Gewerkschaften in Griechenland bereiten sich auf heißen Herbst vor Tagesthema

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Gewerkschaften in Griechenland bereiten sich auf heißen Herbst vor
Obwohl die Sommerferien noch gar nicht richtig vorbei sind, kündigen Griechenlands Gewerkschaften bereits jetzt einen „Heißen Herbst“ an. Am heutigen Dienstag streiken Angestellte der psychiatrischen Kliniken. Um 11.30 Uhr fand parallel dazu eine Kundgebung vor dem Gesundheitsministerium statt. Zudem hat das Krankenhauspersonal von anderen öffentlichen Krankenhäusern um 8.
8.00 Uhr vor zwei Athener Krankenhäusern protestiert. Morgen kommt es in diesem Bereich zu einer vierstündigen Arbeitsniederlegung zwischen 11.00 und 15.00 Uhr. Ziel ist es, die Schließung bzw. Verschmelzung zahlreicher Krankenhäuser zu verhindern. Protestiert wird auch gegen die Maßnahme der Arbeits- oder Mobilitätsreserve. Durch diese soll überzähliges Personal auf andere Posten des öffentlichen Dienstes versetzt werden. In der Praxis werden diese Maßnahmen in einigen Fällen auch in der Arbeitslosigkeit münden: Wer innerhalb von acht Monaten keine neue Arbeitsstelle im Staatsdienst finden kann, wird quasi entlassen.
Im Versuch, die Wogen etwas zu glätten, versichert Gesundheitsminister Adonis Georgiadis immer wieder, dass es in diesem Bereich keine Entlassungen geben werde: falls doch, so werde er sein Amt niederlegen. Den offiziellen Plänen zufolge sollen sogar Lehrer, die ebenfalls von der Arbeitsreserve betroffen sind, in den Gesundheitsbereich versetzt werden.
Zu einem Protestzug kam es heute auch in der zweitgrößten Stadt des Landes, in Thessaloniki. Dort haben Angestellte der staatlichen griechischen Fahrzeugindustrie ELVO eine Demonstration bis vor das Ministerium für Makedonien und Thrakien durchgeführt. Gefordert wird ein Treffen mit dem Minister Theodoros Karaoglou. Der Protest richtet sich gegen die bevorstehende Privatisierung des Unternehmens. Zudem sind die Mitarbeiter seit mehreren Monaten unbezahlt. Die Kundgebung wird von der größten Oppositionspartei des Landes, dem Bündnis der Radikalen Linken (SYRIZA), unterstützt.
Seit 11.00 Uhr bis Dienstende streiken heute landesweit auch Gewerkschafter der Kommunalverwaltung. Gegen deren Gewerkschaft POE-OTA läuft wegen der massenhaften Proteste im Oktober 2011 derzeit ein Gerichtsprozess. Morgen will diese Gewerkschaft vor dem Ministerium für Verwaltungsreformen in Athen eine weitere Kundgebung durchführen. Gerichtet ist diese gegen die Arbeitsreserve. In diesem Sommer waren davon vor allem Schulwächter und Gemeindepolizisten betroffen. Nach Ansicht der POE-OTA hat die Regierung nicht die nötigen Schritte einleitet, um das Personal auf andere Stellen im öffentlichen Dienst zu versetzen. Die Kollegen müssten befürchten, dass die dafür vorgesehenen acht Monate verstreichen, ohne dass sie eine zweite Chance erhalten würden.

(Griechenland Zeitung / eh, Archiv-Foto: Eurokinissi)

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