Großkundgebung in Athen: „Kein Nachgeben in der Namensfrage“ Tagesthema

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Großkundgebung in Athen: „Kein Nachgeben in der Namensfrage“

Eine Massenkundgebung gegen die Benutzung des Begriffs Mazedonien bei der Namensgebung für das nördlich von Griechenland liegende Nachbarland FYROM fand heute im Athener Stadtzentrum statt. Die Veranstalter sprechen von mehr als einer Million Teilnehmern; Angaben der Polizei (ELAS) zufolge beteiligten sich etwa 140.000 Menschen.

Den offiziellen Angaben zufolge waren mindestens 283 Reisebusse mit Demonstranten in der Hauptstadt eingetroffen. Aus allen Landesteilen hatten sich Kundgebungsteilnehmer eingefunden; darunter aus Kreta, von der Peloponnes, aus dem Epirus, von kleineren Inseln und aus Festlandgriechenland, dort vor allem aus Makedonien.
Eine zündende Rede hielt der Komponist Mikis Theodorakis. Er forderte eine Volksabstimmung in Sachen Namensfrage. Er sprach von einer „schwierigen Stunde für unsere Heimat“. Die Griechen seien dazu aufgerufen, sich diesem Problem „vereint wir nie zuvor“ entgegenzustellen. Sollte Hellas in diesem Augenblick von seinen Positionen abrücken, „dann werden wir unser gerechtes Schicksal erleiden“, so der weltbekannte Komponist. In der FYROM (Frühere Jugoslawische Republik Mazedonien) würde man historische Ereignisse „bis zur Lächerlichkeit“ verdrehen. Man dürfe dem Wunsch in Skopje, Mitglied der NATO und der EU zu werden, nicht nachgeben. Sollte Griechenland heute mit seiner Stimmen in beiden Institutionen Nachgiebigkeit zeigen, „dann werden sie uns morgen aus einer stärkeren Position heraus bedrohen“.
Eine ähnliche Kundgebung wie jetzt in Athen hatte bereits vor 14 Tagen im nordgriechischen Thessaloniki stattgefunden.
Hintergrund für die Proteste sind die laufenden Verhandlungen zwischen Athen und Skopje zur Lösung der seit 1992 schwelenden Namensfrage. Als Zwischenlösung wird das Land am Vardar bei der UNO mit dem Namen Frühere Jugoslawische Republik Mazedonien (FYROM) geführt. Nun möchte das Land so schnell wie möglich der EU und der NATO beitreten. Griechenland ist festes Mitglied in beiden Institutionen. Ohne vorherige einvernehmliche Lösung der Namensfrage könnte Athen von seinem Vetorecht Gebrauch machen. Die griechische Seite befürchtet vor allem irredentistische Forderungen des nördlichen Nachbarn, die sich auf die griechische Region Makedonien beziehen könnten. In der Antike war hier das Kerngebiet der Makedonenkönige. Ihr bekanntester Vertreter, Alexander der Große (356 – 323 v. Chr.), führte die Griechen einst zur Weltherrschaft, wobei er auch in bis dahin völlig unbekannte Gebiete und Länder vorstieß.
Das Thema bietet derzeit nicht zuletzt reichlich Zündstoff für innenpolitische Auseinandersetzungen in Griechenland. Während die griechische Regierung unter der Schirmherrschaft der UNO Gespräche um einen Kompromiss in der Namensfrage ringt – auf dem Tisch liegt zum Beispiel „Obermazedonien“ – versuchen Teile der Opposition beim Wähler zu punkten, indem auch nationalistische Töne angeschlagen werden. Trennende Linien tun sich in dieser Frage selbst innerhalb der einzelnen Parteien auf, nicht zuletzt bei der konservativen Nea Dimokratia. Es waren bereits Tendenzen zu beobachten, wonach sich ein rechtspopulistischer Teil eventuell von der Mutterpartei abspalten könnte, um eine eigene Partei zu gründen. (Griechenland Zeitung / jh; Foto: © Eurokinissi)

Um den historischen Kontext zu verstehen bietet sich das Buch „Alexander der Große“ des weltbekannten Nikos Kazantzakis aus dem Verlag der Griechenland Zeitung an.

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