Bei Griechenlands Sozialisten deutet sich ein Machtspiel an Tagesthema

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Bei Griechenlands Sozialisten deutet sich ein Machtspiel an

Bei der sozialistische PASOK scheint das Machtspiel zwischen dem Vorsitzenden Evangelos Venizelos (Foto: l.) und dessen Vorgänger Jorgos Papandreou (Foto: r.) in eine zweite Runde zu gehen. Letzterer war von 2009 bis 2011 zugleich Griechenlands Ministerpräsident; 2010 brach unter seiner Regierung die bereits seit längerem schwelende Finanz- und Wirtschaftskrise offen aus.

Nun haben sich die beiden Sozialisten am Donnerstag voriger Woche getroffen. Erörtert wurden innerhalb von knapp zwei Stunden die Verhandlungen mit den Inspektoren der „Troika“ aus Europäischer Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds sowie vor allem auch innerparteiliche Angelegenheiten. Dabei stand wiederum die Gründung einer „Demokratischen Fraktion“ (DIPAR) im Mittelpunkt. Diese soll von Mitgliedern der sozialistischen Sammelbewegung ELIA getragen werden sowie vor allem von PASOK-Mitgliedern, die Venizelos nahe stehen.
Papandreou spricht sich gegen die Gründung einer solchen Fraktion aus. In einer Mitteilung kritisierte er zudem die Arbeit der Regierung, deren kleinerer Koalitionspartner die PASOK ist. Unzufrieden zeigte er sich auch über die Zusammenarbeit mit den Internationalen Geldgebern („Troika“). Schlussendlich forderte der ehemalige Partei- und Regierungschef die Einberufung eines außerordentlichen Parteikongresses, um einen neuen Parteivorsitzenden zu wählen.
Rückendeckung konnte sich Venizelos am Freitag von Kostas Simitis holen. Der frühere PASOK- und Regierungschef regierte das Land von 1996 bis 2004, die allgemein als „Goldene Jahre“ in der jüngeren griechischen Geschichte gelten, was mit der erfolgreichen Ausrichtung der Olympischen Sommerspiele seinen Höhepunkt und krönenden Abschluss fand. Simitis begrüßte die Initiative von Venizelos, die DIPAR zu gründen. Auch waren sich die beiden Politiker darin einig, dass Griechenland Stabilität benötige, und dass im kommenden Frühling ein neuer Staatspräsident mit einer absoluten Mehrheit von 180 Stimmen gewählt werden müsse, um einen vorverlegten Urnengang zu vermeiden.
Was Papandreou betrifft, so glauben einige Beobachter, dass er das Ziel verfolge, entweder eine neue Partei zu gründen oder den Vorsitz der PASOK, die sein Vater Andreas Papandreou 1974 gegründet hatte, wieder zu übernehmen.
Simitis wiederum könnte sich auch deshalb mit der Gründung der DIPAR einverstanden erklärt haben, weil er möglicherweise mit der Option liebäugelt, im kommenden Frühling vielleicht das Amt des Staatspräsidenten übernehmen zu können.
(Griechenland Zeitung / eh, Foto: Eurokinissi)

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