Die Sache mit dem Lamm und dem Spieß

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Die Sache mit dem Lamm und dem Spieß

In diesem Jahr sind sich die West- und Ostkirche einig: Ostern wird gemeinsam gefeiert. Obwohl sie den Termin unterschiedlich berechnen, kommen beide 2017 zum selben Ergebnis. Das nächste „ökumenische“ Ostern wird aber erst wieder in acht Jahren – 2025 – begangen werden können. In Griechenland gehört zu diesem höchsten Fest der orthodoxen Kirche das Schlachten eines Lamms am Karsamstag, das tags darauf ab den frühen Morgenstunden in der Regel am Spieß gebraten wird.

Dieser Brauch war anfänglich in erster Linie vor allem auf der Peloponnes sowie auf dem Festland (Roumeli) verbreitet. Die Sache mit dem Lamm reicht tausende Jahre zurück: Die Opferung dieses Tiers war bei den Juden eine Geste, mit der sie sich u. a. bei Jahwe bedankten – denn mit dem Blut des Lamms an ihren Türen konnten sie sich einen Tag vor dem Auszug aus Ägypten vor dem von Gott gesandten Todesengel schützen. Aber auch die antiken Griechen sind irgendwie involviert: Sie sollen 40 Tage nach dem Tod eines Verwandten an dessen Grab ebenfalls ein Lamm gebraten und dazu Wein getrunken haben. Auch ein Tanz durfte nicht fehlen – man glaubte, der  Verwandte nähme an dem Mahl „leibhaftig“ teil. Und der christlichen Tradition zufolge wird das Lamm mit Jesus Christus gleichgesetzt. So hatte ihn Johannes der Täufer bezeichnet, der, als er ihn erblickte, sagte: „Siehe das Lamm Gottes, welches hinwegnimmt die Sünde der Welt.“
Während der osmanischen Herrschaft in Griechenland kam im Osterlamm die Sehnsucht nach der Auferstehung zum Ausdruck – diesmal gemünzt auf das griechische Volk und seinen Wunsch nach einem Ende der Fremdherrschaft.
Und eine „viehzüchterische“ Erklärung für das Osterlamm gibt es auch. Ab Ende Mai beginnt in Griechenland die (fast) regenlose Zeit des Sommers, und die Gräser,  Ernährungsgrundlage für die Schafe, beginnen zu vertrocknen. In früheren Zeiten musste also die Größe der Herden vermindert werden, weil das spärlich vorhandene Futter nur mehr für weniger Tiere ausreichte. Deswegen schlachtete man zu Ostern, aber auch zu einigen anderen Festen im Frühjahr: zum Tag des Heiligen Georg (23. April) etwa, zum Tag des Heiligen Johannes des Theologen (8. Mai) und zu jenem der Heiligen Konstantinos und Eleni (21. Mai). Damit das Ganze nicht blutig endet, machen wir einen Schwenk zur Etymologie: Woher kommt eigentlich das Wort Ostern? Ja, da hat die Wissenschaft keine eindeutige Erklärung.

Robert Stadler / Foto: © Eurokinissi

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