Stille Helden jenseits religiöser Grenzen

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Foto: ©  Jüdisches Museum Griechenland Foto: ©  Jüdisches Museum Griechenland

Der heutige Sonntag ist der Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust. Seit 2005 wird dieser Gedenktag am 27. Januar begangen. Dabei handelt es sich um ein symbolträchtiges Datum, denn an jenem Januartag 1945 gelang es den Alliierten, das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau zu befreien. Am vergangenen Mittwoch eröffnete das Jüdische Museum Griechenlands anlässlich des 74. Jahrestages der Befreiung des KZ-Lagers seine neue Sonderausstellung  „Die guten Hirten – Metropoliten und Großrabbiner angesichts des Holocaust“. Die aktuelle Ausstellung entstand in einer mehrjährigen Zusammenarbeit zwischen dem Museum und der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Athen.

Den Impuls für diese Ausstellung gab der aktuelle Museumspräsident Samuel (Makis) Matsas. Matsas erfuhr die Grausamkeiten des Holocaust am eigenen Leib. Als ein Kind der deutschen Besatzung in Griechenland war es ihm ein Anliegen, auf historische Spurensuche zu gehen und herauszufinden, wie christliche Kleriker und jüdische Großrabbiner gemeinsam mutig den Nazis entgegengetreten waren und dadurch hunderten verfolgten Juden das Leben retten konnten. Im Mittelpunkt der Ausstellung sollen die zahlreichen Hilfsaktionen, die Gesten und die gezeigte Sympathie stehen. Die stillen Helden von damals sollen dabei nicht nur nachträglich geehrt werden, sondern auch als Vorbilder für heute dienen. Die Geschichten werden durch originale Quellen und Artefakte untermauert – darunter auch viele Gegenstände, die einst ranghohen Klerikern beider Konfessionen gehörten, sind in der Ausstellung zu sehen. 

Dank der frühzeitigen Flucht seiner Eltern und der Unterstützung durch Freunde und Fremde konnte Matsas die Schoah überleben. Matsas wurde in Athen als Sohn einer alten sephardisch-jüdischen Familie aus Ioannina geboren. Aufgrund der Besatzung durch die Nationalsozialisten musste Matsas als Kleinkind mit seiner Familie in die Berge Mittelgriechenlands fliehen. Nach der Befreiung Griechenlands kehrte Matsas in die Hauptstadt zurück und baute dort gemeinsam mit seinem Vater  ein Musikunternehmen auf. Bereits früh setzte sich Matsas gemeinsam mit Weggefährten für die Gründung eines Jüdischen Museums in Griechenland ein. Im März 1998 war es soweit: Das Jüdische Museum Griechenlands wurde im Zentrum von Athen eingeweiht.

Wann: Die Ausstellung „Die guten Hirten – Metropoliten und Großrabbiner angesichts des Holocaust“ läuft bis 4. Oktober. Öffnungszeiten: Mo.-Fr. von 9 bis 14.30 Uhr und Sa. von 10 bis 14 Uhr. Am Sonntag hat das Museum geschlossen.

Wo: Jüdisches Museum Griechenland, Nikis 39, 10557 Athen.

Kosten: 6 Euro für Erwachsene; Studenten: 3 Euro.

Weitere Infos: www.jewishmuseum.gr oder telefonisch unter 2103225582.

(GZad)

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