Kleriker protestieren gegen Vereinbarung zwischen Premier und Erzbischof Tagesthema

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Unser Foto (© Pressebüro des Ministerpräsidenten) zeigt Premier Alexis Tsipras und den Erzbischof von Athen und ganz Griechenland, Hieronymus, am Dienstag im Amtssitz des Ministerpräsidenten, dem Megaron Maximou. Unser Foto (© Pressebüro des Ministerpräsidenten) zeigt Premier Alexis Tsipras und den Erzbischof von Athen und ganz Griechenland, Hieronymus, am Dienstag im Amtssitz des Ministerpräsidenten, dem Megaron Maximou.

Eine zwischen Ministerpräsident Alexis Tsipras und dem Erzbischof von Athen und ganz Griechenland, Hieronymus, angekündigte Vereinbarung ist in Griechenland auf heftige Kritik gestoßen. 

Vor allem verwundert zeigen sich viele darüber, dass das Patriarchat von Konstantinopel über das Vorhaben in Athen offenbar nicht informiert wurde. Unter seine kirchlichen Verwaltung fallen Teile Griechenlands wie etwa der Epirus, Mazedonien, Thrakien, die Inseln der nördlichen Ägäis, die Dodekanes-Inseln, Kreta und der heilige Berg Athos.

Die künftige Bezahlung des Klerus
Zu den Entscheidungen, die Tsipras und der Erzbischof getroffen haben, zählt, dass angebliche Besitztümer der Kirche, deren tatsächlicher Besitz jedoch in Frage gestellt wird, künftig von einer gemeinsamen Kasse von Staat und Kirche gemeinsam verwaltet werden. Vor allem aber sollen knapp 10.000 Kleriker nicht mehr wie bisher vom Staat bezahlt werden. Die Kirche soll jedoch aus der Staatskasse einen jährlichen Zuschuss erhalten, um deren Gehälter weiterhin finanzieren zu können. Bisher war eine Summe von circa 200 Millionen Euro im Gespräch. Einigen Informationen zufolge sollen dem Plan von Tsipras und Erzbischof Hieronymus zufolge das Einkommen der Kleriker künftig aus der zu gründenden gemeinsamen Kasse von Kirche und Staat gezahlt werden, das heißt, man spekuliert auf Einkommen aus bisher kirchlichem Grundbesitz. Die Vereinigung der Kleriker Griechenlands hat daraufhin landesweite Protestaktionen angekündigt. Vor allem sei die Versicherungs- und Rentensituation nicht geklärt, heißt es. Sie erinnern auch daran, dass viele Priester eine Familie hätten, die in vielen Fällen kinderreich sei.

10.000 Verbeamtungen geplant
Was die Regierungsparteien Bündnis der Radikalen Linken (SYRIZA) und Unabhängige Griechen (ANEL) betrifft, so haben die meisten Funktionäre das Vorhaben von Tsipras und Erzbischof Hieronymus begrüßt. Es gibt aber auch heftige Kritik, etwa vom früheren Minister für Bildung, Forschung und Religion, Nikos Filis (SYRIZA).
Staatsminister und Regierungssprecher Dimitris Tzanakopoulos stellte gegenüber Journalisten fest, dass durch das Ausscheiden der Kleriker aus dem Bereich der Staatsdiener nun bis zu 10.000 Ärzte und Lehrer verbeamtet werden könnten. Damit würde das Korsett, das durch die inzwischen abgeschlossenen Spar- und Reformprogramme (Memoranden) mit Griechenland vereinbart wurde, umgangen. Demnach darf Athen lediglich für jeden entlassenen Staatsdiener einen neuen einstellen.
In der Realität besteht jedoch dringender Bedarf an Ärzten und Krankenschwestern in staatlichen Krankenhäusern sowie an Lehrern in öffentlichen Schulen. Bildungsminister Kostas Gavroglou räumte allerdings ein, dass nicht alle notwendigen Verbeamtungen bereits im kommenden Jahr zu bewältigen seien: Einen solchen Schritt könnten die griechischen Staatskassen noch nicht stemmen.
Gavroglou, der auch für Forschung und Religion verantwortlich ist, stellte ferner fest, dass die „Regierung historische Angelegenheiten, die noch nicht erledigt sind, nicht unter dem Teppich kehrt“. Es stehe noch viel Arbeit an; vor allem was die Registrierung des kirchlichen Eigentums betreffe. Eine ähnliche Einschätzung hatte auch sein Amtsvorgänger Filis vertreten.

„Vorsatz einer Vereinbarung“
Kritik hagelte es jedoch von der Opposition. Die konservative Nea Dimokratia etwa warf der Regierung vor, die Bürger mit der Einstellung von 10.000 Beamten „auf den Arm nehmen“. Die Demokratische Allianz und die kommunistische KKE setzten sich für eine komplette Trennung zwischen Kirche und Staat ein. Dies gehört auch zu den Versprechungen, die SYRIZA im Wahlkampf 2014 abgegeben habe.

Was den Heilige Synod betrifft, das oberste Organ der griechisch-orthodoxen Kirche, so hatte dieser am Mittwoch die Vereinbarung zwischen Tsipras und Erzbischof Hieronymus abgesegnet. Letzterer hatte jedoch auch festgestellt, dass es sich lediglich um den „Vorsatz einer Vereinbarung“ handle und nicht etwa um eine bereits „getroffene Vereinbarung“.
Ministerpräsident Tsipras hat in letzter Zeit einen guten Draht zu Erzbischof Hieronymus entwickelt, obwohl er nach wie vor als konsequenter Atheist auftritt. Mit seiner Lebensgefährtin Peristera Baziana ist Tsipras z. B. nicht verheiratet; sie leben in einer offenen Lebensgemeinschaft und haben zwei gemeinsame Kinder – was für strenggläubige orthodoxe Christen nur schwer nachvollziehbar ist.
Ein Dorn im Auge war der Kirche auch ein Parlamentsbeschluss im Jahr 2015; damals wurde das Land bereits von Tsipras regiert. Darin ist gesetzlich geregelt worden, dass Lebenspartnerschaften in Griechenland auch für homosexuelle Paare gelten. Seit dem vergangenen Frühling können homosexuelle Paare auch Pflegekinder aufnehmen.

Elisa Hübel

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