Epidauros: Die unterirdische Wohnstätte des Heilgottes Tagesthema

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Rekonstruierter Schnitt durch das archaische Gebäude (Abb.: yppo) Rekonstruierter Schnitt durch das archaische Gebäude (Abb.: yppo)

Die jüngsten Ausgrabungen im Asklepios-Heiligtum in Epidauros haben die These erhärtet, dass ein 2019 dort gefundenes archaisches Bauwerk die unterirdische Wohnstätte des Heilgottes Asklepios bzw. sein Grab als Arztheros darstellte. Epidauros ist vor allem für sein hervorragend erhaltenes antikes Theater bekannt, dieses war aber nur ein Teil einer ausgedehnten Anlage, die als Heilzentrum diente und Asklepios geweiht war.

Das 2019 erstmals geortete archaische Bauwerk befindet sich im Bereich der Tholos, eines Rundbaus aus dem 4. Jahrhundert v. Chr., dessen Funktion bislang unklar war. Nun scheint sich zu bestätigen, dass sie als Nachfolgebau des archaischen Gebäudes aus dem 7. vorchristlichen Jahrhundert mit der unterirdischen Wohnung des Gottes bzw. dem Grab des Heros Asklepios in Zusammenhang stand. Unter der Tholos befinden sich labyrinthartige Kelleranlagen. Als Rundbau und aufgrund ihres Kellers ist die Tholos von besonderem architektonischem Interesse. Doch auch der mutmaßliche archaische Vorgängerbau ist laut Kulturministerium einzigartig für seine Epoche. Unter dem Erdgeschoss lag eine tief in den Felsboden gegrabene unterirdische Kammer. Deren Wände waren mit Steinmauerwerk ausgekleidet und tiefrot verputzt. Der Boden ist mit weißen Strandkieseln gedeckt. Es sei das größte und besterhaltene derartige Mosaik aus dieser Epoche, hieß es. Über diesem Höhlenkeller erhob sich ein Ziegelbau mit Holzdach und einer Peristasis, einem gedeckten Umgang, dessen Säulen ebenfalls aus Holz waren und Steinbasen hatten. Im laufenden Jahr wurden bedeutende Teiledes Gebäudes freigelegt. Ein Bereich liegt aber unter der Tholos. „Es scheint, dass Asklepios sehr viel früher nach Epidauros gekommen ist als wir bislang dachten, und zwar in seiner Doppelnaturals Heros und Gott, als chthonische und himmlische Gottheit“, sagte Grabungsleiter Vassilis Lambrinoudakis. Durch den neuen Fund zeige sich, dass die chthonische, also unterirdische Wohnung des Gottes, bereits in der Frühphase des Heiligtums an dieser Stelle verehrt wurde. Später habe die Tholos mit ihrem komplexen, labyrinthartigen Keller die ältere Kultstätte abgelöst. (GZak)

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