Ost-Attika: Der Tag danach und die Suche nach den Ursachen für die tödliche Brandkatastrophe Tagesthema

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Fotos (© Eurokinissi) Fotos (© Eurokinissi)

Offiziellen Angaben zufolge haben die Waldbrände am Montag (23. Juli) in der Nähe der Hafenstadt Rafina in Ostattika bisher 83 Menschenleben gefordert; darunter sind auch viele Kinder. Die Zahl der Vermissten ist noch unbekannt. Bis Samstag sollen sämtliche Leichen, die gefunden wurden, identifiziert worden sein. Feuerwehrmänner- und Frauen gehen derzeit von Tür zur Tür und suchen nach weiteren vermissten Personen. Die meisten Todesopfer sind entweder verbrannt, erstickt oder im Meer ertrunken. Bei vielen verkohlten Leichen müssen DNA-Tests durchgeführt werden, um diese zu identifizieren.



Weg zum Meer verbaut
Die Behörden haben inzwischen damit begonnen, die an Häusern und Wohnungen entstandenen Schäden aufzunehmen. 1.218 (48,93 %) der inspizierten Immobilien wurden als nicht bewohnbar markiert, 1.271 (51,07 %) gelten als wieder bewohnbar.
Der Vizepräsident des Europaparlaments aus den Reihen der griechischen Regierungspartei SYRIZA Dimitris Papadimoulis rief per Twitter dazu auf, dass die „geschlossenen Privatstrände geöffnet werden“. Zudem sprach er sich gegen illegale Bauten aus und setzte sich für schärfere städtebauliche Regelungen ein.
Eine frühere Umweltinspektorin hat im Interview erklärt, dass in der Vergangenheit Druck auf sie ausgeübt worden sei, damit sie bei illegalen Bauten ein Auge zudrücken würde. Vor allem bei Mati sei ein großer Teil der Strandpromenade entweder von Gebäuden oder auch durch Zäune und Mauern versperrt worden: „Es gab keinen Ausweg zum Strand“, stellte die frühere Inspektorin fest.

Trotz schnellen Handelns der Feuerwehr …
Innenminister Panos Skourletis erklärte in einem Radiointerview, dass es höchste Priorität habe, die noch vermissten Personen zu finden. Anschließend müsse man die Ursache der Tragödie klären. Der Waldbrand im Badeort Mati bei Rafina sei mit einer extrem hohen Geschwindigkeit in die bewohnte Gegend vorgedrungen. Die Flammen hätten „die Menschen in ihren Häusern und Pkw ereilt“, so der Minister. Er stellte fest, dass die Feuerwehr extrem schnell gehandelt habe: „Das Feuer ist um 12.05 Uhr ausgebrochen, um 12.30 Uhr sind die ersten Löschflugzeuge vor Ort gewesen.“

Finanzielle Unterstützung für die Opfer
Das Innenministerium hat unterdessen eine außerordentliche finanzielle Unterstützung in Höhe von zwei Millionen Euro für die vom Waldbrand heimgesuchten Gemeinden in Attika genehmigt. Mit diesen Geldern sollen wichtige Teile der Infrastruktur wieder aufgebaut werden.
Auch das Ministerium für Arbeit und soziale Solidarität hat Sofortmaßnahmen für die betroffenen Bürger ergriffen. Diese betreffen Ernährung, Unterkunft und psychosoziale Betreuung. Minderjährige Kinder Verstorbener werden bis zur Volljährigkeit einen Zuschuss in Höhe 1.000 Euro monatlich erhalten. Dieser wird im Falle eines Studiums an einer Hochschule oder Universität sogar bis zum 24. Lebensjahr gezahlt.
Unterdessen hat die französische Nachrichtenagentur AFP die Waldbrände in Ostattika als die „zweittödlichsten im 21. Jahrhundert“ eingestuft. Die tödlichsten haben sich demnach in Australien im Jahr 2009 ereignet: Damals haben 173 Menschen ihr Leben in den Flammen verloren. Die dritttödlichsten Waldbrände haben sich, der gleichen Quelle zufolge, 2007 erneut in Griechenland ereignet. 77 Menschen hatten im Sommer vor elf Jahren auf der Peloponnes und auf Euböa ihr Leben verloren. Selbst die antike Stätte von Olympia einschließlich des Museums war damals nur knapp einer Zerstörung durch die Flammen entgangen.   

Elisa Hübel

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