Chios: dem „Raketen-Kampf“ droht das Aus Tagesthema

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Unser Archivfoto (© Eurokinissi) entstand zu Ostern 2003 und zeigt den „Rouketopolemos“ zwischen Anhängern der Kirchengemeinden Agios Markos und Panagia Erithiani auf Chios. Unser Archivfoto (© Eurokinissi) entstand zu Ostern 2003 und zeigt den „Rouketopolemos“ zwischen Anhängern der Kirchengemeinden Agios Markos und Panagia Erithiani auf Chios.

Die Bewohner des Dorfes Vrontados auf der Insel Chios sind angesichts des bevorstehenden Osterfestes geteilter Meinung. Konkret handelt es sich um einen seit Jahrhunderten gepflegten Brauch: um den berühmt-berüchtigten „Rouketopolemos – zu Deutsch: Feuerwerksraketen-Kampf“. Diesem Brauch wird traditionell am Ostersamstag zu Mitternacht gefrönt, gefeiert wird dann die Auferstehung Christi.


Allerdings sind die Bewohner einiger Häuser, die in der Nähe der Kirchen Agios Markos und Panagia Erithiani liegen, der Ansicht, dass sich dieser Brauch zu einer äußerst gefährlichen Angelegenheit entwickelt habe. Sie haben außergerichtliche Abmahnungen versandt. Sie argumentieren damit, dass jedes Jahr durch hunderttausende Feuerwerkskörper, die zwischen den beiden Kirchen hin und her fliegen, schwere Schäden an ihren Häusern entstehen. Für die Reparaturen müssten sie anschließend selbst aufkommen. Weiterhin sei es für sie unmöglich, die Auferstehungsfeier in der Kirche zu besuchen, weil sie anschließend nicht wieder sicher in ihre Häuser zurückkehren können. Angesichts des „Beschusses“ der Kirchen sei dies viel zu gefährlich.
Einige Mitglieder der Gemeinde sehen nun allerdings die Gefahr, dass es zu einem regelrechten Wildwuchs des Feuerwerksraketen- Brauches kommen könnte, wenn das Verbot auf Dauer durchgesetzt werden sollte. Deshalb kam ein Gegenvorschlag auf den Tisch: Die Zahl der zu verballernden Feuerwerksraketen solle auf etwa 10.000 reduziert werden, außerdem könne die Zeit des Dauerbeschusses der Kirchen auf maximal eine Stunde bemessen werden.
Bereits letztes Jahr hatte der Brauch des „Rouketopolemos“, der bis auf die Zeit der Fremdherrschaft der Osmanen zurückgeht, nicht stattgefunden. – Nicht unerwähnt sollte bleiben, dass dieser auch in anderen Landesteilen gepflegte Brauch, die Auferstehung Christi mit Feuerwerkskörpern zu feiern, jedes Jahr zu zahlreichen und zum Teil schweren Verletzungen führt. Eine der Ursachen  ist, dass die meisten der Feuerwerkskörper selbst gebastelt werden, als Material kann auch Dynamit zum Einsatz kommen. Unsachgemäßer Umgang forderte in der Vergangenheit sogar Todesopfer, von eingebüßten Gliedmaßen usw. ganz zu schweigen.

Elisa Hübel

 

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