Nach der Staatstrauer folgt nun die politische Kontroverse über die Waldbrände Tagesthema

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Unsere Fotos (© Eurokinissi) entstanden am Donnerstag im Badeort Mati, wo der Waldbrand am stärksten gewütet hat. Unsere Fotos (© Eurokinissi) entstanden am Donnerstag im Badeort Mati, wo der Waldbrand am stärksten gewütet hat.

Die Zahl der Todesopfer eines Waldbrandes, der am Montagabend über Ostattika hinwegfegte, beläuft sich offiziellen Angaben zufolge inzwischen auf 83. Noch immer gibt es viele Vermisste. Nach einer dreitägigen Staatstrauer, die am Dienstag angeordnet wurde, beginnen nun die politische Kontroverse zwischen Regierung und Opposition. Im Zentrum steht die Frage, wer Schuld an dem Desaster ist.


Am Donnerstagabend hat Bürgerschutzminister Nikos Toskas eine außerordentliche Pressekonferenz zu den Ursachen des Waldbrandes gegeben. In dieser sprach er von Anzeichen einer Brandstiftung. Im Penteli-Gebirge, das westlich des Badeortes Mati liegt, wo das Feuer tobte, seien beinahe gleichzeitig 13 Brände ausgebrochen. Diese seien jeweils etwa einen Kilometer voneinander entfernt gewesen, so der Bürgerschutzminister. Während der Pressekonferenz erfuhr man auch, dass die Flammen mit teilweise 100 bis 120 Stundenkilometern die zentrale Marathonos-Avenue in Richtung Mati überquert haben; sie hatten eine Höhe von bis zu 30 Meter erreicht. Im Badeort hatte es ein regelrechtes Inferno gegeben, das insgesamt eineinhalb Stunden andauerte. Es habe keine Zeit gegeben, um einen kompletten Evakuierungsplan in die Tat umzusetzen, hieß es. Die Arbeit der Polizei sei einerseits durch die Feuerfront, die sich auf mehrere Kilometer erstreckte, sowie durch die hohe Anzahl von Urlaubern erschwert worden.
Die Polizei dementierte während der Pressekonferenz Gerüchte, wonach die Straße, die aus Mati heraus führt, während des Brandes für den Verkehr gesperrt worden sei. Die Ordnungshüter hätten lediglich die Zufahrt zum Badeort für Pkw blockiert, wurde mitgeteilt.  
Verteidigungsminister Panos Kammenos hatte am Donnerstag während einer Inspektion in Mati festgestellt, dass auch zahlreiche illegale Bauten mitverantwortlich für die hohe Anzahl der Todesopfer seien. In einem Interview gegenüber dem britischen Rundfunk BBC sagte er: „Nach einer derartigen Tragödie“ sei die Zeit gekommen, zu verstehen, dass illegal gebaute Häuser für die Besitzer selbst und für deren Familien gefährlich seien; es sei schlichtweg „gefährlich, das Gesetz und die Regeln zu übertreten“, so Kammenos.  
Infrastrukturminister Christis Spirtzis hat unterdessen eine Untersuchung für die erteilten Baugenehmigungen in Mati angekündigt. Er stellte fest, dass es in dieser Gegend „viele luxuriöse Häuser und sonstige Bauten direkt am Strand gegeben hat.“
Nach der Pressekonferenz vom Donnerstag forderten Mitglieder der Opposition Rücktritte von Ministern. Unter anderem warfen sie der Regierung vor, „kein Mitleid“ für die Opfer zu verspüren. Sowohl die konservative ND als auch die von den PASOK-Sozialisten dominierte KinAl warfen Regierungsmitgliedern vor, obendrein noch stolz darauf zu sein, dass man niemanden evakuieren konnte.
Bei der liberalen Partei „To Potami“ etwa war die Rede von einer „Show der Regierung“. Weiter heißt es in einer Mitteilung: „Die Menschen, die die Katastrophe in Mati miterlebt haben, haben die Anerkennung eines Fehlers erwartet. Die Verwandten der Opfer, haben eine Entschuldigung erwartet.“ Parteichef Stavros Theodorakis rügte: „Eine Staatstrauer beinhaltet nicht nur Tränen. Sie beinhaltet auch Entscheidungen.“

Elisa Hübel

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