Griechenland will seine Rolle als Stromlieferant für Europa massiv ausbauen. Lange Zeit lag der Schwerpunkt dabei auf nachhaltigen Energien, doch seit einiger Zeit rückt Gas wieder stärker in den Fokus.
Wie dieser Strategiewechsel zustande kommt und welche Risiken er birgt, erläuterte die Energieexpertin Georgia Nakou von MacroPolis, einer griechischen Organisation, die sich auf Analysen im Bereich Politik und Wirtschaft spezialisiert hat, in einem Online-Briefing das unter dem Titel „From Green Ambition to Gas Expansion: Greece’s Pivot in the Energy Transition“ am Donnerstag (5.2.) von der der SPD nahestehenden Friedrich-Ebert-Stiftung in Athen organisiert wurde.
Während des Briefings wurde deutlich, dass in den vergangenen Jahren erneuerbare Energien für Griechenland besonders attraktiv sind, was zu einem deutlichen Ausbau der Ökostromerzeugung geführt habe. Dieser Prozess sei jedoch nicht reibungslos verlaufen. So sei es unter anderem zu Meinungsverschiedenheiten mit der Türkei über die Errichtung von Offshore-Windparks im Mittelmeer gekommen. Auch die Umstellung privater Haushalte auf nachhaltige Energiequellen habe sich als schwierig erwiesen. Laut Nakou seien hierfür vor allem bürokratische Hürden verantwortlich, da viele Haushalte in diesem Bereich auf staatliche Unterstützung angewiesen seien, um entsprechend zu investieren. Zahlreiche Häuser verfügten zudem über veraltete Leitungen und mangelhafte Isolierungen, was die Umrüstung erschwere. Hinzu komme, dass „grüner“ Strom im Vergleich zu fossilen Energieträgern nach wie vor deutlich teurer sei.
Den Fokus lege man nun auf Gas, das idealerweise in die Ukraine fließen solle. Ziel Griechenlandes sei es, sich als ein zentraler Gasknotenpunkt zu etablieren. Der Wille der Politik werde deutlich durch Abkommen zwischen Griechenland und den USA, die auf eine Kooperation im Energiesektor abzielen. Doch auch diese Strategie berge laut der Expertin von MacroPolis Probleme: Der Ausbau von Pipelines sei mit enormen Kosten verbunden, zudem mache sich Griechenland durch die stärkere Fokussierung auf Gas wieder abhängiger von anderen Ländern. Ihrer Einschätzung nach versuche das Land vor allem, sich eine strategisch günstige Position bei der europäischen Energieversorgung für die kommenden Jahrzehnte zu sichern. Der Ausbau nach Osten berge jedoch erhebliche Unsicherheiten. Eine der größten Unbekannten bleibe Russland, das im Falle einer Beendigung des Ukrainekriegs eventuell wieder die Rolle eines zentralen Gaslieferanten für Europa übernehmen könnte. (Griechenland Zeitung / Antonia Schwalm)