert worden war die Kundgebung via Facebook. Aufgerufen wurde mit den Worten: „Es war kein Selbstmord – es war Mord – lasst nicht zu, dass wir uns an den Tod gewöhnen.“ Im Gedenken an den toten Rentner hinterlegte u.a. auch eine Gruppe „empörter Motorradfahrer“ einen Kranz an der Stelle am Syntagmaplatz, wo sich der 77-jährige den Todesschuss versetzt hatte. Zu Protesten kam es auch im nordgriechischen Thessaloniki.

Emotionslastiger Abschiedsbrief
In einem Abschiedsbrief hatte der Mann erklärt, er habe keinen anderen Ausweg gesehen, als sich „würdevoll das Leben zu nehmen“. Er habe es sich ersparen wollen, im Müll nach Nahrungsmitteln zu suchen. Außerdem sprach er im Brief von einer „Besatzungsregierung“. Diese habe sein Überleben durch eine angemessene Rente, für die er 35 Jahre lang Beiträge gezahlt habe, zu Nichte gemacht.
Medienberichten zufolge soll der Mann, bis er 1994 in Rente ging, eine  Apotheke besessen haben, die er im Anschluss verkaufte. Er war Vater einer Tochter und lebte allein im Athener Stadtteil Ambelokipoi. Nach Angaben seiner Nachbarn sei er politisch interessiert gewesen mit besonderer Nähe zum linken politischen Spektrum. 
Anderen Berichten zufolge sei der Mann krank gewesen und habe sich von seiner Rente keine Medikamente mehr leisten können. Kurz vor seinem Tod soll er gerufen haben: „Wir dürfen unseren Kindern keine Schulden hinterlassen!“

Die Meinung der Politiker
Tiefe Trauer über den öffentlichen Freitod des Rentners brachten zahlreiche Politiker zum Ausdruck. Ministerpräsident Loukas Papadimos sagte: „Es ist tragisch, wenn sich einer unserer Mitmenschen das Leben nimmt. In diesen für die Gesellschaft schwierigen Zeiten müssen wir alle – Staat und Bürger – die Menschen, die sich in Verzweiflung befinden, unterstützen.“ Der Vorsitzende der sozialistischen Partei PASOK, Evangelos Venizelos, rief dazu auf: „Lasst uns über die Situation in unserem Land, über die Bedingungen der nationalen Solidarität und des sozialen Zusammenhaltes nachdenken.“ Der Vorsitzende der konservativen Nea Dimokratia Antonis Samaras betonte: „Tod ist nicht nur, wenn jemand stirbt, sondern auch wenn er in Verzweiflung lebt, ohne Hoffnung.“ Die kommunistische KKE kritisierte in einer Mitteilung „scheußliche Resultate der kapitalistischen Krise“. Der Vorsitzende der rechtsorthodoxen Volkssammlung LAOS, Jorgos Karatzaferis, erklärte: „Die Kugel muss direkt das Bewusstsein der politischen Welt getroffen haben.“ Die Linksallianz Syriza teilte mit: „Es ist die Zeit gekommen, dass die barbarische Politik, die das Volk in unserem Land und die anderen europäischen Völker zu Armut und Verzweiflung verurteilt, beendet wird“.
Seit Anfang des Jahres sollen sich mindestens 149 Menschen in Griechenland das Leben genommen haben. Im ganzen Jahr 2011 waren es 511. (Griechenland Zeitung / eh, Foto: Eurokinissi)

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