Zypern: Aufgeheizte Stimmung im östlichen Mittelmeer Tagesthema

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Zypern: Aufgeheizte Stimmung im östlichen Mittelmeer

Zwischen Zypern und der Türkei kriselt es. Streitpunkt ist die Ausschließliche Wirtschaftszone (AWZ) Zyperns, im Süden des Insel-Staates und Ägypten. Dort bohrt bereits das italienische Unternehmen ENI-Kogas nach Erdgas.
Am frühen Montagmorgen ist gegen 6.30 Uhr das türkische Forschungsschiff „Barbaros“ gemeinsam mit zwei Begleitbooten ebenfalls in der zyprischen AWZ erschienen. Der Verteidigungsminister der Republik Zypern Christoforos Fokaidis bezeichnete dies als eine „provokative und illegale Aktivität“, die das „internationale und europäische Recht“ missachte und die „Sicherheit und Stabilität in der Region untergräbt“. Nikosia sei daher zu „verschärften Reaktionen“ verpflichtet.

Bereits Anfang Oktober hatte Ankara darüber informiert, dass man zwischen dem 20. Oktober und dem 30. Dezember die zyprischen Seegebiete 2, 3 und 9 zwischen Zypern und Ägypten für sich beanspruche. Daraufhin hatte Nikosia vor zwei Wochen angekündigt, die Verhandlungen bezüglich der Zypernfrage zu stoppen.
Als Reaktion auf die jüngsten Entwicklungen will die Regierung in Nikosia ihre diplomatischen Aktivitäten intensivieren. Verkompliziert wird die Situation in der Meeresregion zwischen Zypern und Syrien durch ein Manöver der russischen Marine. Das Manövergebiet liegt in unmittelbarer Nähe jenes Gebietes, das die Türkei jetzt für ihre Forschungszwecke beansprucht. Die russische Marine will bis Mittwoch scharfe Geschützmunition und Raketen verschießen. Zudem beginnt am Dienstag eine Übung der israelischen Luftwaffe mit Kampfflugzeugen des Typs F15 und F16, an der sich auch Zypern beteiligen wird.
Am 7. November wird Griechenlands Ministerpräsident Antonis Samaras zu einem offiziellen Besuch nach Nikosia reisen. Dort will er mit der politischen Führung des Inselstaates die aktuellen Entwicklungen in der Region erörtern. Die Gespräche sind gleichzeitig eine Vorbereitung auf das Gipfeltreffen zwischen Griechenland, Zypern und Ägypten, das am 9. November in Kairo stattfinden wird.
Was die türkische Seite betrifft, so zeigt man sich dort irritiert, dass Zypern mit Bohrungen nach Erdgas begonnen hat, ohne dass die Zypernfrage gelöst worden ist. Die Mittelmeerinsel ist seit der Invasion türkischer Streitkräfte im Jahr 1974 in zwei Teile geteilt: den griechischsprachigen Südteil und den türkischsprachige Nordteil, der seither von türkischen Truppen besetzt ist.
Text: Elisa Hübel, Foto: Eurokinissi, Archiv

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