Erzbischof im Interview: „Gefahr einer Enthellenisierung“ Tagesthema

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Erzbischof im Interview: „Gefahr einer Enthellenisierung“

Der Erzbischof von Athen und ganz Griechenland Hieronymos hat sich am Dienstagabend in einem Fernsehinterview für eine Aufschiebung des Baus einer Moschee in Athen eingesetzt. Zuerst müsse seiner Auffassung nach festgelegt werden, wie viele muslimische Flüchtlinge in der griechischen Hauptstadt überhaupt bleiben werden und für wie lange, sagte er gegenüber dem privaten Fernsehsender SKAI. Zeitgleich müsse feststehen, ob die Moschee nur als Gebetsort oder auch als Schule genutzt werde. Auch müsse geklärt werden, ob sie von Sunniten oder von Schiiten besucht werde. Des Weiteren wies Hieronymos auf die Gefahr einer „Enthellenisierung und einer Entchristianisierung“ Griechenlands hin.  

Kirche und Staat untrennbar
Der Erzbischof hat auch die Beziehungen zwischen Staat und Kirche thematisiert: Die Beziehung zwischen Kirche und den Bürgern sei eine „mütterliche“. Eine Trennung zwischen Staat und Kirche sei daher nicht möglich. Er verwies darauf, dass der Staat die Gehälter von etwa 10.000 griechisch-orthodoxen Priestern zahlt. Dies hänge damit zusammen, dass die Kirche als Gegenleistung Grundbesitz an den Staat übergeben habe.

Bildungsminister ist Rotes Tuch
Was die Beziehungen mit der Regierung angeht, so sagte Hieronymos, dass er immer für einen Dialog offen sei. Er habe mit allen Ministerpräsidenten des Landes eine gute Beziehung unterhalten, auch mit Alexis Tsipras vom Bündnis der Radikalen Linken. Im Interview kam es zu einer weiteren interessanten Enthüllung durch das Kirchenoberhaupt. Demnach soll der Regierungspartner Panos Kammenos von der rechtspopulistischen „Unabhängige Griechen“ (ANEL) ihm gegenüber signalisiert haben, dass er zurücktreten werde, falls der Premier nicht mit dem einverstanden sein sollte, was die orthodoxe Kirche fordere. Wörtlich soll Kammenos – der das Amt des Verteidigungsministers im Kabinett Tsipras hat – erklärt haben: „Wenn Sie mir sagen, dass Sie nicht einverstanden sind, dass Sie nicht wollen, Euer Hochwürden, dann stürze ich morgen früh die Regierung.“
Einer im Kabinett, mit dem sich der Erzbischof nur schwer anfreunden kann, ist Bildungsminister Nikos Filis. Diesen bezeichnete er im Interview als einen „problematischen Menschen“, da er „inkonsequent in seinen Worten“ sei. Hintergrund für diese Feststellungen ist die Debatte über Veränderungen im Religionsunterricht in den Schulen. Während eines Treffens zwischen kirchlichen Würdenträgern und Regierungsmitgliedern vor einigen Wochen habe Filis gegenüber Hieronymos andere Zugeständnisse gemacht, als das, was er anschließend gegenüber der Presse bekannt gegeben habe. An diesem Treffen hatte sich außer Hieronymos und Filis, auch Ministerpräsident Tsipras und ANEL-Chef Kammenos beteiligt. (Griechenland Zeitung / eh)
 

 

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