Mutmacher mit Sommerduft: Der Thymian

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Der Kopfige Thymian ‒ Caridothymus capitatus ‒ (το) θυμάρι (thymári); altgr. (ὁ) θύμος, (τό) θύμον (thýmos, thýmon) Der Kopfige Thymian ‒ Caridothymus capitatus ‒ (το) θυμάρι (thymári); altgr. (ὁ) θύμος, (τό) θύμον (thýmos, thýmon)

Sommer in Griechenland ist, wenn die Zikaden zirpen und die Luft nach Thymian riecht, wenn die Nächte kurz sind, sternenklar und trocken, und wenn der warme Wind selbst noch am Abend den Duft der größten „Mutmachpflanze“ von den Bergen herabweht. Nicht umsonst hieß im Altgriechischen das Wort θυμός (thymós) soviel wie Rauch, aber auch Geist und Mut.


Spricht man von Griechenland und seinem Thymian, dann wird meist als erstes der Honig assoziiert - der berühmte griechische Thymian-Honig. Den allgemein bekannten Echten Thymian, Thymus vulgaris, kann man in Griechenland wild wachsend nicht finden. Woher kommt dann, bitteschön, das typische Thymian-Aroma im Honig? Die Erklärung ist bei zwei anderen Pflanzen zu finden. Das eine Kraut ist der hier beschriebene Kopfige Thymian, Caridothymus capitatus, in Duft und Wirkungsweise mit dem Echten Thymian vergleichbar. Im Aussehen ist er weitaus imposanter als der Echte Thymian mit seinen fast unscheinbaren, eher blassen Blütchen. Eine Steigerung im typischen Thymian-Aroma bietet sogar die zweite Pflanze, die meist ebenfalls als Thymian, θυμάρι (thymári), bezeichnet wird, aber den Namen Thymbra- Bohnenkraut trägt. Wenn sich dann im Juni und Juli die Blüten der beiden Pflanzen öffnen, dann finden sich unzählige Bienen bei ihnen ein, angelockt von ihren Düften und sammeln fleißig ihren Nektar – ob nun kopfig oder echt, Thymian oder Bohnenkraut – was kümmert ’s die Bienen?! Es ist ihnen gleich, und für den Geschmack des Honigs ist es das ebenfalls. Wichtig ist allein das Aroma, kraftvoll und schwer, als wäre der ganze griechische Sommer darin eingefangen.

Der Thymian als Heilpflanze

Thymian war bereits im 5. Jh. v. Chr. eine bekannte Heilpflanze. Er diente außerdem zur Einbalsamierung im alten Ägypten, als Ehrenzeichen für Tapferkeit im antiken Griechenland, als Stärkungsmittel für Körper, Geist und Seele, als Aphrodisiakum, oder im Zeitalter der höfischen Minne als Zeichen der Gunst. Immer hat er irgendetwas mit Mut zu tun, mit Kraft und mit Gefühl. Er wirkt „schleimlösend, auswurffördernd, krampflindernd bei akuten und chronischen Katarrhen der Atemwege, bei Bronchitis und auch Keuchhusten“.

Verwendung in der Küche

Der Kopfige Thymian hat ein mildes und abgerundetes Aroma. Er wird zu Fisch- und Fleischgerichten, in Gemüse und Soßen gegeben. Bevor er zu blühen beginnt, werden Zweiglein gepflückt und getrocknet. So steckt seine ganze Würzkraft noch in den kleinen Blättchen und nicht in der Blüte. Entweder kommen ganze Zweiglein´ mit aufs tapsí, die griechische Back-oder Bratenform, wenn der traditionelle Ziegen- oder Lammbraten im foúrnos, d. h. im Backofen, gemacht wird. Oder die Thymian-Blättlein werden abgerippelt und in die Marinade aus Olivenöl, Salz und Pfeffer gegeben, mit der der Braten überm Grill immer wieder bestrichen wird.

Aus dem Buch: „Garten der Götter - Pflanzen am Mittelmeer: Heilkraft, Mythos, Geschichten & Rezepte“, das gerade in 2. überarbeiteter Auflage im Verlag der Griechenland Zeitung erschienen ist.

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