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Mannigfaltige Attraktionen eines erlesenen Landstrichs

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Foto (© Griechenland Zeitung / jr): Das Dorf Koroni und seine imposante Burganlage. Foto (© Griechenland Zeitung / jr): Das Dorf Koroni und seine imposante Burganlage.

Auf seiner Reise durch Messenien im Südwesten der Peloponnes macht unser Autor auch halt im Ort Methoni mit seinen imposanten Festungsanlagen. Von dort geht es weiter zum malerischen Koroni, in das antike Messene und in die „Äußere Mani“, wo sich auch das Kohlebergwerk des Romanhelden „Alexis Sorbas befindet.

Methoni war im späteren Mittelalter einer der wichtigsten Stützpunkte Venedigs im östlichen Mittelmeer. Gemeinsam mit dem nahe gelegenen Koroni (Κορώνη / dt. auch: Korone) an der Ostküste der messenischen Halbinsel kam dem Ort seinerzeit nicht nur als quirligem Warenumschlagplatz eine besondere Bedeutung zu. Auch für den Seeweg zwischen Venedig und Kreta sowie der Levanteküste weiter im Osten sollte er sich als unverzichtbarer Außenposten der Seerepublik erweisen. Überdies profitierte gerade Methoni – von den Venezianern „Modon“ genannt – nicht zuletzt auch vom Pilgerverkehr ins Heilige Land: Diese Gläubigen pflegten hier immer wieder Rast einzulegen. Der hohe Stellenwert jedenfalls, der den Festungen von Methoni und Koroni damals beigemessen wurde, fand seinen Niederschlag auch in ihrer Bezeichnung als „Augen“ Venedigs im östlichen Mittelmeerraum.

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Methoni, Festung mit Brücke zum Hauptzugang (Steinbrücke 19. Jh., davor Holzbrücke)

Wichtige Hafenstadt

Schon in der Antike war Methoni ein wichtiger Hafen gewesen. Nachdem der Platz im frühen 13. Jahrhundert dann in venezianischen Besitz übergegangen war, entwickelte er sich zu dem blühenden Zentrum, als das er schließlich bekannt werden sollte – eine starke, wehrhafte Festung mit einer lebendigen Siedlung im Inneren der Mauern. Von dieser ist freilich kaum etwas geblieben, erhalten sind vornehmlich die ausgedehnten, mächtigen Befestigungsanlagen, an denen zu unterschiedlichen Zeiten gearbeitet wurde. Im Jahre 1500 mussten die Venezianer Methoni dann ebenso wie Koroni an die Türken abgeben, konnten beide Festungen zwischen 1686 bis 1715 aber noch einmal für kurze Zeit zurückgewinnen. Im Zuge des griechischen Freiheitskampfes gelang es mit Unterstützung französischer Kräfte, der türkischen Vorherrschaft in der Region ein Ende zu bereiten. Und so entstand seit 1828 dann auch der heutige Ort Methoni, während die alte Siedlung innerhalb der Festung aufgegeben wurde und fortan nur noch als Steinbruch diente.

Oliven- und Orangenbäume

Ein ganz anderes Bild bietet sich dagegen in Koroni, dem venezianischen „Coron“, das nach einer recht wechselvollen Geschichte damals ebenfalls von der türkischen Herrschaft befreit wurde. Der jetzige Besucher erlebt einen einladenden Ort, der geprägt ist von dem harmonischen Zusammenspiel der Überreste einer einst mächtigen Festungsanlage auf der Höhe der sich ins Meer vorschiebenden Landspitze sowie der sympathischen modernen Siedlung, die sich gleich außer- und unterhalb der alten Mauern bis zum Hafen hinab erstreckt. Sie lädt zum entspannten Schlendern geradezu ein. Anders als in Methoni ist in Koroni aber auch das Innere der Festung nicht verlassen. Zwischen Oliven- und Orangenbäumen finden sich neben einem kleinen Friedhof vereinzelte Wohnhäuser, und ein 1918 gegründetes, Johannes dem Täufer geweihtes Kloster (Ιερά Μονή Τιμίου Προδρόμου / Ierá Moní Timíou Prodrómou) bietet einer hier lebenden Schwesterngemeinschaft eine friedvolle Heimstatt.
Koroni ist übrigens nicht nur aufgrund seiner historischen Bedeutung, sondern auch als Namensgeber einer weit verbreiteten Olivensorte bekannt. So erfreut sich die Koroni-Olive (Ελιά Κορώνης / Eliá Korónis) oder auch Koroneïki (Κορωνέικι, dt. etwa die „Koronische“) in ganz Griechenland großer Beliebtheit, gilt darüber hinaus aber auch im weltweiten Anbau als sehr geschätzte Sorte. Dabei ist die Frucht selbst zwar eher klein, liefert jedoch ein ganz hervorragendes Öl.

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Koroni

Zeichen des Triumphs

Ungefähr 30 Kilometer nördlich von Kalamata liegen bei dem modernen Dorf Mavromati die Ruinen der antiken Stadt Messene. Grabungs- und Restaurierungsarbeiten, die insbesondere in den letzten gut 30 Jahren mit großer Intensität durchgeführt wurden, hatten zur Folge, dass der Ort heute als eine der wichtigsten archäologischen Stätten in Griechenland gelten kann.
Die Hauptstadt des antiken Messenien wurde auf Veranlassung des thebanischen Feldherrn Epameinondas im Jahre 369 v. Chr. an den Ausläufern des Berges Ithomi (Ιθώμη, altgr.: Ithome) gegründet. Kurz zuvor hatte der Thebaner die Bewohner der Region von dem spartanischen Joch befreit, unter dem sie als rechtlose, sogenannte „Heloten“ jahrhundertelang in sklavenähnlichen Verhältnissen gelebt hatten. Mehrere Kriege konnte Sparta gegen die Messenier für sich entscheiden, bis seine Macht 371 v. Chr. durch Epameinondas in der Schlacht von Leuktra weitgehend gebrochen wurde. Die Gründung ihrer neuen Hauptstadt war somit auch ein Zeichen des Triumphs der einheimischen Bevölkerung über den einstigen Unterdrücker. Entsprechend groß und prächtig sollte das Projekt dann auch geplant und in die Tat umgesetzt werden.

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Messene, Theater

In überwältigender Landschaft

Geschützt wurde Messene von einer gewaltigen Befestigungsmauer, die heute zu den besterhaltenen in ganz Griechenland zählt. Dabei bot das noch immer eindrucksvolle Arkadische Tor, durch das auch in unserer Zeit eine Straße führt, einen der Hauptzugänge der Stadt. Neben der Agora, dem Hauptplatz des Zentrums, lag das gut erforschte Asklepieion. Einen Kurbetrieb sucht man hier allerdings vergeblich, gefeiert wurde vielmehr die Stellung des griechischen Heilgotts Asklepios im Familienverband der mythischen Urkönige Messeniens. Wie die erhaltenen Reste zeigen, hatte das Heiligtum einst sowohl kultische wie auch politische Funktionen zu erfüllen. In den Räumen, die sich um den zentralen Hof mit seinem Tempel und Altar reihen, wurden verschiedenen Gottheiten verehrt, hier tagte aber auch der Bundesrat der Messenier, und ein kleines Theater bot Platz für Aufführungen und Versammlungen. Später trat auch die gebührende Huldigung der römischen Kaiser hinzu. Welch hoher Stellenwert dem Asklepieion von den Zeitgenossen beigemessen wurde, machen auch die Basen von etwa 140 Ehrenstatuen deutlich, die zu Repräsentationszwecken im Hof aufgestellt waren. Hier konnte man sich offenkundig sehr wirksam ins rechte Licht setzen.
Zwei Großbauten nahebei drücken der Stätte ebenfalls einen ganz entscheidenden Stempel auf: oberhalb des Asklepieions das große Theater der Stadt, etwas weiter hangabwärts ihr gewaltiges Stadion mit einem daran angeschlossenen Gymnasium. Gut erhalten und in Teilen ansehnlich wieder hergerichtet bieten sie dem Besucher ein klares Bild des einstigen Zustands. Das Gleiche gilt nicht minder auch für so manch kleineren Bau, auf den man bei einem Rundgang durch die Ausgrabungen stößt.
Die Ruinen des antiken Messene sind in eine überwältigende Landschaft eingebettet. Im Verein damit hinterlassen die beachtlichen archäologischen Reste einen tiefen Eindruck, der mit einem Gang durch das lokale Museum noch abgerundet wird.

Karge Herbheit der Mani

Südöstlich von Kalamata erstreckt sich die Halbinsel Mani ins Meer, in die sich die Ausläufer des Taygetos nach Süden hin fortsetzen und die in weiten Teilen zu Lakonien gehört. Die sogenannte „Äußere Mani“ (Έξω Μάνη / Éxo Máni) aber im Nordwesten ist noch Teil Messeniens und wird deshalb auch als die „Messenische Mani“ (Μεσσηνιακή Μάνη / Messiniakí Máni) bezeichnet. Sie beginnt bei Verga (Βέργα), einem Vorort Kalamatas, und reicht bis über Lagada (Λαγκάδα) hinaus nach Süden. Ihre Landschaft ist noch nicht von jener kargen Herbheit mit den nicht selten rauen Bergzügen geprägt, die für große Teile der übrigen Mani so typisch ist. Vielmehr bietet sie mit ihren teils bewachsenen Höhen und dem reizvollen Küstenverlauf häufig ein noch deutlich milderes Bild. Damit erfreut sie sich auch bei Wanderern einiger Beliebtheit.
Als besonders charakteristisch für die Architektur der Mani gelten ihre vielen, teils winzigen Kirchen sowie die mächtigen Wohntürme, die ihren Besitzern immer wieder Schutz vor Angreifern geboten haben. Auf beides stößt man bereits in der Äußeren Mani. Nur etwa 22 Kilometer südlich von Kalamata steht im kleinen Ort Kambos (Κάμπος) an zentraler Stelle eine Kirche der Heiligen Theodore (Agii Theodori), deren Entstehungszeit allerdings umstritten ist. Antike Hinterlassenschaften in der Nähe belegen eine schon frühe Besiedlung der Gegend, die seit dem 15. Jahrhundert dann von der in Ruinen daliegenden Festung Zarnata (Ζαρνάτα) beherrscht wurde. Dort findet sich auch ein ins 18. Jahrhundert zurückreichender Wohnturm.

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Kambos, Kirche der Heiligen Theodore

Kleines Mekka für Literaturfreunde

Solche Türme waren einst oft Teil komplexerer Anlagen mit weiteren Wohn- und Wirtschaftsgebäuden. Sehr eindrücklich lässt sich das in Kardamili (Καρδαμύλη) nachvollziehen, wo der befestigte Wohnkomplex der Familie Troupakis-Mourtzinos aufwendig restauriert wurde und jetzt als Museum zugänglich ist. Eine informative Ausstellung bietet zudem einen allgemeinen Einblick in Leben und Wohnen auf der Mani in früheren Zeiten. Begonnen wurde die Anlage im späten 17. Jahrhundert, Erweiterungen erfolgten sukzessive bis ins frühe 19. Jahrhundert. Die Hauskirche der hier lebenden Familie, geweiht dem Heiligen Spyridon, entstand gegen Ende des 18. Jahrhunderts.
Eine Besonderheit für Literaturfreunde bietet das bei Badeurlaubern beliebte Stoupa (Στούπα). In unmittelbarer Nachbarschaft lag nämlich das Kohlebergwerk, in dem Nikos Kazantzakis 1915/16 zusammen mit Georgios Zorbas gearbeitet hat. Die Erlebnisse dort inspirierten den Schriftsteller später zu seinem großen Roman „Alexis Sorbas“, unvergesslich verfilmt mit Anthony Quinn in der Titelrolle. Deutlich beschaulicher übrigens als das auf größere Touristenzahlen eingerichtete Stoupa kommt die Atmosphäre in dem nahe gelegenen, pittoresken Fischerdorf Agios Nikolaos (Άγιος Νικόλαος) mit seinem kleinen Hafen daher.

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Der Hafen des kleinen Fischerdorfes Agios Nikolaos

Lebendige, bunte Gegenwart

In den weiter nach Süden folgenden Ortschaften lässt sich – wie zum Beispiel in Nomitsis (Νομιτσής) – eine ganze Reihe interessanter, kleiner Kirchen entdecken, und im traditionellen Lagada mit seinen verschiedenen Kirchenbauten und Türmen bietet sich dem Besucher vor einer mächtigen Bergkulisse das Bild eines für die Region ganz typischen Dorfes. Von hier ist es dann auch nicht mehr weit nach Areopoli (Αρεόπολη), einem der Hauptorte der Mani. Dieser jedoch liegt bereits in der sogenannten „Inneren Mani“ (Μέσα Μάνη / Méssa Máni), die zu Lakonien gehört.
Reisende, die im Südwesten der Peloponnes unterwegs sind, brauchen nicht lange, um sich der erlesenen Besonderheit dieses Landstrichs bewusst zu werden. Messenien fasziniert nicht nur aufgrund der überwältigenden Schönheit seiner Natur, sondern hat auch ein bedeutendes und vielfältiges historisches sowie kulturelles Erbe vorzuweisen. Überdies schlägt die pulsierende Atmosphäre seines Zentrums Kalamata mühelos den Bogen aus längst vergangenen Zeiten heraus in eine lebendige und bunte Gegenwart hinein. Bei alldem ist die Landschaft durch ein gut ausgebautes Straßennetz erschlossen, und so zählt Messenien zweifellos zu den lohnendsten Zielen, die Reisende in Griechenland ansteuern können.

Text und Fotos: Jens Rohmann

Diese Reportage erschien in der Griechenland Zeitung Nr. 739 am 19. August 2020.

 

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