Brutaler Angriff auf Thessalonikis Bürgermeister Boutaris Tagesthema

Unser Foto (© Eurokinissi) zeigt den Oberbürgermeister von Thessaloniki Jannis Boutaris Ende Januar während einer vielbeachteten Rede anlässlich der Grundsteinlegung für das Neue Jüdische Museum seiner Stadt. Anlass war der Gedenktag an den Holocaust am 28. Januar 2018. Die Griechenland Zeitung veröffentlichte diese Rede in Ausgabe 618 vom 7. März 2018. Unser Foto (© Eurokinissi) zeigt den Oberbürgermeister von Thessaloniki Jannis Boutaris Ende Januar während einer vielbeachteten Rede anlässlich der Grundsteinlegung für das Neue Jüdische Museum seiner Stadt. Anlass war der Gedenktag an den Holocaust am 28. Januar 2018. Die Griechenland Zeitung veröffentlichte diese Rede in Ausgabe 618 vom 7. März 2018.

In aller Öffentlichkeit wurde der Bürgermeister der nordgriechischen Metropole Thessaloniki, Jannis Boutaris, am Samstag überfallen und körperlich heftig attackiert. Der angesehene Kommunal-Politiker musste in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Aus vorbeugenden Gründen musste er dort auch die Nacht verbringen.


Der Vorfall hat sich während einer Gedenkveranstaltung für den Genozid an den Pontos-Griechen vor dem Weißen Turm in Thessaloniki ereignet. Zunächst wurde der Bürgermeister, der zu Fuß unterwegs war, von aufgebrachtem Mob beschimpft. Vorgeworfen wurde ihm u. a. ein Türkei-freundliches Verhalten und „Verrat“. Anschließend wurden einige der Anwesenden tätlich, darunter auch Personen, die ihre Gesichter mit Masken verhüllt hatten. Boutaris wurde bespuckt, geschlagen und mit Füßen getreten. Für kurze Zeit, so berichten Augenzeugen, ging der 76jährige sogar zu Boden. Mit großer Mühe gelang es seinem Bodyguard und zwei weiteren Begleitern ihren Chef ins Auto zu retten: ein kleiner Fiat Panda. Dort wurde zum Schluss noch eine Scheibe eingeschlagen, wobei sich der Täter offenbar selbst verletzte; er wurde anschließend im Krankenhaus, wo Boutaris behandelt wurde, gesehen. In Anspielung auf die Ermordung des Linkspolitikers und Aktivisten der Friedensbewegung Grigoris Lambrakis, der im Mai 1963 in Thessaloniki von Rechtsextremen ermordet worden war, titelte die linksorientierte „Efimerida ton Syntakton“ am Montag: „Nur ein Dreirad-Fahrzeug und ein Knüppel fehlten“ – die beiden „Werkzeuge“, die bei der Ermordung von Labrakis benutzt worden waren.
Boutaris selbst sprach von einem „miserablen Angriff“. Er schloss aus, dass es sich bei den Tätern um Mitglieder der Gemeinde der Pontos-Griechen handle. Er erstattete Anzeige gegen Unbekannt.
Einhellig verurteilt wurde der Vorfall von der politischen Führung des Landes.
Ministerpräsident Alexis Tsipras beschrieb die Täter als „rechtsextreme Schläger“. Innenminister Panos Skourletis vermerkte, dass es sich bei dem Vorfall um „rechtsextreme Brutalität und Gewalt“ handle.
Oppositionschef Kyriakos Mitsotakis von der konservativen Nea Dimokratia (ND) verurteilte ebenfalls den Angriff auf den Bürgermeister. Gleichzeitig warf er der Regierung vor, Phänomene der Gewalt in Griechenland nicht unter Kontrolle zu haben. Der ehemalige Ministerpräsident Jorgos Papandreou (2009 bis 2011) stellte fest, dass ein solcher Vorfall an „dunkle Seiten unserer Geschichte“ erinnere. Die Täter hätten versucht einen „Tag der Erinnerung in einen Tag des Hasses und der Spaltung“ umzuwandeln.
Bisher wurden vier Verdächtige Männer verhaftet. Es handelt sich um einen 17jährigen, zwei 20jährige und einen 36jährigen. (Griechenland Zeitung / eh)


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