Höllenfahrt nach Skiathos (Teil 5)

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Foto © Suse Klein/ Die Reisenden begrüßen das neue Jahr 1985 in Volos Foto © Suse Klein/ Die Reisenden begrüßen das neue Jahr 1985 in Volos

Silvester im Hafen von Volos


Nachdem es aufgrund eines Unwetters keine Möglichkeit gegeben hatte, die Insel Skiathos zu erreichen, sind die Autorin und ihre Begleiter nach einer anstrengenden Nacht im Auto in einem Hotel eingekehrt und dort am Mittag in tiefen Schlaf gesunken. 

Am Abend erwachten wir erst nach 20 Uhr wieder aus unserem Tiefschlaf und machten uns fertig für den Silvesterabend. Harry saß auf dem Balkon und versuchte, uns zu trösten. Es hätte ja noch viel schlimmer verlaufen können, wir hätten einen Unfall, oder einen Krankheitsfall haben können, oder einen Totalschaden am Auto! Es sei ja alles halb so wild, immerhin hätten wir Urlaub. Also sollten wir das Beste daraus machen. Die nette Weinhandlung, die wir suchten, fanden wir im strömenden Regen nicht mehr, aber wir pflückten Bitterorangen von den Bäumen. Schließlich fanden wir ein nettes Lokal, in dem wir zu Abend aßen. Die Tische bogen sich unter all dem leckeren Essen: Hirn, Leber, gegrillter Fisch, Oktopussalat, Salat, Cola, Tzatziki, Käsecreme,  Brot, Retsina, Ouzo. Der Wirt wollte uns sogar noch einen großen Tintenfisch servieren, doch wir platzen schon fast. Im Hotel fanden wir ein älteres Ehepaar hinter der Kaffeebar. Die Frau trug ihre langen Haare im Zopf und einen Morgenmantel über dem Nachthemd. Sie freute sich über unsere Griechischkenntnisse. Zurück auf dem Zimmer öffneten wir dann eine Flasche Sekt. Um uns herum hörten wir die ersten Raketen und Böller. Harry rief: „Es ist doch eine Stunde zu früh. In Germania ist es erst 23.00 Uhr!“ Na und? Wir feierten auf dem Balkon griechisches Silvester. „Καλή χρόνια, χρόνια πολλά!“ (Kalí chroniá, chrónia pollá)– Frohes neues Jahr! 

Es folgten tiefsinnige Gespräche in der nächsten Stunde, bis wir schließlich mit bunten Wunderkerzen und einer zweiten Flasche Sekt auf das deutsche Silvester anstießen. Wir dachten an unsere Familien in Deutschland, knackten Nüsse und feierten noch ein wenig, bevor wir um 2 Uhr ins Bett fielen. Am 1. Januar 1985 fuhren wir vormittags von Volos aus zum Pilion hinauf in die Berge. Es lag viel Schnee, selbst die Orangen waren bedeckt. Ab Portaria durfte man nur mit Schneeketten weiter, da die Griechen nur Sommerreifen hatten. Wir liefen ein Stück zu Fuß weiter und Joseph und Harry halfen hier und dort beim Anbringen der Schneeketten. Direkt am Berg liegt der bezaubernde Ort Makrinitsa, den wir Harry und Gunda zeigten. Ganz Griechenland schien hier auf den Beinen zu sein. Vom Skigebiet kamen die schneebedeckten Autos heruntergefahren. Wir fanden eine gemütliche Taverne mit einem Kamin, der durch ein langes Rohr mit einem mit Pappe verklebten Fenster verbunden war. Der Aufenthalt dort zog sich in die Länge, da nach dem hervorragenden Essen noch viel κοκκινέλι (Kokkinéli) – ein typischer Roséwein, floss. Der Wein war ein kleiner Trost für die anstrengenden vergangenen Tage, doch zurück im Hotel auch der Grund für ein Schnarch-Duett der Männer. Gunda und ich versuchten, auch noch etwas Schlaf abzubekommen, in der Hoffnung auf besseres Wetter, damit wir endlich nach Skiathos weiterreisen könnten.


Die Anstrengungen der letzten Tage haben die Reisenden erschöpft. Ob die Überfahrt nach Skiathos bald möglich sein wird und wie es für sie weiter geht, lesen Sie im nächsten Teil.

Hier geht es zum vorherigen Teil 4. und zum nächsten Teil 6

 

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