Login RSS

Generalstreik in Griechenland – Ausschreitungen in Athen Tagesthema

  • geschrieben von 
Generalstreik in Griechenland – Ausschreitungen in Athen
Im Zentrum Athens ist es heute zu Auseinandersetzungen zwischen vermummten Chaoten und der Polizei gekommen. Es kamen Molotowcocktails und Tränengas zum Einsatz. Besonders betroffen waren der Athener Syntagma-Platz vor dem Parlament und die Einkaufsstraße „Ermou“. Am Nationalgarten brach ein Brand aus. Dieser konnte jedoch mittlerweile unter Kontrolle der Feuerwehr gebracht werden.
en. Die Zwischenfälle sind im Rahmen eines Generalstreiks, zu denen landesweit die beiden größten Gewerkschaften, die Gewerkschaft öffentlicher Dienst (ADEDY) und Gewerkschaft der Privatwirtschaft (GESEE) aufgerufen haben. Aufgrund der damit verbunden Demonstrationen herrscht bis zu diesem Zeitpunkt im Athener Zentrum ein Verkehrschaos, da die meisten zentralen Verkehrsadern von der Polizei gesperrt worden sind.

Höhepunkt des Generalstreiks war eine für 11 Uhr geplante Protestkundgebung auf dem Pedion tou Areos Platz in der Athener Innenstadt. Die kommunistische Gewerkschaft PAME hat um 10.30 Uhr am zentralen Omonia-Platz protestiert. Um die öffentliche Ordnung zu wahren, war ein massives Polizeiaufgebot im Einsatz, u. a. standen auch mehrere Wasserwerfer und Abschleppwagen in Bereitschaft.
Protestiert wird gegen das mit den internationalen Geldgebern („Troika“) vereinbarte Memorandum unter dem zentralen Motto „Alle gemeinsam!“. Es beteiligten sich Angestellte mehrerer Berufszweige. Darunter Angestellte in den Finanzämtern, der Stadtplanung, der staatlichen Betriebe DEKO, der staatlichen Stromgesellschaft DEI, Kommunalangestellte, Lehrer, Lehrer der technischen Hochschulden (TEI), Ärzte, Krankenschwestern, Rechtsanwälte, Bankangestellte und Angestellte von Tankstellen. Auch der Dachverband der Manufakturbetriebe, Handwerker und Händler (GSEBEE) hat zum Ausstand aufgerufen. Die Geschäfte waren aus diesem Grund zwischen 11.00 Uhr und 15.00 Uhr geschlossen. Den Schließungen angeschlossen haben sich auch viele Kioske.
Streikbedingt kommt es heute auch zu Behinderungen im Athener öffentlichen Nahverkehr. Die Busse sowie die Athener U-Bahn (Attiko Metro), die Elektrobahn (ISAP) verkehren heute lediglich zwischen 9 und 21 Uhr. Die Straßenbahn (Tram) wird heute zwischen 6.00 und 24.00 Uhr fahren. In Thessaloniki verkehren heute die Stadtbusse zwischen 8.00 und 21.00 Uhr. Die Angestellten der Athener Vorortbahn „Proastiakos“, die u. a. auch den Athener internationalen Flughafen „Eleftherios Venizelos“ bedient, treten ganztägig auf die Bremse. Die Züge der griechischen Bahn OSE werden landesweit nicht verkehren; auch die Schiffe bleiben heute vor Anker. Zu Problemen kommt es heute zeitweise auch im Flugverkehr. Die Fluglotsen haben ihre Arbeit zwischen 10.00 und 13.00 Uhr niedergelegt. Zur Änderungen von Abflugzeiten kam es auch bei den Fluggesellschaften Olympic Air und Aegean. Am Ausstand beteiligen sich auch Angestellte in Museen, die deshalb heute ganztägig geschlossen bleiben.
Zwischen 11 und 15 Uhr haben heute auch Journalisten ihre Arbeit niedergelegt. Berichterstattung hat es nur zum Thema der Demonstrationen gegeben.
Ihre laufenden Protestaktionen wollen auch Apotheker und Richter fortsetzen. Die Apotheker Athens und aus 16 weiteren Regionen im ganzen Land wollen auch weiterhin bis Ende September Medikamente an Versicherte der größten  Versicherungskasse EOPYY nur per Bargeld ausgeben. Die Richter werden noch bis zum 20. Oktober täglich lediglich bis 10 Uhr morgens ihrer Arbeit nachgehen.
Kritisiert werden von den Arbeitnehmern vor allem weitere Kürzungen von Löhnen und Gehältern, von Renten und eine drastische Beschneidung der Sozialleistungen. Es handelt sich um ein Sparpaket in Höhe von mehr als 11,9 Mrd. Euro. Ungeklärt ist noch, woher 2,5 Mrd. Euro kommen sollen. Die drei Koalitionspartner wollen sich noch in dieser Woche, voraussichtlich am Donnerstag, auf die Maßnahmen des Sparpakets einigen. Rund sieben Mrd. Euro werden von Gehalts- Lohn- und Rentenkürzungen und von Zuschüssen entnommen, so viel steht fest. Weitere 1,1 Mrd. Euro sollen durch die Erhöhung des Rentenalters von bisher 65 auf 67 Jahre gewonnen werden. Betroffen von dieser Regelung sind 70.000 Arbeitnehmer. Trotz des Vorhabens der Regierung, einen Großteil der Sparmaßnahmen durch Reformen zu gewinnen, wurden bis zur letzten Woche lediglich 500 Mio. Euro aus derartigen Maßnahmen erwirtschaftet. (GZeh, Foto: Eurokinissi)

Nach oben

 Warenkorb