Chaotische Situation für Flüchtlinge nach den Bränden in Moria Tagesthema

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Unser Foto (© Eurokinissi) entstand am Freitag, 11.9., außerhalb des durch Feuer zerstörten Flüchtlingslagers bei Moria. Unser Foto (© Eurokinissi) entstand am Freitag, 11.9., außerhalb des durch Feuer zerstörten Flüchtlingslagers bei Moria.

Nach dem verheerenden Brand im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos brachen am Donnerstagnachmittag (10.9.) weitere Feuer im Camp aus. Diese zerstörten nun auch noch jene Bereiche des Lagers, die bis dahin von den Flammen verschont geblieben waren. Die griechischen Behörden bemühen sich derzeit, für die mehr als 12.500 Menschen Nahrung und Getränke bereitzustellen und provisorische Unterkünfte zu schaffen; es ist von Tausenden Zelten die Rede.

Die betroffenen Flüchtlinge verbrachten die vergangenen Nächte auf Straßen, Parkplätzen oder Feldern, einige sogar auf Friedhöfen. Eine Passagierfähre habe am Hafen von Mytilini angedockt, um Familien unterzubringen, teilte die griechische Regierung mit. Es werde allerdings „Tage dauern“, Unterkünfte für alle zu finden. Erschwert werden die Bemühungen der Behörden zusätzlich von Bewohnern der Insel, die zum Teil Straßenblockaden errichtet haben, um Hilfsorganisationen und Behörden die Zufahrt zu verwehren.

Regierungssprecher Stelios Petsas teilte mit, dass die Feuer von Asylsuchenden gelegt worden seien, als „eine Reaktion gegen die Quarantäne-Maßnahmen im Camp“. Migrationsminister Notis Mitarachi stimmte dieser Darstellung zu. Aufgrund des Lockdowns könne das Feuer nur auf Migranten innerhalb des Lagers zurückzuführen sein.

Einem Bericht der Tageszeitung „Kathimerini“ zufolge ist am Freitag eine Gruppe von 30 jungen Männern afghanischer Herkunft in den Fokus der Ermittler gerückt, die ohne Familie nach Griechenland gekommen seien. Besagte Gruppe sei bereits durch Drogenhandel und Erpressungen im Lager aufgefallen, heiße es aus Polizeikreisen. Nun werde untersucht, ob die jungen Männer tatsächlich für das Feuer verantwortlich seien.

Das Flüchtlingslager Moria war Anfang September unter Quarantäne gestellt worden, nachdem dort ein 40-jähriger Mann aus Somalia positiv auf das Coronavirus getestet worden war. Bei knapp drei Dutzend weiteren Flüchtlingen wurde das Virus seitdem ebenfalls festgestellt, sie wurden vorübergehend isoliert. Angesichts der unübersichtlichen Lage, die durch die Flucht vor den Flammen entstanden ist, konnten sie bisher nicht identifiziert werden. Um sich auf eine möglichen Anstieg der Corona-Fälle unter den Asylsuchenden vorzubereiten, hat die Gesundheitsbehörde 19.000 Testsätze auf die Insel geschickt.

Besorgnis in Berlin und Washington

Bundeskanzlerin Angela Merkel teilte am Donnerstag mit, dass Deutschland zusammen mit Frankreich einen Deal ausgehandelt habe, der die Aufnahme von 400 minderjährigen Flüchtlingen aus Moria in EU-Staaten vorsehe. Weitere Maßnahmen sollen folgen. Die Europäische Union müsse „endlich mehr gemeinsame Verantwortung in der Flüchtlingskrise übernehmen“, forderte Merkel. Auch Außenminister Heiko Maas kündigte Hilfe an: „Wir werden Griechenland und die Menschen aus diesem Lager mit dieser Situation nicht alleine lassen.“ Dazu gehöre auch die Verteilung von Geflüchteten unter Aufnahmewilligen in der EU.

Das US-amerikanische Außenministerium hat ebenfalls Besorgnis über die verheerende Zerstörung des Flüchtlingslagers zum Ausdruck gebracht und angekündigt, humanitäre Hilfe zu leisten. Gemeinsam mit der griechischen Regierung und der EU koordiniere man die notwendigen Bedürfnisse und werde weiterhin Nahrungsmittel, Wasser und Unterkünfte für die Migranten und Flüchtlinge zur Verfügung stellen, heißt es in einer Mitteilung aus Washington.

Auch das Oberhaupt der griechisch-orthodoxen Kirche, Hieronymus, meldete sich zu Wort und drückte sein tiefstes Mitgefühl aus. Er forderte die Europäische Union dazu auf, eine effektivere Antwort auf die Flüchtlingskrise zu finden. Es sei an der Zeit, dass die EU Verantwortung übernehme und wirksam zum Schutz ihrer östlichen Grenzen beitrage, „immer mit dem Respekt vor der Würde jedes Einzelnen“. (Griechenland Zeitung / Erik Maurer)

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